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Apple Watch Series 12 im Test: Mit der Kraft für zwei Herzen

Halyna Kubiv



Jedes Jahr legt Apple Watch eine neue Version der Apple Watch auf, zumindest für das Hauptmodell. Dieses ist nun bei Series 12 angelangt und wenn auch das Äußere nahezu unverändert ist, macht die smarte Uhr mit einem neuen Herzsensor einen bedeutenden Sprung. Andere Verbesserungen bei der Apple Intelligence sind noch gar nicht angekommen und werfen dennoch ihre Schatten voraus.



Unser Test zieht sich jedoch hin: Um die neue App „Tagesform“ in Aktion zu sehen, benötigt die Apple Watch einige Tage der Messungen. Tagsüber und auch nachts – wobei ich mich beim Zubettgehen geradezu erinnern muss, die Uhr nicht abzulegen. Alte Gewohnheit, meine private Apple Watch Series 10 benötigt einfach nach einem Tag mehr oder minder intensiver Nutzung frische Energie – und die Erinnerung, vor der Vermessung des Schlafes die Uhr nochmals aufzuladen, ignoriere ich meist. Ich schlafe lieber ohne Uhr – und in der Regel weiß ich auch am Morgen, ob ich gut geschlafen habe und warum eigentlich nicht.



Ich stelle nicht in Abrede, dass die Vermessung des Schlafes sinnvoll ist, zumal die neue App „Tagesform“ hilfreich sein könnte – muss sie aber erst einmal mit Daten füttern. Wie schon die Apple Watch Series 11, die ich vor einem Jahr testen durfte, hält die Uhr wirklich den ganzen Tag und auch die Nacht mit einer Ladung durch.



Nach dem Einrichten am frühen Nachmittag hat die Apple Watch in Dunkelbronze noch 65 Prozent Ladung, ich trage sie den Rest des Tages, bin dabei auch eine Stunde auf dem Fahrrad unterwegs. In der Nacht behalte ich sie an und lade sie am Morgen von etwa 30 Prozent wieder voll auf. 



Nur eine genauere Messung habe ich noch vorgenommen, am Nachmittag des Mittwochs, nach gut sechs Tagen Betrieb: In einer halben Stunde ging es von 33 auf 91 Prozent. Die Ladegeschwindigkeit sollte also ausreichen, um die Uhr den ganzen Tag und auch die Nacht über zu tragen – wenn man zwischendrin das Laden nicht vergisst.



In meinen ersten Tests konnte ich allerdings nie die versprochene Ladegeschwindigkeit für die Series 12 erreichen. Apple verspricht mit dem neuen Ladepuck und einem passenden Netzteil in 15 Minuten Ladung bis zu 12 Stunden Nutzung, dies entspricht ungefähr 50 Prozent der kompletten Akkuladung. Im ersten Durchgang habe ich in 15 Minuten 41 Prozent Ladung erreicht, nach 30 Minuten war die Watch auf 62 Prozent aufgeladen, weit entfernt von den versprochenen 80 Prozent.






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Zur Info: Apple stattet die neue Apple Watch Series 12 mit einem neuen Ladepuck aus. Dieser kann bei 5 Volt Spannung bis zu 2 Ampere erreichen. Alternativ sind bei 9 Volt 1,2 Ampere möglich. Theoretisch kann die Apple Watch damit eine Leistung von 10 Watt aufnehmen. Das war leider nicht der Fall.






Halyna Kubiv



Neue Herzsensoren



Für die Apple Watch Series 12 und die Apple Watch Ultra hat Apple seine Herzsensoren verbessert, sie sind nun in der Lage, wesentlich öfter den Puls zu erfassen. Während eines Trainings war das bisher alle fünf Sekunden der Fall, in den Phasen dazwischen nur alle fünf Minuten – jetzt aber auch alle fünf Sekunden. Das geschieht unter Einsatz der grünen Dioden, denen man bei der Arbeit an sich nur zusehen kann, wenn das Armband etwas lockerer sitzt. Damit sich aber niemand im Kino, dem Klassikkonzert oder dem Theater vom grünen Flackern an Ihrem Handgelenk gestört fühlt, setzt die Fünf-Sekunden-Messung im Theatermouds aus. Die Fünf-Minuten-Messung indes erledigen Infrarotdioden und -sensoren, für das menschliche Auge unsichtbar.






Halyna Kubiv



Der Sinn dahinter ist natürlich eine bessere Abschätzung des Kalorienverbrauchs, Hausarbeit zählt jetzt auch dazu, man muss kein Training starten, um Aktivitäten wie Rasenmähen oder Laubfegen in die tägliche Verbrauchsbilanz eingehen zu lassen. Die stete Messung erlaubt ganz neue Metriken und Anzeigen: Auf der Apple Watch Series 12 (und der Ultra 4) gibt es jetzt einige Widgets, die ein Pulsdiagramm in Echtzeit anzeigen. Es gibt Leute, die fühlen sich dadurch noch mehr zum Training motiviert. 



Alle fünf Minuten statt alle zwei Stunden messen die neuen Apple Watches nun die Herzfrequenzvariablität (HFV). Dabei erfasst die Uhr zwei Varianten der HFV und protokolliert sie: die generelle und die bei Erholung. Die deutlich öftere Erfassung der Herzfrequenzvariabilität findet auch im Schlaf statt. Allerdings wird die Messung im Stromsparmodus komplett eingestellt.



Daten wie diese gehen neben dem Trainingsstatus in den Wert der neuen Tagesform-App ein, Apple ist mit Details bisher aber spärlich. Welche Gewichtungen bekommen die Daten? Welche sportwissenschaftliche Erkenntnisse liegen dahinter? Und sicher auch nicht ganz unwichtig: Wie ist es mit dem Hormonspiegel während des Zyklus? Der ohne Frage Auswirkungen auf die Tagesform hat, wird er aber anhand des Zyklusprotokolls – sofern vorhanden – mit berücksichtigt? Ist die Anzeige der Tagesform einfach nur ein weiteres Gimmick, das man unter Life Style einordnen kann, aber wenig echten Nutzen bringt? Wir gehen dieser Frage an anderer Stelle noch einmal genauer nach.



Erst einmal hat uns interessiert, welche Auswirkungen die häufigeren Messungen auf die Auswertung des körperlichen Zustandes und der möglichen Früherkennung von Krankheiten haben können. 



Nach vier Tagen habe ich mir erstmals die Daten aus der Health-App exportiert und sie von einer KI auswerten lassen. Interessante Ergebnisse zunächst: Irgendwie ist da ein Knick in den Daten. Genau das sollte auch so sein, in die Auswertung gingen 26 Tage mit meiner privaten Apple Watch Series 10 ein und dann noch vier Tage mit der neuen Series 12.



Die höhere Häufigkeit der Messungen hat mir die Auswertung bestätigt, dazu beigetragen hat aber auch, dass ich die Uhr nun auch nachts trug (bis auf die eine Nacht, in der ich vergaß, was ich im Schlaf zu erledigen hätte). Es gebe nun aber eine bessere  „Grundlage, um Tagesverlauf, Ruhephasen und eventuell kurze Herzfrequenzspitzen zu untersuchen“. Insbesondere die Messung der HFV sei wesentlich häufiger geschehen. Genau das hat Apple behauptet. Zudem misst die Apple Watch Series 12 mit der 3. Generation der Algorithmus die Variabilität anders: Statt lediglich einer Minute die Herzschläge kontinuierlich zu messen und daraus den Abstand dazwischen zu errechnen, misst die Apple Watch den Puls die ganzen fünf Minuten lang und errechnet daraus eine gemittelte Herzfrequenzvariabilität.



Vor lauter Aufregung (und womöglich einem überzogenen Wandertraining) bekam ich am vierten Tag auch noch Herzstolpern, als Extrasystolen. Diese wiederum lassen sich aus den Rohdaten der Pulsmessung nicht erkennen, aber als ich die Aufzeichnung mehrere EKGs in PDF-Form noch untersuchen ließ, kam die KI zum gleichen Schluss wie meine Ärztin zwei Tage später: monomorphe ventrikuläre Extrasystolen, die lästig sind, aber an sich harmlos. Besser mal mit einem 24-Stunden-EKG abklären. Das kann die Apple Watch natürlich nicht und wird sie auch nie können.






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Wie genau misst die Apple Watch Series 12 die Herzfrequenz?



Wie üblich bei den neuen Apple Watches habe ich (hk) den Brustgurt der Firma Polar umgeschnallt und gleichzeitig mit der Series 12 ein paar Trainings gestartet. Die daraus resultierenden Daten fließen in die nachfolgenden Auswertungen. Zum einen habe ich bei unserem Tanztraining den Brustgurt getragen, zum anderen habe ich am Tag danach einen kurzen Spaziergang absolviert und diesen auch aufgezeichnet.



Die beiden Linien während des Tanztrainings zeigen eine Tendenz: Bei den moderaten Belastungen misst die Apple Watch Series 12 fast deckungsgleich mit der Polar H10. Das sieht man besonders bei den ersten 15 Minuten, die wir üblicherweise beim Aufwärmen und Dehnen verbringen. Das Bild beim eigentlichen Tanzen wird jedoch etwas uneinheitlich: Steigt die Herzfrequenz rapide, zeigt die Apple Watch diese gestiegene Belastung mit einer Verzögerung von einigen wenigen Sekunden. Schwankt noch dabei die Herzfrequenz stark, tendiert die Apple Watch dazu, diese Schwankungen etwas abzuflachen. Womöglich hält der Algorithmus solche kurzfristige Pulssteigungen für Bewegungsartefakte und rechnet sie aus.



Auch der aufgezeichnete Spaziergang bestätigt dieses Muster. Bei einer recht moderaten Belastung, wobei der Puls nicht über 120 Schläge pro Minute aufweist, unterscheiden sich die Messungen nur geringfügig. Der Korrelationsquotient liegt dabei bei 0,96, was eine hohe Genauigkeit bezeugt. Die letzte Sequenz am Ende des Trainings sind Treppen in einem mehrstöckigen Haus, die ich hoch und wieder herunter gestiegen bin. Auch hier zeigt die Apple Watch 12 eine leichte Verzögerung gegenüber den Werten von Polar H10.



Anhand der Messungen lässt sich sagen, dass die Apple Watch Series 12 die Herzfrequenz relativ genau im Vergleich mit einem Brustgurt misst. Bei komplexen Sportarten wie Tanzen mit unregelmäßigen Belastungen und untypischen Armbewegungen neigt die Apple Watch dazu, die gesteigerten Herzfrequenzen etwas verzögert zu erfassen.



Leidet der Akku der Apple Watch unter der häufigeren Messung?



Apple hat der Series 12 und Ultra 4 einen leicht größeren Akku spendiert. Bei der Series 12 wurde der Akku um einen Prozent (Variante mit 42-mm-Gehäuse) oder vier Prozent bei 46-mm-Variante größer. Bei der Apple Watch Ultra 4 war die Vergrößerung noch signifikanter – 5,7 Prozent. Zudem verspricht Apple, dass die neuen Dioden deutlich effizienter sind als bei den Vorgängern.



Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht und Series 12 und Series 11 gleichzeitig bei unterschiedlichen Bedingungen getragen: bei einem Training, im Stromsparmodus und beim normalen Betrieb ohne zusätzliche Belastungen wie Training und ohne Schutzmaßnahmen wie Stromsparmodus. Dabei ist herausgekommen, dass bei der Apple Watch Series 12 sämtliche Hintergrundaktivitäten, wozu auch die Herzschlag-Erfassung gehört, nicht sonderlich an dem Akku zerren, wie ich befürchtet habe. Bei einem Training haben unsere Telemetriedaten gezeigt, dass auf den beiden Watches, Series 11 und Series 12, die Hintergrundprozesse durchgehend laufen, jedoch nur moderat Energie verbrauchen. Dafür sind die Display-Aktivitäten wie Push-Benachrichtigungen, Uhrzeit-Überprüfung, Training-Nachverfolgung die Faktoren, die schnell die Batterie leeren können.



Fazit:



Eine Apple Watch Series 12 und Ultra 4 sind eine gelungene Aktualisierung, vor allem im Gesundheitsbereich. Den versprochenen Sprung bei der Schnellladung konnten wir nicht nachweisen.



(PC-Welt)