16. Marktbericht Pflege: Eigenanteile weiter gestiegen
Der Eigenanteil, den Bewohner*innen in vollstationären Pflegeeinrichtungen in der Landeshauptstadt zahlen, ist im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen. Das geht aus dem 16. Marktbericht Pflege des Sozialreferats hervor. Mit den wichtigsten Ergebnissen aus der jährlichen kommunalen Vollerhebung war der Sozialausschuss in seiner jüngsten Sitzung befasst. Der Eigenanteil im Einzelzimmer in den Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen betrug im ersten Jahr des Aufenthalts am 15.12.2025 im Median 3.833 Euro und damit rund 240 Euro mehr als 2024. Das ist ein Anstieg um 6,7 Prozent. Gestiegen ist damit auch der Anteil der Menschen, die auf „Hilfe zur Pflege“ nach dem Sozialgesetzbuch XII (Sozialhilfe) zur Deckung der Kosten angewiesen sind, und zwar von 37,5 Prozent im Jahr 2024 auf 39,3 Prozent im Jahr 2025. Bürgermeisterin Verena Dietl: „Die Kosten in der vollstationären Pflege liegen schon jetzt auf einem sehr hohen Niveau und es ist zu befürchten, dass sich dieser Trend fortsetzt. Jedenfalls lassen die ersten Eckpunkte der Pflegereform des Bundes keinen anderen Schluss zu. In der Folge werden viele Pflegebedürftige aus Kostengründen noch später eine dringend benötigte vollstationäre Pflege in Anspruch nehmen. Pflegebedürftigkeit stellt bereits jetzt ein enormes Armutsrisiko dar: Ich hoffe sehr, dass der Bund endlich fundierte Vorschläge zu einer zukunftssicheren Finanzierung der Pflegeversicherung vorlegt.“ Am Stichtag 15. Dezember 2025 standen in 54 Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen insgesamt 7.555 Plätze zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Anzahl um 78 Plätze zurück, ein Rückgang um 1 Prozent. Als Auslastungsquote auf den belegbaren Plätzen ergab sich ein Wert von 96,8 Prozent (2024: 97,1 Prozent). Die Belegungsquote lag somit wieder auf einem hohen Niveau. Am Stichtag wurden zudem 520 Tagespflege- plätze mit Versorgungsvertrag nach SGB XI in 24 solitären Tagespflegeeinrichtungen angeboten. Im Vergleich zum Vorjahres-Stichtag wurden drei solitäre Tagespflegeeinrichtungen geschlossen. Bei den Tagespflegeeinrichtungen kam es somit erstmalig seit 2016 zu einem Rückgang um 35 Plätze (6,3 Prozent). Die Auslastung auf den belegbaren Tagespflegeplätzen betrug 83,7 Prozent (2024: 82,3 Prozent). 9,7 Prozent der 1.865 Pflegefachpersonen in den Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen waren 60 Jahre oder älter und werden voraussichtlich in den nächsten Jahren in Rente gehen (2024: 9,3 Prozent). In den solitären Tagespflegeeinrichtungen waren bereits 16,3 Prozent der 86 Pflegefachpersonen 60 Jahre oder älter (2024: 13,1 Prozent). Dem Verlust an beruflich Pflegenden muss unter anderem auch durch verstärkte Ausbildungsoffensiven und Maßnahmen zur Personalbindung entgegengewirkt werden. Sozialreferentin Dorothee Schiwy: „In der Landeshauptstadt werden derzeit rund 22.000 Pflegebedürftige zuhause von ihren An- und Zugehörigen versorgt. Ohne sie würde die pflegerische Versorgung zusammenbrechen. Falls der Bund die ohnehin bescheidenen Rentenversicherungs-Zahlungen für pflegende Angehörige im Rahmen des Pflegeneuordnungsgesetzes tatsächlich kürzen würde, wäre dies ein Schlag ins Gesicht dieser Menschen. Die pflegenden Angehörigen wären damit noch stärker einem Armutsrisiko im Alter ausgesetzt, als sie es jetzt schon sind. Angesichts des demographischen Wandels und des Fachkräftemangels ist der Bereich Pflege dringend darauf angewiesen, jegliche Vorteile zu nutzen. Beispielsweise die Schulsozialarbeit in den Berufsfachschulen für Pflege und Pflegefachhilfe, Qualifizierungsmaßnahmen für beruflich Pflegende oder Supervision.“ 0,4 Prozent der beruflich Pflegenden in den Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen waren sogenannte akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen (AQP). Neun Personen der 18 AQP waren tatsächlich in der Pflegepraxis tätig (0,2 Prozent aller beruflich Pflegenden). 856 Ausbildungsplätze für beruflich Pflegende wurden in den Münchner vollstationären Pflegeeinrichtungen ermittelt. Im Vergleich zum Vorjahr war dies ein Rückgang um 1,8 Prozent. Die Datenerhebung zum 16. Marktbericht Pflege des Sozialreferats beschäftigte sich auch mit dem Thema Umgang mit Herausforderungen und Krisen. Beispielsweise verfügen aktuell 77,8 Prozent der vollstationären Pflegeeinrichtungen über einen Krisennotfallplan (2022: 64,9 Prozent), über ein eigenes Notstromaggregat 59,3 Prozent (2022: 42,1 Prozent).
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