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Tokenmaxxing ist einfach nur dumm

Tokenmaxxing ist der neueste abwegige Trend im langen Kampf darum, die Produktivität von Entwicklern zu messen.DC Studio | shutterstock.com



Scheinbar haben Softwareentwickler in Diensten von Meta, die sich voll und ganz der KI-gestützten Programmierarbeit verschrieben haben, einen neuen Weg gefunden, ihr Engagement zu messen. Dieser manifestiert sich in Form einer internen Rangliste, die erfasst, welcher Dev die meisten Token mit Claude Code verbraucht. Das nennt sich auch „Tokenmaxxing“ und ist eine der dümmsten Ideen, die mir seit langem begegnet ist.



Denn bei diesem Wettlauf darum, wer die meisten Token verbraucht, spielt es keine Rolle, ob daraus ein gutes Ergebnis entstanden ist. Die Rankings sind einfach nur dazu da, damit sich die Beteiligten mit zweifelhaften Titeln wie „Token Legend“ oder „Cache Wizard“ schmücken können. Auch bei Microsoft, OpenAI und Salesforce spielt(e) sich offenbar Ähnliches ab.  



3 Gründe gegen Tokenmaxxing



Softwareentwickler zu führen, ist eigentlich schon schwer genug. Das hat diverse Gründe, aber der wohl wichtigste ist, dass sich der Softwareentwicklungsprozess, beziehungsweise die Produktivität der Developer nur sehr schwer (bis gar nicht) messen lässt. Was nicht heißen soll, dass das nicht versucht wurde. Im Gegenteil: Im Laufe der Jahre wurden Code-Zeilen, Storypoints, Arbeitsstunden insgesamt und pro Task oder auch die wöchentlich behobenen Bugs gemessen – unter anderem. All diese „Kennzahlen“ haben dabei zwei Dinge gemeinsam: Sie funktionieren nicht und werden am Ende nur manipuliert.



Deshalb tun wir uns meiner Meinung nach mit Anwandlungen wie Tokenmaxxing alles andere als einen Gefallen. Warum, lege ich auch gerne dar:




Erstens sagt es nicht wirklich etwas aus, wenn gemessen wird, wie viele Token verbraucht wurden.



Zweitens ist eine „Zielsetzung“ dieser Art quasi dazu gemacht, massiv ausgenutzt zu werden, indem sinnlos Token verbrannt werden – siehe auch Goodharts Gesetz.  



Drittens könnten Manager in den Führungsetagen auf das Phänomen aufmerksam werden. Schließlich suchen sie schon lange nach einer Methode, um Developer zu evaluieren. Sollten Sie Tokenmaxxing als Option dafür entdecken, prophezeie ich einen rasanten Niedergang.




Natürlich lassen sich verbrauchte Token leicht zählen und die Werte sehen in einem Dashboard eventuell auch toll aus. Leider ist es nur für absolut nichts gut – außer dazu, festzustellen, wie viel Strom durch die GPUs gejagt wurde. Während ich diesen Text hier tippe, habe ich bereits vor meinem inneren Auge, wie sich die OKRs in den Köpfen der Manager formen und im Rahmen einer Präsentation für Investoren per Powerpoint-Slide verkündet wird: „Der Token-Durchsatz ist im Jahresvergleich um 30 Prozent gestiegen!“



Es verhält sich mit Tokenmaxxing ähnlich wie damit, Code-Zeilen zu zählen: Eine Maximierung ist ein Kontraindikator für Qualität und Erfolg. Dazu kommt, dass es tatsächlich auch zu schlechteren Ergebnissen führen kann, möglichst viele Token zu verbrauchen. KI-Assistenten wie Claude Code erfordern vielmehr, Ressourcen mit Bedacht zu managen.



Das Letzte, was Unternehmen (und auch Devs) brauchen können, ist, dass der Token-Verbrauch zur neuen „Beschäftigungsarbeit“ wird, bei der Entwickler Ressourcen verschwenden und Führungskräfte ihnen dafür noch auf die Schulter klopfen. Das hat man wohl auch bei Meta erkannt und dem Tokenmaxxing inzwischen klugerweise einen Riegel vorgeschoben. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Infoworld.com erschienen.