KI am Arbeitsplatz: Zwei Drittel würden das Rad gerne zurückdrehen
KI soll helfen, effizienter zu arbeiten. In vielen Fällen frustriert sie aber mehr, als sie hilft.Shutterstock / Kaspars Grinvalds
Auf den Hype um Künstliche Intelligenz (KI) scheint langsam die Ernüchterung zu folgen, insbesondere, was den Einsatz der Technologie am Arbeitsplatz angeht. So ergab die aktuelle Studie der Technologieberatung Adaptavist, dass 72 Prozent der Wissensarbeiter mit Sehnsucht auf das Arbeiten ohne KI zurückblicken. 41 Prozent würden GenAI-Tools am liebsten komplett abschaffen.
Für die Studie „Die Welt im Wandel: Der Preis der KI-Transformation“ wurden im Auftrag von Adaptavist weltweit 2.500 Fachkräfte befragt, darunter 500 Wissensarbeiter aus Deutschland.
Mehr Aufwand als Hilfe durch KI
Der Grund für die wachsende Abneigung, so die Autoren: Die Technologie komme ihrem Versprechen, Arbeitnehmende zu entlasten, nicht nach. Stattdessen erzeuge sie vielmehr neuen Druck, den das Personal aushalten müsse.
So gaben 39 Prozent der deutschen Teilnehmenden an, mittlerweile mehr Zeit dafür aufzuwenden, KI-Ergebnisse zu überprüfen, korrigieren und validieren, als tatsächlich einzusparen.
42 Prozent der Befragten aus Deutschland sind zudem der Meinung, dass schlechte von KI erzeugte Ergebnisse die eigenen Projekte ausbremsten. Fast die Hälfte (49 Prozent) gibt sogar an, solche fehlerhaften KI-Resultate würden die Effizienz ihres gesamten Teams reduzieren.
Mensch gegen Maschine
Zusätzlich sind die Teilnehmenden der Meinung, dass KI beziehungsweise GenAI den Wert ihrer qualifizierten Arbeit mindere. Die Hauptkritikpunkte dabei:
KI schränke ihre Kreativität ein (25 Prozent).
Überwachung und Datenschutz bereite ihnen Sorgen (25 Prozent).
Die Technologie könne missbraucht werden (20 Prozent).
Ihre Arbeit werde durch „KI-Müll“ (AI Slop) weniger sinnvoll, fühle sich aber mehr repetitiv an (45 Prozent), was auch 37 Prozent von ihnen demotiviere.
Darüber hinaus sind die Befragten der Ansicht, dass AI Slop ihren Arbeitsplatz träger und unübersichtlicher erscheinen lasse.
Mitarbeitende lehnen nur den falschen Einsatz von KI ab
Trotz aller gefühlten Missstände lehnen die Umfrageteilnehmer KI jedoch nicht generell ab: Hierzulande gaben zwei Drittel vielmehr an, sie würden sich sogar wünschen, dass ihr Unternehmen mehr KI einsetzt. Fast ebenso viele vertrauen darauf, dass KI ethisch einwandfrei eingesetzt wird (64 Prozent) und bei der Einführung transparent vorgegangen wurde (62 Prozent).
Dennoch verstehen vier von zehn Befragten oft nicht, warum von ihnen verlangt werde, KI bei ihrer Arbeit einzusetzen. Ein ebenso großer Anteil gibt an, aus diesem Grund unter AI Fatique (KI-Müdigkeit) zu leiden.
Laut den Studienmachern deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass die Einführung von KI nicht gleichbedeutend mit der Bereitschaft zur Nutzung ist. Genau in dieser Diskrepanz liege aber die Ursache für die Enttäuschung.
Erfolg von KI am Arbeitsplatz nur bei durchdachtem Einsatz
„Für Unternehmen ist es viel einfacher, sich auf die Kennzahlen zu konzentrieren – beispielsweise, wer KI nutzt und wie oft sie genutzt wird –, als ihre Auswirkungen auf die Arbeit selbst zu messen“, erklärt Neal Riley, AI Innovation Lead bei The Adaptavist Group.
Dabei könne KI das stärken, was Arbeit sinnvoll und wirkungsvoll macht, anstatt es zu untergraben – sie müsse nur durchdacht eingeführt werden.
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