DSAG warnt vor Bildungsschulden bei SAP-Entwicklern
width="1024" height="682" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Die DSAG fordert Unternehmen auf, ihre ABAP-Entwickler gezielt für moderne SAP-Technologien wie Clean Core und ABAP Cloud weiterzubilden.SAP
Viele Unternehmen investieren derzeit mehrstellige Millionenbeträge in die Modernisierung ihrer SAP-Landschaften. Doch nach Einschätzung der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) wird dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor häufig unterschätzt: die Qualifizierung der eigenen Entwickler.
In einer neuen Handlungsempfehlung fordert der Anwenderverband CIOs auf, die Weiterbildung von SAP-Entwicklern nicht als freiwillige Schulungsmaßnahme, sondern als strategisches Investitionsprogramm zu behandeln. Gut ausgebildete Entwickler seien die Voraussetzung für stabile, wartbare Eigenentwicklungen ohne wachsende technische Schulden. Ohne Fortbildung beim Upgrade auf S/4HANA blieben die Potenziale der neuen Technologien ungenutzt.
Veraltetes Know-how wird zum Projektrisiko
Wie die Autoren ausführen, verfügen zwar viele ABAP-Entwickler über jahrzehntelange Erfahrung mit SAP R/3 oder ECC und besäßen umfangreiches Prozesswissen. Mit S/4HANA, Clean Core und ABAP Cloud hätten sich die Entwicklungsparadigmen jedoch grundlegend verändert.
Langfristig drohe dies zu schlechten Architekturentscheidungen, aufwendigen Workarounds und Eigenentwicklungen, die bei jedem Release nachgepflegt werden müssten, zu führen, so die DSAG. Auch viele Business Consultants orientierten sich noch zu stark an klassischen GUI-Transaktionen und berücksichtigten moderne Fiori-Technologien zu wenig.
Die Folge seien sogenannte “Bildungsschulden”, meint die SAP-Anwendervereinigung. Diese blieben zunächst unsichtbar, machten sich später jedoch in Form längerer Projekte, steigender Wartungskosten und einer wachsenden Abhängigkeit von externen Dienstleistern bemerkbar.
Kompetenzaufbau darf nicht erst im Projekt beginnen
Besonders kritisch sehen die DSAG-Autoren den Zeitpunkt der Weiterbildung. Wer erst während eines laufenden S/4HANA-Migrationsprojekts mit dem Kompetenzaufbau beginne, erhöhe das Projektrisiko erheblich. Fehlendes Wissen über CDS, RAP oder Fiori führe zu Architekturentscheidungen, die später teuer korrigiert werden müssten. Gleichzeitig lasse sich der notwendige Lernaufwand kaum parallel zum Tagesgeschäft bewältigen.
Aber auch nach abgeschlossener Migration müssen sich die SAP-Entwickler laut DSAG weiter fortbilden. Wer danach so weiterarbeite wie auf ECC, verpasse die Möglichkeiten aktueller SAP-Technologien – auch wenn technisch alles noch funktioniere, warnen die Autoren. Gleichzeitig könnten sie das Gelernte gleich anwenden, womit sich das neue Wissen verfestigt.
KI ersetzt keine Entwicklerkompetenz
Laut DSAG gilt auch für die Entwicklung im SAP-Umfeld: KI-Werkzeuge können zwar Code erzeugen und erklären. Voraussetzung sei dabei jedoch, dass Entwickler die Ergebnisse auch fachlich bewerten könnten. „Nur wer versteht, was guter SAP-Code ist, kann KI als Beschleuniger einsetzen“, so die Autoren. Andernfalls fungiere KI als Risikoverstärker und beschleunige im schlimmsten Fall lediglich die Entstehung technischer Schulden.
Voraussetzung für den erfolgreichen KI-Einsatz seien deshalb solide Software-Engineering-Kenntnisse, automatisierte Tests und ein Verständnis moderner SAP-Entwicklung.
Die fünf Empfehlungen der DSAG
Die DSAG empfiehlt CIOs deshalb, Weiterbildung fest in ihre Transformationsstrategie zu integrieren. Konkret nennt der Verband fünf Maßnahmen, nämlich:
verbindliche Lernpfade für unterschiedliche Rollen wie ABAP-, CAP- oder Integrationsentwickler sowie Business Consultants zu definieren,
geeignete Sandbox- und Testumgebungen bereitzustellen,
Fortbildungszeiten verbindlich in die Kapazitätsplanung aufzunehmen,
Schulungen zeitlich mit Migrations- und Modernisierungsprojekten zu verzahnen, sowie
bestehende DSAG-Leitfäden als Referenzrahmen für die Entwicklung zu nutzen.
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