Öffnungszeiten im Müller`schen Volksbad wieder ausweiten!
Öffnungszeiten im Müller`schen Volksbad wieder ausweiten! Antrag Stadtrats-Mitglieder Sabine Bär, Armin Gastl, Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm, Veronika Mirlach und Manuel Pretzl (CSU-Stadtratsfraktion) vom 16.6.2026
Antwort Dr. Christian Scharpf, Referent für Arbeit und Wirtschaft:
In Ihrem o.g. Antrag fordern Sie die Stadtwerke München auf, die Kürzung der Öffnungszeiten im Müller`schen Volksbad umgehend zurückzunehmen und zukünftig wieder die alten Öffnungszeiten, täglich von 7:30 Uhr bis 23 Uhr, umzusetzen.
Zur Begründung wird ausgeführt, dass das Bad laut Berichterstattung der Abendzeitung am 2.6.2026 vor allem in den Randzeiten von vulnerablen Gruppen wie Senioren und Menschen mit Schwerbehinderung genutzt werde, die auf die höheren Wassertemperaturen und die geringere Nutzungsquote angewiesen seien. Diese Personengruppen würden mehr Ruhe und Gefahrlosigkeit bedürfen. Die Nutzung ziele darauf ab, Körper und Geist gesund zu erhalten sowie soziale Kontakte zu pflegen. Zudem hätten auch Berufstätige auf dem Weg zur Arbeit das Schwimmbad für eine Trainingseinheit am Morgen genutzt. Durch die Einschränkung der Öffnungszeiten ist all das in Gefahr bzw. nicht mehr möglich.
Diese Angelegenheit fällt in den operativen Geschäftsbereich der Stadtwerke München GmbH. Eine beschlussmäßige Behandlung der Angelegenheit im Stadtrat ist deshalb rechtlich nicht möglich. Daher erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten.
Wir haben die Abteilung Bäder der Stadtwerke München GmbH um Stellungnahme gebeten, die uns Folgendes mitgeteilt hat:
„Die Anpassung der Öffnungszeiten stellt eine notwendige Abwägung dar, um unter den gegebenen Rahmenbedingungen einen stabilen, sicheren und möglichst breit verfügbaren Badebetrieb in München sicherzustellen. Eine Rückkehr zu den bisherigen Öffnungszeiten ist vor diesem Hintergrund derzeit nicht möglich. Uns ist bewusst, dass diese Veränderungen individuelle Einschränkungen mit sich bringen. Gerne erläutern wir Ihnen die Gründe im Folgenden:
Sicherstellung eines stabilen Badebetriebs für alle M-Bäder trotz Fachkräf- temangel und KostendruckWie derzeit in der gesamten Bäderbranche sehen auch wir uns leider mit einem Mangel an qualifiziertem Fachpersonal konfrontiert. Gleichzeitig steigt auch der Kostendruck: Der Betrieb der Bäder ist stark defizitär. Die Eintrittspreise decken die Kosten für den Betrieb der Bäder nur zu ca. einem Drittel. Vor dem Hintergrund einer angespannten Lage des kommunalen Haushalts bei gleichzeitig unverändert hohem Investitions- und Sanierungsbedarf sind selbstverständlich auch die Stadtwerke München dazu angehalten, ihre wirtschaftlichen Mittel kostenbewusst einzusetzen. Dabei bleibt es unser Ziel, den Einsatz unserer Mitarbeitenden und die Öffnungszeiten so zu gestalten, dass wir für unsere Kundinnen und Kunden einen möglichst stabilen und verlässlichen Badebetrieb in allen Bädern sicherstellen können. In der Vergangenheit kam es im Müller’schen Volksbad wiederholt zu kurzfristigen Einschränkungen, etwa durch die Schließung von Beckenbereichen oder den Ausfall einzelner Angebote. Durch die Umstellung vom 3-Schicht- auf einen 2-Schicht-Betrieb können wir unsere vorhandenen Fachkräfte gezielter einsetzen. Dies trägt dazu bei, insbesondere in stark frequentierten Bädern eine verlässliche Grundversorgung sicherzustellen und kurzfristige Ausfälle für eine große Anzahl von Badegästen zu vermeiden.
Auslastung und Besucherentwicklung Die Anpassung der Öffnungszeiten orientiert sich maßgeblich an der tatsächlichen Nutzung des Bades. Die Auswertung der Besucherzahlen der Jahre 2015 bis 2025 zeigt, dass die übrigen SWM-Hallenbäder durchgehend deutlich höhere Besucherzahlen aufweisen. Während das Müller’sche Volksbad im betrachteten Zeitraum stetig weniger Gäste begrüßen konnte und überwiegend im Bereich von rund 160.000 bis 200.000 Besuchen pro Jahr lag, erreichten die anderen Hallenbäder im Durchschnitt Werte zwischen etwa 250.000 und über 300.000 Besucher und Besucherinnen im Jahr und damit ein signifikant höheres Auslastungsniveau. Besonders in den bisherigen Randzeiten, etwa am Montag- und Freitagvormittag, lag die Auslastung teilweise bei nur rund 30 Badegästen. Unabhängig von der Besucherzahl gelten jedoch unverändert hohe Sicherheitsanforderungen, die eine gleichbleibende Anzahl an Fachkräften erfordern. Vor diesem Hintergrund ist es unsere Aufgabe im Rahmen der öffentlichen Daseinsvorsorge, die vorhandenen Ressourcen so einzusetzen, dass möglichst viele Menschen zuverlässig erreicht werden.
Berücksichtigung der Bedürfnisse verschiedener Nutzergruppen Uns ist bewusst, dass insbesondere ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen sowie berufstätige Frühschwimmer von den bisherigen Randzeiten profitiert haben. Das Volksbad bleibt weiterhin täglich geöffnet.Ebenso öffnet das Bad weiterhin von Dienstag bis Donnerstag frühmorgens um 7:30 Uhr. Die Öffnungszeiten wurden von uns an das tatsächliche Nutzerverhalten angepasst. Die höhere Wassertemperatur bleibt in der kleinen Schwimmhalle unverändert – ein energieintensiver Service insbesondere für ältere Badegäste. Für Zeiten außerhalb der neuen Öffnungszeiten stehen zudem alternative Bäder, wie etwa das Michaelibad oder das Cosimawellenbad, zur Verfügung.
Schulschwimmen und gesellschaftlicher Auftrag Die freiwerdenden Wasserflächen werden gezielt genutzt, um zusätzliche Kapazitäten für das Schulschwimmen zu schaffen, insbesondere montags und freitags. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen – ein zentraler Bestandteil unseres öffentlichen Auftrags.
Arbeitsbedingungen und Personalbindung Die Umstellung auf ein 2-Schicht-Modell verbessert zugleich die Arbeitsbedingungen für unsere Beschäftigten, etwa durch regelmäßigere Freizeit und planbare Wochenenden. Dies ist ein wesentlicher Baustein, um Fachkräfte langfristig zu binden und damit den Badebetrieb insgesamt nachhaltig zu sichern.
Das Müller’sche Volksbad steht den von Ihnen besonders hervorgehobenen Gruppen dienstags, mittwochs und donnerstags weiterhin ab 7:30 Uhr zur Verfügung. Wir möchten an dieser Stelle auch noch einmal betonen, dass gerade die Bedürfnisse von Rentnerinnen und Rentnern sowie schwerbehinderten Menschen bei der Anpassung berücksichtigt wurden.
Uns ist bewusst, dass notwendige Anpassungen immer auch mit unbequemen Veränderungen und manchmal auch mit der Aufgabe von liebgewonnen Gewohnheiten verbunden sind. Die Bedürfnisse unserer Badegäste nehmen wir deshalb sehr ernst und versuchen diese so weit wie möglich in den notwendigen Planungen zu berücksichtigen. Gleichzeitig hoffen wir auf Verständnis für die notwendigen Einschränkungen im Sinne eines bestmöglichen Angebots für die Gesamtheit unserer Badegäste.“
Der geäußerte Wunsch, die Kürzung der Öffnungszeiten im Müller`schen Volksbad zurückzunehmen und zukünftig wieder die alten Öffnungszeiten einzuführen, ist sehr verständlich, vor allem im Hinblick auf die Bedürfnisse von Senioren und Menschen mit Schwerbehinderung. Wir bedauern sehr, dass die SWM diesen Wunsch aus den oben genannten Gründen jedoch leider nicht umsetzen können. Wir hoffen, dass die dargestelltenHintergründe die Entscheidung der SWM jedoch transparent und nachvollziehbar machen.
Ich bitte Sie, von den vorstehenden Ausführungen Kenntnis zu nehmen und hoffe, dass Ihr Antrag zufriedenstellend beantwortet ist und als erledigt gelten darf.
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