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Wird „Schnell entwickeln, noch schneller ausliefern“ die Marke Apple ruinieren?

Kunden und Mitarbeiter in einem Apple StoreApple



Technikjournalisten scheinen angesichts der Nachricht, dass Apples neuer CEO John Ternus eine ganze Welle neuer Produkte auf den Markt bringen will, geradezu aus dem Häuschen zu sein. Aber was bedeutet es, wenn ein Unternehmen, das für wenige, großartige Produkte bekannt ist, plötzlich viele, möglicherweise aber weniger überzeugende Geräte vorstellt?



Wird das die Marke Apple verwässern? Erweitern? Wertet eine noch stärkere Präsenz die Kernprodukte des Unternehmens auf? Oder sind diese Pläne lediglich ein Zeichen dafür, dass das Unternehmen seinen Markenwert nun mit einer Welle neuer Geräte zu Geld machen will – auch wenn einige davon womöglich scheitern?



Mehr Produkte, mehr Geld?



Das soll natürlich nicht heißen, dass die nun erwarteten Produkte scheitern werden. Ich bin sicher, dass es viele Haushalte gibt, die sich ein iPad auf einem Standfuß wünschen: als Monitor für die Hausüberwachung, zur Rezeptsuche und als Kommunikationszentrale, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Auch Macs mit Touchscreen und neue iPhones, die scheinbar vollständig aus Glas bestehen, dürften gut ankommen.



All diese Produkte werden es Apple zweifellos ermöglichen, neue Dienste zu entwickeln und anzubieten, um die Einnahmen in diesem Bereich zu steigern. Services sind für Apple im 21. Jahrhundert nach dem iPhone zur zweitgrößten Umsatzquelle geworden. Online-Kommentatoren zufolge will Ternus mit diesem Teil des Apple-Ökosystems mehr Umsatz erzielen.



Ein Bruch mit dem bisherigen Muster



Dieser Strategiewechsel deutet darauf hin, dass bei Apple eine neue Unternehmenskultur Einzug halten könnte. Eine Kultur, die dem Motto „Move fast and break things“ folgt: Schnell vorangehen und dabei auch Dinge kaputtmachen. Dieser Ansatz ist im Silicon Valley äußerst populär geworden, während er außerhalb dieser Region deutlich an Zuspruch verliert, wenn man sich bedenkt, was die Tech-Giganten alles kaputtmachen.



Bei einem Unternehmen von Apples Größe besteht das größte Risiko jedoch darin, zu viel zu zerstören. Kann es sich wirklich leisten, Produkte einzuführen, die den Zeitgeist nicht einfangen?



Und inwieweit haben die Produktdesigner des Unternehmens überhaupt ein Gespür für den heutigen Zeitgeist? Diese Frage erscheint durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, dass der frühere Chefdesigner des Unternehmens inzwischen sein Geld damit verdient, teure Uhren und Autos für Ferrari zu entwerfen.



In einer Welt im Dauerkrisenmodus geht es weniger um Wünsche und Sehnsüchte als ums Überleben. Sehnen wir uns nach Ablenkung oder nach einer Lösung für die Probleme, die uns plagen? Wird Apple mit verlockenden technischen Spielzeugen den richtigen Nerv treffen? Oder Lösungen auf den Markt bringen, die für die breite Masse irgendwie weniger relevant erscheinen? Kann das Unternehmen, das uns den iPod, den iMac und das iPhone beschert hat, etwas Vergleichbares für das Smart Home schaffen? Den Bedarf auf den Punkt bringen, den Zeitgeist treffen und etwas entwerfen, das womöglich in Vietnam hergestellt wird und für das wir viel Geld ausgeben?



Wir müssen nicht mehr lange warten, bis wir es wissen.



Die Smart-Home-Krise lösen



Berichten zufolge soll Apple seine neue Offensive am 13. Oktober mit einer Produktvorstellung beginnen. Erwartet werden die bereits erwähnte Kombination aus iPad und HomePod sowie eine Reihe von Updates für die bestehenden Smart-Home-Produkte: Apple TV, HomePod und ein neues homeOS, das alles miteinander verbindet.



Wenn Apple das richtig hinbekommt, sehe ich tatsächlich eine große Chance, den Markt für Smart-Home-Technik zu erschließen. Schließlich haben sich viele Produkte in diesem Segment auf lange Sicht als ziemlich schlecht erwiesen.



Ein Unternehmen, das robuste, zuverlässige und einfach einzurichtende smarte Geräte liefert, die mindestens so lange halten wie ihre mechanischen Alternativen, könnte durchaus erfolgreich sein. Allerdings wird von Apple bislang weder eine KI-fähige Knoblauchpresse noch eine entsprechende Kaffeemaschine erwartet. Und ich warte immer noch auf das Apple iBike, das ich mir vor mehr als einem Jahrzehnt gewünscht habe.



Den richtigen Nerv treffen



Letztlich ist der Ruf nach neuen Produkten schön und gut. Aber wir müssen uns fragen, was die Menschen am stärksten anspricht, was ihnen am wichtigsten ist und in welche Richtung wir uns kulturell bewegen. Denn der entscheidende Punkt im Produktdesign besteht – wie uns der iPod schon vor langer Zeit gezeigt hat – mit ziemlicher Sicherheit darin, all diese Bedürfnisse in einem einzigen schönen Gerät zu bündeln. Einem Gerät, das eine Sache richtig gut macht und von dem man vorher gar nicht wusste, wie sehr man es braucht.



Wird Apple liefern? Wird KI zur Superkraft des Unternehmens, die neue Produktmöglichkeiten eröffnet? In ein oder zwei Wochen werden wir es wissen. (mb)



Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag der Computerworld.