Microsoft lässt Copilot auf lokale Windows-Dateien zugreifen
Microsoft will lokale KI-Modelle und Cloud-Dienste kombinieren, um Kosten und Datenübertragungen zu reduzieren.Microsoft
Microsoft gewährt Copilot mehr Kontrolle über Windows-PCs: Der KI-Assistent kann künftig lokale Dateien organisieren und bearbeiten. Auch bestimmte Aufgaben sollen dann mithilfe von KI-Modellen ausgeführt werden können, die direkt auf dem eigenen Gerät laufen.
Diese Neuerungen hat Microsoft auf der Veranstaltung „Windows Hybrid Intelligence“ vorgestellt. Ziel ist es, die KI-Verarbeitung lokal und in der Cloud zu kombinieren. Das soll Kunden dabei helfen, ihre KI-Kosten zu senken und mehr Kontrolle über ihre Daten zu behalten.
Drei neue Funktionen für Copilot
Wie die Redmonder mitteilen, werden Nutzern von „Copilot+“-PCs „in den kommenden Monaten“ drei neue Copilot-Funktionen zur Verfügung stehen:
Zum einen soll Copilot auf lokale Dateien und kürzliche Benutzeraktivitäten zugreifen können. Diese Informationen lieferten dem Assistenten zusätzlichen Kontext für seine Antworten und Ergebnisse.
Zudem soll Copilot künftig in der Lage sein, Aktionen auf dem Gerät auszuführen, also etwa Dateien verschieben oder Einstellungen ändern. „Copilot kann in selbem Umfang Dinge steuern und verändern, wie ich als Benutzer – allerdings stets mit entsprechender Berechtigung“, erklärt Jacob Andreou, Microsoft EVP für Copilot, während der Veranstaltung.
Die Funktion erinnert an „Copilot Actions“ – ein „experimentelles“ Feature, das Microsoft im vergangenen Jahr zunächst als Vorschauversion für Windows-Insider angekündigt hatte.
Schließlich wird der KI-Assistent in der Lage sein, bestimmte Aufgaben auf Basis lokaler KI-Modelle auszuführen und dabei Cloud-Server nur „bei Bedarf“ zu nutzen. „Für die anspruchsvollsten Aufgaben wird Copilot weiterhin die Cloud nutzen“, erklärt Andreou, „Wenn jedoch Kosten oder Datenschutz eine größere Rolle spielen, kann das System Aufgaben an lokale Modelle delegieren, die direkt auf dem Computer laufen.“
Biswajeet Mahapatra, Principal Analyst bei Forrester, merkt an, dass der hybride Ansatz von Microsoft die Marktnachfrage widerspiegele. Die Analysten hätten beobachtet, dass Unternehmen keine KI wollen, die ausschließlich auf dem Endgerät laufe. Gesucht werde vielmehr eine KI, die intelligent entscheiden kann, welche Workloads lokal ausgeführt werden sollten und welche in die Cloud gehörten. „Unternehmen wollen zunehmend beide Optionen“, so der Experte.
Lokale KI und leistungsstärkere PCs
Microsoft zufolge soll die Möglichkeit, auf lokale Dateien zuzugreifen und mit ihnen zu interagieren, auch den Nutzen von Autopilot (ehemals Scout) steigern. Hierbei handelt es sich um einen Copilot-Agenten, der kontinuierlich im Hintergrund arbeiten kann und sich derzeit in einer privaten Preview-Phase befindet.
Andreou weist darauf hin, dass Autopilot auch in der Lage sei, lokal betriebene Modelle zu nutzen. Das helfe dabei, Kosten zu senken und die Übertragung privater Daten in die Cloud zu vermeiden.
Hardwareseitig unterstützt Microsoft dieses Szenario mit leistungsstärkeren Rechnern – darunter das Surface Laptop Ultra und die Surface RTX Spark Dev Box – sowie effizienteren KI-Modelle, die für den Betrieb direkt auf Endgeräten konzipiert sind.
CPU, GPU und NPU treiben lokale KI voran
„Die meisten Unternehmen setzen sich derzeit noch damit auseinander, wie viele Token verbraucht werden, welche Modelle sich eignen und wo diese ausgeführt werden sollen“, erklärt Tom Mainelli, Group Vice President für Device and Consumer Research bei IDC. Mit zunehmender Erfahrung und steigender Nutzerzahl werde der Bedarf steigen, KI – einschließlich Microsoft Copilot – lokal auszuführen.
Aktuelle Business-Laptops verfügten zwar bereits über gewisse lokale KI-Funktionen, seien aber noch weitgehend auf Copilot in der Cloud angewiesen, so der Experte. Dies könnte sich aber ändern, sobald leistungsfähigere Hardware flächendeckend verfügbar ist.
Mainelli geht davon aus, dass künftig mehr KI-Aufgaben direkt auf dem Gerät ausgeführt werden. Als Grund nennt er, dass „immer mehr Systeme mit der passenden Kombination aus CPU, GPU, NPU und Arbeitsspeicher ausgeliefert werden und sich die lokalen Modelle stetig weiterentwickeln“.
Cloud vorerst unverzichtbar, aber lokale KI kommt
Momentan sei der Bestand an PCs in Unternehmen allerdings „weiterhin sehr heterogen“, gibt sein Kollege Mahapatra zu bedenken. „Zwar hat Microsoft neue KI-fähige Hardware hervorgehoben und darauf hingewiesen, dass ein wachsender Anteil der geschäftlich genutzten Laptops sogenannte „Copilot+“-PCs sind. Die Erneuerung der meisten PC-Flotten in Unternehmen wird jedoch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.“
„Kurzfristig profitieren daher vor allem Unternehmen, die bereits in KI-PCs und leistungsstarke Geräte investieren. Viele Betriebe werden weiterhin primär auf Cloud-basierte KI setzen und im Zuge der Erneuerungszyklen punktuell lokale KI-Funktionen einführen“, so der Experte.
Mehr Sicherheit für KI-Agenten durch MXC
Microsoft will auch die Sicherheit beim Betrieb von Agenten direkt auf dem Endgerät verbessern. Dazu gehört die allgemeine Verfügbarkeit von Microsoft Execution Containers (MXC) unter Windows 11. Hiermit können Unternehmen Richtlinien festlegen, die bestimmen, auf welche Dateien und Netzwerke Agenten zugreifen dürfen. MXC wird von einer Reihe von Agenten-Tools unterstützt, unter anderem OpenAI Codex, OpenClaw und GitHub Copilot; weitere – wie Anthropic Claude Code, Box und Manus – sollen folgen.
Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen dürften Geschäftskunden mehr Vertrauen geben, wenn sie Copilot den Zugriff auf lokale Dateien gestatten, so Mainelli. „Genau das bringt Microsoft ein: Sicherheit und Nachvollziehbarkeit bei diesen Prozessen, die Unternehmen das nötige Vertrauen für den Einsatz vermitteln soll“, erklärt er. „Wir werden sehen, wie die Unternehmen darauf reagieren.“
Strengerer Zugriffskontrollen für KI-Agenten
Mahapatra rät Unternehmen, Agenten auf Windows-Geräten genauso zu verwalten wie jede andere Automatisierungsplattform: Vertrauen sollte auf Kontrollmechanismen basieren, nicht auf der KI selbst.
Die Ankündigung von Microsoft sei in diesem Zusammenhang bedeutsam, da sie anerkennt, dass Agenten ein anderes Sicherheitsmodell benötigen als herkömmliche Anwendungen, ergänzt er. „Technologien wie Microsoft Execution Containers sollen den Zugriffsbereich von Agenten begrenzen, nachvollziehbar machen, welcher Agent eine Aktion ausgeführt hat und richtlinienbasierte Kontrollen durchsetzen.“
Autonome Agenten brauchen menschliche Kontrolle
Gleichzeitig warnt er davor, ohne angemessene Governance umfassende autonome Zugriffsrechte auf lokale Dateien zu gewähren. „Funktionen wie rollenbasierter Zugriff, Lesezugriff, Zusammenfassung von Dokumenten, Suche und Workflow-Unterstützung werden sich wahrscheinlich schneller durchsetzen als die autonome Änderung von Dateien oder die Ausführung von Geschäftsprozessen“, so Mahapatra.
„Wenn Agenten nicht mehr nur Empfehlungen geben, sondern selbst handeln, benötigen Unternehmen strengere Freigabeverfahren sowie verbesserte Überwachung, Auditierung und menschliche Aufsicht. Dies ist besonders wichtig bei Agenten, die mit sensiblen Daten, regulierten Prozessen oder zentralen Datensystemen interagieren“, betont der Experte. (tf)
Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Computerworld.
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