Blick in den Heizungskeller: Vorteile erneuerbarer Energien anschaulich vermitteln
Blick in den Heizungskeller: Vorteile erneuerbarer Energien anschaulich vermitteln Antrag Stadtrats-Mitglieder Anne Hübner, Marian Offman, Dr. Julia Schmitt-Thiel und Andreas Schuster (SPD-Fraktion) vom 28.1.2026
Antwort Referat für Klima- und Umweltschutz:
Mit Ihrem Schreiben vom 28.1.2026 haben Sie Folgendes beantragt:
„Das Referat für Klima- und Umweltschutz wird beauftragt, im Rahmen der bereits stattfindenden Quartiersarbeit positive Beispiele aus den Vierteln zu zeigen und den Bewohnerinnen und Bewohnern anschaulich die (wirtschaftlichen) Vorteile erneuerbarer Energiequellen zu vermitteln. Es ist zu prüfen, inwieweit das Handwerk und die in diesem Bereich aktive Zivil- gesellschaft dabei miteinbezogen werden können.“ Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen: „Manche Menschen haben Vorbehalte gegenüber einer erneuerbaren Energie- und Wärmeversorgung, die oft aus Verunsicherung und widersprüchlichen Informationen resultieren. Die Erfahrung der Innung für Sanitär, Heizung und Klima und zivilgesellschaftlichen Akteuren zeigt, dass diesen Vorbehalten mit anschaulichen, positiven Beispielen aus der Nachbarschaft wirksam begegnet werden kann. Eine denkbare Maßnahme ist die gemeinsame Besichtigung eines umgerüsteten Heizungskellers mit anschaulichen Erfahrungsberichten durch die Eigentümer und begleitet durch die Quartiersberatung. Dabei sollte auch auf die Wirtschaftlichkeit der Investitionen hingewiesen werden.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten und teile Ihnen auf diesem Wege Folgendes mit:
Generell deckt sich das Anliegen, den Bewohner*innen Münchner Quartiere die Vorteile erneuerbarer Energien anhand konkreter, nachbarschaftlicher Beispiele anschaulich zu vermitteln, in wesentlichen Punkten mit der bereits etablierten Praxis der Kampagne „Aufsuchende Energieberatung im Quartier“, die das Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) seit 2023 bereits in neun Münchner Quartieren durchgeführt hat bzw. weiterhin fortsetzt. Das gilt auch für die gerade im Aufbau befindliche Praxis für Klimaquartiere mit integriertem Ansatz, bei denen Quartiersbüros vor Ort als Anlaufstellen für Beratungs- und Unterstützungsangebote etabliert werden.
Im Rahmen der Quartiersarbeit haben sich folgende Veranstaltungsformate etabliert, die den im Antrag beschriebenen Vorschlägen – Erfahrungsbe-richte aus der eigenen Nachbarschaft, begleitet durch die Quartiersberatung – bereits entsprechen:
Best-Practice-Spaziergang: Im Rahmen der Quartierswochen in Trudering fand am 27. September 2025 – wie schon zuvor in zwei früheren Quartieren – ein Best-Practice-Spaziergang statt, bei dem die Teilnehmenden aktuelle Sanierungsvorhaben in ihrer direkten Nachbarschaft besichtigen und sich unmittelbar mit den Hauseigentümer*innen austauschen konnten. Dies erfolgte durch eine geführte Fahrradexkursion zu mehreren technischen Anlagen (u.a. Grundwasserwärmepumpe, Solarthermie-, Photovoltaik-Anlagen) und beinhaltete eine fachliche Einordnung vor Ort. Diese Exkursionen sind fester Bestandteil der laufenden und der kommenden Quartierskampagnen.
Besichtigung von umgesetzten Best-Practice-Beispielen bei erschwerter Umstellung auf Fernwärme: In Quartieren mit integriertem Quartiersansatz wird in den meisten Fällen eine Umstellung auf Fernwärme angestrebt. Wie z.B. die Umstellung von Etagenheizungen auf Fernwärme in einem bewohnten und denkmalgeschützten Mehrfamilienhaus gelingen kann, konnten die Teilnehmenden bei einer Exkursion am 10. Juli 2026 im Klimaquartier Parkstraße anhand eines bereits umgesetzten Praxisbeispiels erleben. Bauherrenschaft und Heizungsbauer zeigten die neue Heizzentrale, die installierten Rohrstränge sowie die Vorbereitungen für den zukünftigen Fernwärmeanschluss.
Ehrenamtliche Energiebotschafterinnen und Energiebotschafter: Neben den genannten Veranstaltungsformaten hat das RKU in den aktuell laufenden Quartieren Fasanerie, Feldmoching sowie Hasenbergl-Süd-Lerchenau ein Ehrenamtsprogramm aufgebaut, das den Kerngedanken des Antrags strukturell verankert. Die Energiebotschafter*innen sind Bewohner*innen der jeweiligen Quartiere, die bereits eigene Sanierungsmaßnahmen – etwa Fassadendämmung, Fenstertausch oder die Umstellung der Heizung auf eine Wärmepumpe – umgesetzt haben bzw. über einschlägige berufliche Erfahrung verfügen. Sie unterstützen das RKU bei der Verbreitung von Informationen im Quartier, stehen interessierten Nachbar*innen für Auskünfte zur Verfügung, zeigen ihr eigenes Gebäude und berichten über praktische Herausforderungen der Sanierung. Sie kennen oft auch weitere Eigentümer*innen im Quartier, die Maßnahmen umgesetzt haben und ebenfalls ihre Heizungskeller öffnen würden. Die Ehrenamtlichen werden in einem Einführungsworkshop auf ihre Aufgabe vorbereitet, erhalten begleitende Weiterbildungsangebote und vernetzen sich bei einem alle zwei Monate stattfindenden Stammtisch, der allen anenergetischer Sanierung interessierten Bürger*innen in den drei Quartieren offensteht.
In ihrer Gesamtheit zeigen diese Formate, dass der im Antrag beschriebene Wirkmechanismus – der Abbau von Vorbehalten durch glaubwürdige, nachbarschaftliche Erfahrungsberichte unter fachlicher Begleitung der Quartiersberatung – bereits Bestandteil der laufenden Praxis ist und in der künftigen Quartiersarbeit fortgeführt werden sollte.
Die im Antrag angeregte Einbeziehung des Handwerks und der zivilgesellschaftlichen Akteur*innen wird vom RKU bereits teilweise praktiziert und soll im Sinne des Antrags weiter ausgebaut werden.
Auf zivilgesellschaftlicher Seite kooperierte das RKU (Team Energie im Quartier – RKU-II-52) im Münchner Osten bereits mit der Initiative „Trudering im Wandel“, die eigenständig „Solarspaziergänge“ zur Besichtigung von Photovoltaik- und Balkonsolaranlagen organisiert. Zudem ist das RKU im Hinblick auf nachbarschaftliche Nahwärmenetze im Austausch mit „Bürgerwärme for Future e.V.“.
Ebenfalls erwähnenswert ist der von der Zivilgesellschaft bundesweit ins Leben gerufene „Tag des offenen Heizungskellers“, der zuletzt am 15. November 2025 stattgefunden hat. Die Angebote in München wurden von „Bürgerwärme for Future e.V.“, „Greenpeace München“ und „München-Zero“ angemeldet, und in Trudering sowie der Messestadt-Riem fanden Besichtigungen von Heizungskellern statt, bei denen das RKU teilweise bereits im Rahmen der aufsuchenden Energieberatung aktiv war. Diesen Tag hat das RKU in Anlehnung an die Spaziergänge auf seiner Website beworben und angekündigt. Im Rahmen der weiteren Quartiersarbeit können hier die Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit geprüft werden. Der nächste bundesweite Aktionstag ist für Samstag, 21. November 2026, vorgesehen.
Auf Seiten des Handwerks besteht bereits ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Sachgebiet Wärmestrategie und Quartier des RKU und der Innung für Sanitär, Heizung und Klima (SHK). Zudem erfolgen immer wieder gegenseitige Einladungen zu Veranstaltungen, die vom RKU oder der SHK organisiert werden (z.B. die RKU-Themenreihe „Wärmewende in der Nachbarschaft“ oder der SHK-Innungstag). Auch mit der Handwerkskammer und weiteren Innungen des Handwerks bestehen verschiedene Kontakte. Derzeit wird zudem geprüft, wie ortsansässige Fachbetriebe künftig systematischer in die Quartiers- und Kampagnenarbeit eingebun-den werden können. Hier gibt es verschiedene Ansatzpunkte, die noch mit dem Handwerk abgestimmt und (auch rechtlich) geprüft werden müssen (z.B. Begleitung von Best-Practice-Spaziergängen und vergleichbaren Besichtigungsformaten durch SHK-Betriebe, Bereitstellung einer Informationsplattform über die Kompetenzen der Betriebe durch die Innung, Einbindung des Handwerks in die regelmäßigen Wärmewendekampagnen des RKU).
Das RKU wird hierzu das Gespräch mit dem Handwerk sowie mit den bestehenden zivilgesellschaftlichen Partner*innen suchen und die genannten Optionen für die anstehende Quartiersarbeit konkretisieren.
Die im Antrag formulierten Anliegen werden vom RKU bereits in wesentlichen Teilen in der Quartiersarbeit umgesetzt: Mit den Best-Practice-Spaziergängen, den Besichtigungen von Umstellobjekten für die Fernwärme und dem Ehrenamtsprogramm der Energiebotschafter*innen verfügt das RKU über sich einander ergänzende Formate, die Vorbehalte gegenüber erneuerbaren Energien- und klimafreundlicher Wärmeversorgung durch glaubwürdige, nachbarschaftliche Erfahrungsberichte abbauen – fachlich begleitet durch die Quartiersberatung und unter zunehmender Einbindung zivilgesellschaftlicher Partner*innen (z.B. im Rahmen des jährlichen Tags des offenen Heizungskellers). Diese Angebote werden im Rahmen der laufenden und künftigen Quartierskampagnen fortgeführt, und es werden Möglichkeiten der Einbindung der Innungen sowie ortsansässiger Fachbetriebe eruiert.
Das Referat wird dem Stadtrat über den Fortgang dieser Maßnahmen im Rahmen der regulären Berichterstattung zur Quartiersarbeit und zur Wärmeplanung Bericht erstatten.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Der Antrag wurde vom Stadtrats-Mitglieder Anne Hübner, Marian Offman, Dr. Julia Schmitt-Thiel und Andreas Schuster (SPD-Fraktion) am 28.1.2026 gestellt.
- Die Antwort des Referats für Klima- und Umweltschutz wurde am 28.1.2026 gegeben.
- Das Referat für Klima- und Umweltschutz wird beauftragt, positive Beispiele aus den Vierteln zu zeigen und den Bewohnerinnen und Bewohnern anschaulich die (wirtschaftlichen) Vorteile erneuerbarer Energiequellen zu vermitteln.
- Die Erfahrung der Innung für Sanitär, Heizung und Klima und zivilgesellschaftlichen Akteuren zeigt, dass Vorbehalte gegenüber einer erneuerbaren Energie- und Wärmeversorgung durch glaubwürdige, nachbarschaftliche Erfahrungsberichte wirksam begegnet werden kann.
- Eine denkbare Maßnahme ist die gemeinsame Besichtigung eines umgerüsteten Heizungskellers mit anschaulichen Erfahrungsberichten durch die Eigentümer und begleitet durch die Quartiersberatung.
- Die Kampagne „Aufsuchende Energieberatung im Quartier“ des Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU) seit 2023 bereits in neun Münchner Quartieren durchgeführt hat bzw. weiterhin fortsetzt.
- Das RKU hat ein Ehrenamtsprogramm aufgebaut, das den Kerngedanken des Antrags strukturell verankert.
- Die Energiebotschafterinnen und Energiebotschafter sind Bewohnerinnen und Bewohnern der jeweiligen Quartiere, die bereits eigene Sanierungsmaßnahmen umgesetzt haben bzw. über einschlägige berufliche Erfahrung verfügen.
- Die Ehrenamtlichen unterstützen das RKU bei der Verbreitung von Informationen im Quartier, stehen interessierten Nachbar*innen für Auskünfte zur Verfügung und zeigen ihr eigenes Gebäude.
- Der nächste bundesweite Aktionstag ist für Samstag, 21. November 2026, vorgesehen.
- Auf Seiten des Handwerks besteht bereits ein regelmäßiger Austausch zwischen dem Sachgebiet Wärmestrategie und Quartier des RKU und der Innung für Sanitär, Heizung und Klima (SHK).
- Das RKU wird hierzu das Gespräch mit dem Handwerk sowie mit den bestehenden zivilgesellschaftlichen Partner*innen suchen und die genannten Optionen für die anstehende Quartiersarbeit konkretisieren.
- Die im Antrag formulierten Anliegen werden vom RKU bereits in wesentlichen Teilen in der Quartiersarbeit umgesetzt: Mit den Best-Practice-Spaziergängen, den Besichtigungen von Umstellobjekten für die Fernwärme und dem Ehrenamtsprogramm der Energiebotschafter*innen verfügt das RKU über sich einander ergänzende Formate.
- Die Angebote werden im Rahmen der laufenden und künftigen Quartierskampagnen fortgeführt, und es werden Möglichkeiten der Einbindung der Innungen sowie ortsansässiger Fachbetriebe eruiert.
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