KI-Produktivitätsgewinne gehen zu 40 Prozent verloren
width="9495" height="5340" sizes="auto, (max-width: 9495px) 100vw, 9495px">KI-bedingte Unzulänglichkeiten zu korrigieren, ist eher Usus als Ausnahme und trifft oft die besten Talente im Unternehmen.Kostiantyn Voitenko | shutterstock.com
Wir alle kennen die Verheißungen von KI-bedingten Produktivitätsgewinnen. Die sind zwar (je nach Fall) durchaus real, werden aber beinahe zur Hälfte wieder zunichtegemacht. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine aktuelle Untersuchung (PDF) des HR-Spezialisten Workday.
Demnach gehen rund 40 Prozent der durch KI erzielten Produktivitätsgewinne dadurch wieder verloren, dass die maschinellen Outputs aufgrund qualitativer oder inhaltlicher Mängel korrigiert werden müssen. Ausbaden müssen das laut Workday vornehmlich jene Fachkräfte, die besonders fähig sowie enthusiastisch sind. Diese “KI-Ausputzer” verbringen demnach pro Jahr im Schnitt eineinhalb Wochen damit, KI-Outputs glattzuziehen.
Das KI-Netto vom Brutto
Insbesondere für Führungskräfte könnten diese Produktivitätsverluste einen blinden Fleck darstellen, warnen die Studienautoren: „Die meisten Führungskräfte konzentrieren sich darauf, wie viel Zeit durch KI eingespart wird. Doch diese Kennzahl allein verschleiert das tatsächliche Bild. Berücksichtigt man den Zeitaufwand für Nachbesserungen, fällt der Nettonutzen von KI oft deutlich geringer aus als erwartet.“
Um diesen tatsächlichen Nutzen von KI zu erfassen, müssten Unternehmen vor allem die erzielten Outcomes berücksichtigen, empfiehlt Workday. Der Nettowert – also die eingesparte Zeit minus die verlorene Zeit – könne ein exakteres Bild davon zeichnen, ob KI tatsächlich die Art und Weise verbessert, wie Arbeit erledigt wird. Oder lediglich die Abläufe beschleunigt. „Unsere Untersuchung zeigt, dass minderwertige KI-Ergebnisse nicht auf eine bestimmte Branche oder Region beschränkt sind. Sie treten überall dort auf, wo KI ohne entsprechende Anpassungen hinsichtlich Skills, Rollengestaltung und Support eingeführt wird“, schreiben die HR-Experten.
Die Studie kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass zwar 66 Prozent der befragten Führungskräfte angeben, KI-Kompetenzschulungen zu priorisieren. Allerdings berichten parallel lediglich 37 Prozent der befragten Beschäftigten, die KI täglich nutzen, von einem besseren Zugang zu entsprechenden Trainings-Initiativen. Noch schlimmer sieht die Lage unter denjenigen aus, die eher Probleme mit der Technologie haben: 54 Prozent dieser Nutzer geben an, in Sachen Skills nicht auf den aktuellen Stand gebracht worden zu sein. Das führt in vielen Unternehmen zu einem Ungleichgewicht: Die Erwartungshaltung ist, dass mit KI qualitativ hochwertige Arbeit geleistet wird. Aber um das effektiv umsetzen zu können, fehlen vielen Beschäftigten die nötigen Kompetenzen.
Um gegenzusteuern, empfiehlt Workday Führungskräften vor allem vier Maßnahmen:
Den Netto-Wert von KI inklusive der Zeit für Fehlerbehebungen zu erfassen und nicht nur die eingesparte Zeit.
Investments in Schulungen vor allem auf die diejenigen Bereiche zu fokussieren, in denen KI-„Workslop“ korrigiert wird.
Job-Beschreibungen formal um KI-Kompetenzen zu ergänzen.
KI-Produktivitätsgewinne in Menschen zu reinvestieren – beispielsweise in Form von mehr Zeit für Zusammenarbeit und strategisches Denken.
Das sagen Experten
Wir haben zudem auch mit einigen Marktexperten über die Studienerkenntnisse von Workday diskutiert.
Paul Farnsworth, President beim Karriereportal Dice, empfiehlt Führungskräfte ebenfalls, einen Schritt zurücktreten und sich genau anzusehen, wo KI echten Mehrwert schafft: „Achten Sie auf Muster. Etwa spezifische Workflows, die kontinuierlich Nachbesserungen erfordern, oder Leistungsträger, die vermehrt Zeit damit verbringen, Outputs zu bearbeiten. KI sollte nicht nur den Output beschleunigen, sondern letztlich Reibungsverluste reduzieren. Wenn das Gegenteil der Fall ist, müssen Sie eingreifen.“
Laura Stash, Executive Vice President beim Schweizer Prozessspezialisten iTech AG, sieht die größten Probleme in Bezug auf KI-„Aufräumarbeit“ dort, wo Mitarbeiter die Technologie für komplexere Tasks einsetzen – insbesondere, wenn sie dafür nicht umfassend geschult sind: „KI macht Sinn bei geringwertigen, wiederholbaren Aufgaben. Aber denselben Ansatz ohne angemessene Schulung oder Validierung auf hochspezialisierte Aufgaben anzuwenden, schafft mehr Probleme, als es löst. Wenn die Mitarbeiter den KI-Outputs weder vertrauen noch sie verfeinern können, schwinden die Produktivitätsgewinne.“
Einig sind sich die Experten zudem darin, dass Führungskräfte im Unternehmen ihre Erwartungshaltung in Sachen KI an entsprechenden Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen ausrichten sollten. „Das bedeutet, in die Befähigung der Mitarbeiter zu investieren. Sie müssen nicht nur darin geschult werden, wie man KI nutzt, sondern vor allem darin, wie man sie richtig nutzt“, konstatiert Farnworth. Das könne laut dem Manager auch erfordern:
Aufgabenbereiche neu zu definieren;
Mitarbeiter mit neuen Skills auszustatten;
klare Anweisungen auszugeben, wie und wann KI eingesetzt werden soll.
Von der Sinnhaftigkeit dieser Vorschläge ist auch Kareem Osman, Market Director of Technology Talent Solutions beim Personaldienstleister Robert Half, überzeugt: „Mitarbeiter benötigen klare Richtlinien, wann KI eingesetzt werden soll, wie die Ergebnisse überprüft werden können und wie Erfolg konkret aussieht.“
Unternehmen, die das gut umsetzten, verbänden KI mit Schulungen, Qualitätsstandards und Accountability, so Osman: „So werden die Mitarbeiter dazu befähigt, ihre Aufgaben besser zu erledigen – und nicht nur schneller.“ (fm)
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