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Wie SAP-Kunden KI einsetzen

Während SAP versucht, seinen Kunden das Konzept Autonomous Enterprise und KI-Agenten schmackhaft zu machen, ist die KI-Strategie einiger Anwender schon weit fortgeschritten.Foundry



SAP nutzte die Sapphire 2026, um die „Autonomous Enterprise“ zu propagieren – eine Vision, in der KI-Agenten Geschäftsprozesse eigenständig ausführen. Doch die Kunden-Keynote am Mittwoch zeichnete ein differenzierteres Bild. Lockheed Martin, ExxonMobil, Aeropuertos Argentina und Levi Strauss präsentierten jeweils eine eigene KI-Strategie, geprägt von ihrer jeweiligen Branche, ihrer Risikobereitschaft sowie ihren strategischen Prioritäten.



„Kunden befinden sich auf unterschiedlichen Reifegraden und haben auch unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie tun möchten“, erklärte Jonathan von Rüeden, Chief AI Officer bei SAP. „Manche sagen, Agenten könnten nur das tun, was wir ihnen auftragen. Einzelhändler sind da etwas zukunftsorientierter.Einige sagen, Agenten dürfen nur das tun, was wir ihnen vorgeben. Einzelhändler sind etwas zukunftsorientierter.“



Die vier Unternehmen auf der Bühne machten diese Spannbreite deutlich: Sie reichte von einem 115 Jahre alten Energiekonzern, der bewusst „den KI-Hype einfach weiterlaufen lässt“, bis hin zu einer 170 Jahre alten Modemarke, die bereits mehr als 1.000 Agenten im Einsatz hat.



ExxonMobil: „Lasst den KI-Hype ruhig weiterlaufen.“



ExxonMobil befindet sich derzeit mitten in einer massiven Transformation und entfernt jahrzehntelange SAP-Anpassungen, um zu einem Clean Core zu gelangen.



Der 115 Jahre alte Öl- und Gasgigant stürzt sich jedoch nicht Hals über Kopf in die KI. „Ich lasse den KI-Hype gern erst einmal weiterlaufen“, erklärte Bill Keillor, Vice President Business Transformation bei ExxonMobil. „Lassen Sie uns zuerst unsere Grundlagen absolut sauber aufstellen.“



Konkret bedeutet das, Daten als strategisches Gut zu behandeln, das bislang eingeschlossen war. „Wir wollen das wirklich freisetzen“, betonte Keillor. „Wenn man die Basis nicht richtig hinbekommt, zahlt man dafür auf ewig den Preis.“



Sein Rat an CIOs, die eine Transformation in großem Maßstab angehen: „Seien Sie sich über die strategische Absicht im Klaren, richten Sie eine starke Governance ein und wählen Sie Partner aus, die dies nicht nur als Auftrag, sondern als Win-Win-Situation betrachten.“


Bill Keillor, Vice President Business Transformation bei ExxonMobil, schilderte SAP-Vorstand Thomas Saueressig seine Erfahrungen bei der KI-Implementierung. SAP



Lockheed Martin: Das Ziel ist Einsatzbereitschaft



Maria Demaree, CIO von Lockheed Martin, gab der Diskussion eine neue Richtung. „Transformation ist nicht das Ziel, sondern Einsatzbereitschaft“, erklärte sie.  Diese Wortwahl ist bewusst gewählt. Für das Verteidigungs- und Luftfahrtunternehmen bedeute Einsatzbereitschaft Systeme, die funktionieren, wenn Menschenleben davon abhängen. „Die Risiken sind hoch – und sie betreffen Menschen“, führte sie aus.



Laut Demaree steckt Lockheed Martin derzeit mitten in der größten Modernisierungsinvestition der Unternehmensgeschichte: einem Vorhaben, jahrzehntelange Fragmentierung zu beseitigen. „Die Herausforderung ist nicht der Aufwand, sondern die Komplexität: voneinander getrennte Systeme und fragmentierte Prozesse“, resümiert sie.



Um echten Mehrwert zu schaffen, müsse KI direkt in die Abläufe von Lockheed integriert werden und dürfe nicht einfach zusätzlich „angebaut“ werden, ergänzte Demaree. „Transformation beginnt nicht mit Technologie. Man muss zunächst Prozesse grundlegend neu denken.“


Für Maria Demaree, CIO von Lockheed Martin, muss KI vor allem funktionieren .SAP



Aeropuertos Argentina: Von der Idee bis zum Produktiveinsatz in zwölf Wochen



Am anderen Ende des Spektrums zeigt Aeropuertos Argentina, was möglich ist, wenn die Grundlagen bereits vorhanden sind.



Das Unternehmen betreibt 35 Flughäfen und wickelt 90 Prozent des kommerziellen Flugverkehrs Argentiniens ab. Winterliches Wetter stellt dabei für die acht Flughäfen in Patagonien eine ständige operative Bedrohung dar. So erfordern Wettervorhersagen sowie das Management von Eis und Schnee eine präzise Koordination zwischen den Teams für Meteorologie, Betrieb, Instandhaltung und Lieferkette. In der Vergangenheit erfolgte diese Koordination manuell, war fragmentiert und langsam.



Nach der Umstellung von ECC auf S/4HANA verfügte Aeropuertos Argentina über die Grundlage, um schnell voranzukommen. Gustavo Sábato, CIO des Unternehmens, beschrieb die Entwicklung eines Agenten namens S.N.O.W. (Smart Network for Operative Winter) in nur zwölf Wochen. Der Agent integriert Wetterdaten, Sensormessungen von Start- und Landebahnen sowie Wartungsprozesse, um Entscheidungen zu automatisieren und Arbeitsabläufe in Echtzeit zu koordinieren.



Die Ergebnisse, so Sábato: 16 Prozent weniger direkte Kosten, 90 Prozent weniger administrativer Aufwand und eine Einsparung von 45 Tonnen CO₂. Die Lösung gewann den „SAP LATAM Customer Innovation Contest 2025“ und läuft inzwischen ganzjährig. In den kommenden Wochen soll der Agent an zwei zusätzlichen Flughäfen eingeführt werden; für den nächsten Winter sind sechs weitere geplant.


width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Gustavo Sábato, CIO Aeropuertos Argentina, realisiert mit KI-Agenten bereits deutliche Einsparungen.SAP



Levi Strauss: Über 1.000 Agenten – und es werden mehr



Die offensivste Geschichte zur Einführung agentischer KI kam von Levi Strauss. Das Unternehmen verschaffte sich früh einen Vorsprung und setzte bereits vor zweieinhalb Jahren auf generative KI – zu einem Zeitpunkt, als die meisten Anbieter von Enterprise-Software noch kaum entsprechende Werkzeuge im Angebot hatten.



Heute hat das 170 Jahre alte Bekleidungsunternehmen mehr als 1.000 KI-Agenten im Einsatz und über 4.000 Mitarbeiter im Umgang mit KI geschult. Dabei hat es gemeinsam mit SAP Innovationen vorangetrieben und auf S/4HANA Fashion sowie Microsoft Azure aufgebaut, während es fast ein Dutzend älterer ERP-Systeme auf einer einzigen globalen Plattform konsolidiert hat.



Diese Konsolidierung erforderte schwierige Gespräche, um die Art und Weise zu ändern, wie das Unternehmen seit jeher Geschäfte getätigt hat, berichtete Jason Gowans, Chief Digital and Technology Officer. Genau das habe jedoch die Grundlage geschaffen, um KI erfolgreich einzusetzen. „Standardisierung und Agilität stehen nicht im Widerspruch zueinander. Standardisierung ermöglicht es uns, agil zu handeln.“



Als Beispiel verwies er auf die Bearbeitung von Großhandelsbestellungen kleinerer Einzelhändler, die oft per PDF, E-Mail oder Tabellenkalkulation eingereicht wurden. Früher hätte der Prozess zwei bis fünf Tage gedauert, mithilfe von KI-Agenten, die auf Microsoft Azure und SAP basieren, nun nur noch 20 bis 30 Minuten.



Gowans würdigte die Arbeit, die hinter diesen Ergebnissen steckt. „Es ist schwer“, räumte er ein. „Aber nicht so schwer. Man wird nicht 170 Jahre alt, wenn man stillsteht.“ (mb)


Jason Gowans, Chief Digital and Technology Officer von Levi Strauss, setzt bereits seit zweieinhalb Jahren auf Generative KI.SAP