Citrix kauft Numecent – potenzielle Security-Risiken inklusive?
Citrix integriert die Technologie von Numecent künftig in seine Plattform. Für Anwenderunternehmen hat das sowohl potenziell positive als auch negative Folgen.JHVEPhoto | shutterstock.com
Citrix hat die Übernahme seines langjährigen Partners Numecent abgeschlossen, einem Anbieter von Technologien zur Containerisierung und Verwaltung von Windows-Anwendungen.
Die Übernahme baut auf gemeinsamen Bemühungen zur Integration des Numecent-Management-Tools Cloudpager in Citrix Desktop-as-a-Service (DaaS) auf. Künftig wird nun auch Numecents anderes Produkt – Cloudpaging – in die Citrix-Plattform integriert.
Bei letzterem handelt es sich um eine Lösung, die Windows-Applikationen in isolierten, Betriebssystem-unabhängigen Anwendungscontainern verpackt und diese bei Bedarf an Windows-Endgeräte streamt (statt sie in ein Desktop-Image zu integrieren).
„Unternehmenskunden sagen uns seit Jahren, dass das Anwendungsmanagement einer der mühsamsten Aspekte beim Betrieb einer Windows-Umgebung ist. Durch die Integration von Cloudpaging und Cloudpager in Citrix können IT-Teams die Zeit zurückgewinnen, die sie bisher mit dem Ringen um Images und Anwendungskonflikte verbracht haben“, wird Shawn Bass, SVP und GM von Citrix DaaS, in der Ankündigung zur Übernahme zitiert.
Analysten und Marktbeobachter sind bezüglich der Übernahme eher zwiegespalten. Einerseits sehen sie Erleichterungen für die IT-Teams der Kunden, andererseits auch eine verstärkte Anbieterabhängigkeit sowie potenzielle Risiken für die Datensicherheit.
Zwischen Effizienz-Himmel und Security-Hölle
„Insgesamt ist das eine positive Entwicklung für Citrix-Kunden. Aber die versprochenen Konvertierungen sind nicht einhundertprozentig kompatibel“, meint etwa Stuart Downes, Vice President und Analyst bei Gartner.
Low-Level-Integrationen auf Kernel-Ebene verliefen in der Regel nicht erfolgreich, weil Code, der eine Integration auf der tiefsten Ebene des Betriebssystems erfordert, meist direkte Verbindungen zur Hardware benötige, so Downes. Der Analyst schätzt, dass Anwendungen auf dieser Ebene lediglich ungefähr zwei Prozent der Enterprise-Applikationen ausmachen.
„Für die typischeren Anwendungen wird die Kompatibilität wahrscheinlich bei über 90 Prozent liegen. Das ist unterschiedlich weil bei der Virtualisierung von Applikationen eine ganze Reihe komplexer Faktoren eine Rolle spielen“, so Downes. Er ergänzt, dass man zunächst abwarten müsse, wie Citrix Cloudpager und Cloudpaging künftig konkret integriert.
Justin Greis, CEO der IT-Beratung Acceligence, sieht in der Übernahme von Numecent durch Citrix großes Einsparpotenzial für Anwenderunternehmen: „Große Unternehmen können über Tausende von Windows-Anwendungen verfügen, darunter veraltete, maßgeschneiderte, branchenspezifische und hochspezialisierte. Und viele davon sind von spezifischen Windows-Versionen, -Bibliotheken, -Konfigurationen oder -Desktop-Images abhängig.“
Jede größere Desktop-Erneuerung, Infrastrukturmodernisierung, Windows- oder Cloud-Migration könne daher einen neuen Application-Testing- und -Repackaging-Zyklus nach sich ziehen: „Die Möglichkeit, die Anwendungsschicht stärker von der darunterliegenden Umgebung zu abstrahieren, kann einen erheblichen Teil dieser Reibungsverluste beseitigen.“
Großes Potenzial für die Kunden erkennt auch Noah Kenney, Principal Consultant bei Digital 520, – zumindest in der Theorie. Er geht davon aus, dass die Kunden die Lösung angesichts der betrieblichen Einsparungen einsetzen werden. Die große Rechnung werde dann fällig, wenn sie versuchen, wieder auszusteigen.
„Für Citrix ist diese Übernahme eine gute Sache, für die Verhandlungsposition der Kunden ist sie auf lange Sicht wahrscheinlich weniger positiv. Citrix kann nun den Desktop verlieren und die Kunden dennoch behalten. Jede in Cloudpager verlagerte Anwendung erhöht die Kosten für die nächste Migration. So profitieren die Kunden erst von der Vereinfachung und Citrix später von den Wechselkosten.“
Sanchit Vir Gogia, Chefanalyst bei Greyhound Research, hat auch die Bestandskunden von Numecent im Blick: „Sie benötigen verbindliche Antworten zu Nutzungsrechten, Migration und Ausstiegsmöglichkeiten.“
Brian Levine, Berater und Geschäftsführer von FormerGov, weist allerdings darauf hin, dass die im Rahmen der Numecent-Übernahme neu zu integrierenden Funktionen dazu führen könnten, dass die Anwender mit ernsthaften Security-Problemen konfrontiert werden – etwa dem Risiko von Datenexfiltration.
„Cloudpager ist im Wesentlichen ein privilegierter Switch, der Software in einem Schwung an sämtliche Windows-Endpunkte übertragen kann. Das ist genau die Art von Distributionskanal, die zu schwerwiegenden Vorfällen geführt hat“, gibt Levine zu bedenken und spielt damit unter anderem auf den schlagzeilenträchtigen SolarWinds-Incident an.
Die Integration in Citrix, dessen NetScaler-Devices wegen seiner ‚CitrixBleed‘-Schwachstellen ein beliebtes Ziel für Ransomware-Angriffe waren, dürfte bei IT-Entscheidern Fragen aufwerfen, vermutet Levine: „Etwa, wer sich nach der Übernahme um die Sicherheit der fusionierten Einheit kümmert – oder wie Angriffe, wie sie in der Vergangenheit stattgefunden haben, künftig verhindert werden sollen.“ (fm)
Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computerworld.com erschienen.
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