Wie Boehringer Ingelheim aus kühnen Ideen skalierbare Innovation macht
Christian Tressel, Managing Director und CEO des BI X, gibt einen Einblick dazu, wie bei Boehringer Ingelheim aus mutigen Ideen die Basis für die IT-Standards der nächsten Dekade entstehen.Boehringer Ingelheim BI X
Eine Welt, in der mutige Ideen die Basis für die IT-Standards der nächsten Dekade bilden – das ist die Domäne von Christian Tressel, Managing Director und CEO des BI X bei Boehringer Ingelheim. Während die klassische IT in großen Konzernen oft als Garant für Stabilität und reibungslose Abläufe gilt, herrscht im rheinhessischen Ingelheim im Digitallabor BI X ein ganz anderer Geist.
So unterscheidet sich die Rolle von Tressel auch grundlegend vom klassischen Bild eines CIO: So ist dieser darauf fokussiert, die bestehende Systemlandschaft sicher, effizient und stabil zu halten. Tressels Rolle erinnert hingegen eher an einen Entdecker beim Erkunden künftiger Möglichkeiten.
Das BI X als Zukunftsarchitekt
Als CEO des Digitallabors befasst er sich mit einem völlig anderen Zeithorizont: 5 bis 10 Jahre. Während die Konzern-IT auch die Gegenwart im Blick behalten muss, konstruiert das BI X die Zukunft. „Wir befassen uns mit dem Erproben von Technologietrends, dem Testen von Machbarkeiten und der Minimierung von Risiken“, erklärt Tressel. Das Ziel ist es, aus visionären Ansätzen die IT-Standards zu entwickeln, die in einer Dekade das Rückgrat des Unternehmens bilden werden.
Dazu befassen er und sein Team sich mit technologischen Entwicklungen und digitalen Geschäftsmodellen. Außerdem agiert das BI X als digitale Speerspitze für Unternehmensbereiche wie die Humanpharma, Tiergesundheit und Biopharmazeutika.
Kontrolliertes Experimentieren
Vom Selbstverständnis her ist das Digitallabor nicht einfach ein bloßer Elfenbeinturm für Theoretiker. Es sieht sich als ein hochgradig spezialisierter Inkubator. In diesem geschützten Raum ist Platz für das, was in streng regulierten Pharma-Prozessen oft zu kurz kommt: Mutige Ideen. Tressel scheut sich nicht davor, diese Konzepte als anfangs chaotisch zu bezeichnen. Doch hinter dem scheinbaren Durcheinander steckt System. Denn bei allen Freiheiten, das Ziel ist stets die globale Skalierung.
Das Digitallabor nimmt gewagte Thesen aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen auf und unterzieht sie einem harten Realitätscheck.
Boehringer Ingelheim
Gleichzeitig fungiert das Labor als Filter. Es nimmt gewagte Thesen aus den unterschiedlichen Unternehmensbereichen auf und unterzieht sie einem harten Realitätscheck. Erweist sich eine Idee als tragfähig, wird sie nicht einfach nur als Papierdokument an den Konzern übergeben. Der Prozess der Inkubation geht bei BI X viel tiefer.
BI X als Inkubator
Besonders deutlich wird das beim Wissenstransfer: Das Digitallabor BI X übergibt nicht nur Technologie, sondern oft auch die Köpfe dahinter. Die Erfinder der digitalen Lösungen wechseln regelmäßig aus dem Labor direkt in die Fachabteilungen des Konzerns, um dort ihre Prototypen global zu skalieren und nachhaltig im operativen Geschäft zu verankern. Mit dieser Form der personellen Infusion will das Pharmaunternehmen sicherstellen, dass die Innovationen nicht in der Theorie stecken bleiben, sondern echte Wirkkraft entfalten.
Wie das aussieht, zeigt der Blick auf drei beispielhafte BI X-Initiativen. Eine davon liegt bereits einige Jahre zurück: Sie automatisierte einen stark regulierten internen Prozess in der Arzneimittelsicherheit mit tausenden manuellen Fällen pro Woche, wurde skaliert und an einen externen Partner verkauft – heute läuft sie als globaler Industriestandard. Zwei weitere Initiativen setzen in der Antikörperforschung an: Ein Modell filtert aus tausenden Kandidaten die vielversprechendsten heraus, ein zweites optimiert sie gezielt weiter. Der Anspruch bleibt derselbe – aus der kühnen Idee wird der Standard.
Der KI-Hype und der Umgang damit bestimmen derzeit die täglichen Schlagzeilen. Auch in der Arzneimittelforschung bei Boehringer Ingelheim nimmt KI eine zentrale Rolle ein. Gleichzeitig geht man sehr pragmatisch mit ihr um. Für Tressel und sein Team ist KI kein neues Phänomen, sondern bereits seit Jahren „tägliches Brot“.
KI: „Tägliches Brot“ statt leerem Hype
Auch in der Arzneimittelforschung bei Boehringer Ingelheim nimmt KI eine zentrale Rolle ein.
Boehringer Ingelheim
Dementsprechend differenziert ist auch der Umgang damit. So wird KI nicht um ihrer selbst willen eingesetzt. Tressel warnt davor, dem aktuellen KI-Hype zu verfallen, und legt Wert darauf, sich primär am konkreten Problem in der Forschung oder Entwicklung zu orientieren. Für den Manager ist KI nur ein Werkzeug unter vielen, dessen Einsatz durch einen klaren Nutzen für ein spezifisches Problem gerechtfertigt sein muss.
Woran mach Tressel das fest? An vier Prinzipien:
Problem- statt Technologieorientierung
Fokus auf spezialisierte Bereiche:
KI in Kernbereichen wie Humanpharma und Biopharmazeutika.
Risikominimierung und Machbarkeit:
KI nutzen, um Machbarkeit von Ideen zu testen und Risiken für Investitionsentscheidungen zu verringern.
Inkubation kühner Ideen:
KI hilft, Ideen schnell zu explorieren.
Spagat zwischen Stabilität und Innovation
KI dient also als strategisches Werkzeug zur Exploration neuer digitaler Geschäftsmodelle und zur Effizienzsteigerung in der Forschung, wobei der Fokus stets auf dem pharmazeutischen Nutzen liegt. Letztlich ist Tressels Botschaft klar: Die Technologie darf niemals Selbstzweck sein. „Wir sind darauf bedacht, die Wichtigkeit zu erklären, sich am bestehenden Problem zu orientieren und nicht sofort in eine KI-Umsetzung einzusteigen“, unterstreicht er.
Das Modell BI X zeigt gleichzeitig, wie ein globales Traditionsunternehmen der Pharmaindustrie den Spagat zwischen notwendiger Stabilität und mutiger Innovation nicht dem Zufall überlässt. Stattdessen organisiert es ihn gezielt: mit Freiraum für frühe Ideen, klaren Kriterien für ihren Nutzen und einem Modell, das erfolgreiche Ansätze in die Organisation trägt. Damit investiert Boehringer Ingelheim in ein Team, das explizit dazu da ist, Risiken einzugehen und die IT-Welt von übermorgen zu antizipieren. Auf diese Weise bereitet sich der Konzern auf eine Zukunft vor, in der die Grenzen zwischen Pharma und Digitaltechnologie zunehmend verschwimmen. BI X zeigt: Wer die Zukunft bauen will, muss heute schon anders arbeiten.
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