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Malariafälle am Flughafen: Stuttgarter Gesundheitsamt rät Reisenden zu Mückenschutz auch auf Rückflug und nach Heimkehr

Mit den Sommerferien ist in Baden-Württemberg die Reisewelle abgeebbt. Viele Menschen sind jedoch erst seit kurzem aus dem Urlaub zurück. In der ersten Zeit nach dem Urlaub ist auch daheim Mückenschutz gefordert. Dazu rät der Experte Dr. Simon Friz von der Abteilung Infektionsschutz und Umwelthygiene des Gesundheitsamts der Landeshauptstadt Stuttgart. In einem Interview erläutert er die Rolle der Mücken beim Infektionsgeschehen und die Relevanz für die Region.
Dabei handelt es sich um reguläre Malaria – in diesen Fällen die besonders schwer verlaufende Form Malaria tropica. Das Besondere ist, dass sie nicht in den Tropen übertragen wurde, sondern im gemäßigten Klima in Deutschland. Gerade an Flughäfen kann das manchmal geschehen, wenn Mücken als „blinde Passagiere“ in Flugzeugen aus den Tropen mit einreisen. Daher der Name.
So etwas passiert extrem selten. Denn es müssen zwei Faktoren zusammenkommen. Im normalen Alltag werden diese Erkrankungen nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Für ihre Übertragung durch Mücken muss zunächst eine Mücke den Erreger bei einem infizierten Menschen aufnehmen und kann ihn bei einem späteren Stich weitergeben.
Außerdem braucht es je nach Krankheit bestimmte Mücken: Die Anophelesmücke zum Beispiel kann Malaria übertragen, die Asiatische Tigermücke verschiedene andere tropische Krankheiten wie Chikungunya, Dengue oder Zika.
Es gibt drei Varianten.
Fall eins: Wenn Menschen aus Mitteleuropa sich mit solchen tropischen Krankheiten infizieren, geschieht das meist im Ausland auf Urlaubs- oder Dienstreisen in Endemie-Gebieten. Dort zirkulieren die Erreger kontinuierlich in der Bevölkerung. Dadurch besteht für geeignete Überträgermücken („Vektoren“) eine höhere Wahrscheinlichkeit, bei einer Blutmahlzeit einen infizierten Menschen zu stechen, den Erreger aufzunehmen und ihn anschließend auf weitere Menschen zu übertragen.
Fall zwei: Mücken fliegen normalerweise nur vergleichsweise kurze Strecken. Mit Erregern aus der Herkunftsregion in den Tropen im Körper können sie aber in Flugzeug, Auto oder Schiff lange Strecken mitreisen und unterwegs Passagiere stechen oder am Zielort Menschen wie die Mitarbeitenden am Flughafen.
Fall drei: Anophelesmücken gibt es zum Beispiel auch bei uns in Deutschland und eine andere Mücke, die Asiatische Tigermücke, breitet sich zurzeit im Süden Deutschlands und speziell auch in Teilen Stuttgarts aus. Stößt eine solche bei uns in der Region geschlüpfte, nicht infizierte Mücke auf einen Reiserückkehrer, der sich im Ausland mit einer tropischen Krankheit angesteckt hat, kann sie beim Blutsaugen die Erreger aufnehmen und bei einem späteren Stich an andere Menschen weitergeben. Das kann dann fernab von jedem Flughafen oder Bahnhof geschehen. Noch ist hierzulande das Risiko gering, durch ihren Stich an einer Infektionskrankheit zu erkranken. Doch je weiter sich die invasive Asiatische Tigermücke hier ausbreitet, desto größer wird das Risiko.
Im ersten Schritt: durch effektiven Mückenschutz, etwa mit wirksamen Sprays auf Basis von DEET oder Icaridin, lockerer, langer heller Kleidung und Mückennetzen an Fenstern und Türen.
Man sollte so wenig wie möglich gestochen werden. Wichtig ist dabei: Alle, die in Infektionsgebiete reisen, sollen sich einprägen: Der Mückenschutz muss in drei Phasen erfolgen. Auf den Schutz am Urlaubsort achten viele. Dass er auch während der Rückreise in Flugzeug, Auto oder Schiff nötig ist, steht aktuell im Fokus, wird aber oft vergessen. Was aber fast niemand im Blick hat: Selbst nach der Rückkehr ist es wichtig und sinnvoll, den Mückenschutz zu Hause noch etwa drei Wochen fortzusetzen.
Viele durch die Asiatische Tigermücke übertragene Krankheiten wie das Dengue-Fieber verlaufen häufig symptomlos oder verursachen nur leichte Beschwerden. Wer sich unterwegs infiziert hat, kann also symptomfrei heimkehren, aber einen anderen Menschen im Umfeld indirekt infizieren, wenn eine hiesige Mücke beide sticht.
Der zweite ebenso wichtige Schritt – und ein zentrales Anliegen für die Stadtgesellschaft – ist deshalb gemeinsam, konsequent gegen die Ausbreitung der Tigermücke vorzugehen.
Gemeinsames Handeln wirkt. Die aktive Beteiligung der Bevölkerung ist der wichtigste Baustein, um die Belästigung und Ausbreitung der invasiven Asiatischen Tigermücke einzudämmen. Es gilt, die Zahl geeigneter Brutstätten auf dem Balkon oder im Garten deutlich zu reduzieren, um eine Plage zu verhindern. Dabei helfen vor allem regelmäßige Kontrollen von allen stehenden Wasseransammlungen.
Unnötige Gefäße, in denen sich Wasser ansammeln kann, sollten entfernt oder unter einem Dach gelagert werden. Vogel- und Igeltränken sollten mindestens einmal pro Woche vollständig geleert, gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden. Regentonnen müssen lückenlos mit einem geeigneten Deckel oder einem engmaschigen Moskitonetz verschlossen sein.
Auch vermeintlich trockene Gefäße sollten nicht vergessen werden. Die Tigermücke legt ihre Eier am Rand von Gefäßen oberhalb der Wasseroberfläche ab. Die Eier können Trockenheit überstehen und wenn sie bei Regen oder Ansteigen des Wasserspiegels geflutet werden, schlüpfen die Larven der Tigermücke.
Wo Brutstätten nicht verhindert werden können – soweit es sich nicht um Gartenteiche, Bäche oder andere naturnahe, belebte Gewässer handelt –, kann zusätzlich der biologische Wirkstoff Bti eingesetzt werden.
Häufig sind es gerade die kleinen Dinge. Dazu gehören beispielsweise Gießkannen, Blumentopfuntersetzer, Eimer, Schubkarren, Planen, Kinderspielzeug oder verstopfte Regenabläufe, Zisternen und Gullys. Auch wenn ein Gefäß scheinbar umgedreht wurde, kann sich in kleinen Vertiefungen weiterhin Wasser sammeln. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Wo kann sich nach einem Regenschauer Wasser sammeln und länger stehen bleiben?
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Fakten

  • In Deutschland gibt es Malariafälle, insbesondere in der Region um Stuttgart.
  • Malaria tropica ist eine schwer verlaufende Form der Krankheit, die nicht in den Tropen übertragen wird, sondern im gemäßigten Klima in Deutschland.
  • Die Anophelesmücke kann Malaria übertragen, während die Asiatische Tigermücke verschiedene andere tropische Krankheiten wie Chikungunya, Dengue oder Zika überträgt.
  • In Deutschland gibt es drei Varianten der Asiatischen Tigermücke, die sich in verschiedenen Regionen ausbreiten.
  • Die Tigermücke legt ihre Eier am Rand von Gefäßen oberhalb der Wasseroberfläche ab und kann durch Regen oder Ansteigen des Wasserspiegels geflutet werden.
  • Regentonnen müssen lückenlos mit einem geeigneten Deckel oder einem engmaschigen Moskitonetz verschlossen sein, um die Ausbreitung der Tigermücke zu verhindern.
  • Die Behörden in Stuttgart empfehlen, regelmäßige Kontrollen von allen stehenden Wasseransammlungen durchzuführen, um eine Plage zu verhindern.
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