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Datenschutzeinstellungen „Kasseler WELLE“ schwimmt zum Erfolg

„Die ‚Kasseler WELLE‘ hat schon bei ihrem ersten Durchgang eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn wir Kindern die Zeit, die Aufmerksamkeit und die bestmöglichen Bedingungen geben, die sie zum Lernen brauchen. Es ist beeindruckend zu sehen, wie aus behutsamer Wassergewöhnung Schritt für Schritt echte Wasser- und Schwimmkompetenz entstehen kann. Aber die ‚WELLE‘ hat noch viel mehr erreicht: Sie hat Kindern Selbstvertrauen gegeben, Freude am Element Wasser – obwohl einige von ihnen noch nie in einem Schwimmbad waren“, so Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller und Bürgermeisterin Nicole Maisch begeistert.
Seit dem 10. August 2026 konnten 1.400 Zweitklässlerinnen und Zweitklässler aus 19 Kasseler Grundschulen das Auebad eine Woche lang täglich rund neunzig Minuten als sicheren Ort zum Lernen und Sammeln eigener Erfahrung im Wasser nutzen. Die sogenannte Säule 1 des Kasseler Pilotprojektes verbindet eine Untersuchung zu Beginn der Übungswoche, die die Wasserfähigkeiten der Kinder feststellt, mit einem klar aufgebauten Unterricht der schwimmerischen Grundbildung durch geschulte Studierende der Uni Kassel. Ziel ist es, allen Kindern – unabhängig davon, aus welchem sozialen oder kulturellen Umfeld sie kommen oder ob sie gesundheitliche Einschränkungen haben – die gleichen Chancen zu geben, grundlegende Fähigkeiten und Sicherheit im Wasser zu lernen. Daher wurden auch typische kritische Situationen mit den Kindern im Wasser geübt wie etwa das Umkippen der Luftmatratze oder das Rauskommen aus dem Wasser ohne Hilfsmittel.
Was hat eine Eule mit schwimmen zu tun?
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch das Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel. Alle 1.400 Kinder nahmen gleich am ersten Tag ihrer Wasserwoche am sogenannten EulenCHECK teil. Dieses Analyse-Tool erhebt anhand fünf standardisierter Aufgaben den individuellen Lernstand der Kinder. Dabei mussten die Zweitklässlerinnen und Zweitklässer beispielsweise zeigen, ob sie mit dem Kopf unter Wasser tauchen können – ohne sich die Nase zuzuhalten. Danach konnten die Kinder in vier Gruppen eingeteilt werden: Von rosa für „ängstlich“ bis blau für „souverän“, so dass auch die Studierenden jederzeit einschätzen konnten, auf welchem Stand das jeweilige Kind ist. Sobald sich die Kinder im Wasser sicherer fühlen, erhalten sie ein gelbes Band. Damit ist klar: Sie können im Wasser schweben – fast wie ein Astronaut. Kinder mit einem grünen Band können sich im Wasser schon gut fortbewegen. Blau steht für die Kinder, die sich im Wasser bereits richtig sicher fühlen. „Es waren Kinder dabei, die durch ihre Fluchterfahrung Angst vor dem Wasser hatten, andere konnten schon schwimmen, wieder andere mussten erst lernen, ihre eigenen Fähigkeiten richtig einzuschätzen und sich nicht selbst zu überschätzen“, erzählt Boris Reichenbach, Leiter des städtischen Amts für Schule und Bildung. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden koordinierte er das Pilot-Projekt. „Umso schöner war die Beobachtung am Ende einer Woche: Plötzlich standen Kinder aus der ängstlichen Gruppe kurz vor dem Seepferdchen. Und Kinder, die am ersten Tag noch gar nicht ins Wasser wollten, standen am fünften Tag dank der guten Arbeit der Studierenden und der individuellen Betreuung lachend im Becken.“
Erste Zahlen belegen Erfolg
Die Motorik-Modul-Studie (MoMo) ermittelte für den Erhebungszeitraum 2018 bis 2020, dass bundesweit 22 Prozent der Grundschulkinder im Alter von fünf bis zehn Jahren überhaupt nicht schwimmen können. In der Teilstichprobe der sieben- bis achtjährigen Kinder, dem Alterssegment der zweiten Klassen, steigt dieser Nichtschwimmeranteil laut MoMo sogar auf rund 30 Prozent. Die aktuell erzielten Werte der „Kasseler WELLE“ liegen, trotz des sehr jungen Alters der teilnehmenden Kinder, deutlich über den bundesweiten Referenzdaten. „Bereits 85,2 Prozent der getesteten Kasseler Zweitklässlerinnen und Zweitklässler konnten am Ende ihrer Wassergewöhnungswoche sicher untertauchen und verfügen somit über eine grundlegende Wasservertrautheit. 44 Prozent der Kinder beherrschten nach unseren Kursen das stabile Schweben in Bauch- und Rückenlage, während 30,7 Prozent sich in beiden Lagen eigenständig fortbewegen“, erläutert Dr. Sebastian Fischer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel. Über 50 Sportstudentinnen und Sportstudenten lernten unter seiner Anleitung in einer eigens für die „Kasseler WELLE“ konzipierten Lehrveranstaltung die Vermittlung und Diagnostik von Schwimmkompetenzen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich eine frühzeitige, systematische Diagnostik lohnt, weil sie häufig offenlegt, dass bei vielen Kindern bereits zentrale Grundlagen der schwimmerischen Grundbildung vorhanden sind und anschließend gezielt weiterentwickelt werden können. Durch die Auswertung der spielerischen Tests konnten die Studierenden und unterstützenden Lehrkräfte aus den Kasseler Grundschulen schon am zweiten Tag der Wasserwoche Aufgaben passgenau auf jedes Kind abstimmen. Die höhenverstellbaren Unterwasserplattformen des Auebads erlaubten es zudem, die Wassertiefe flexibel an die Bedürfnisse der Lernenden anzupassen.
„Die wissenschaftliche Evaluation setzen wir jetzt fort, um die Entwicklung innerhalb der Woche zu diagnostizieren sowie deren Nachhaltigkeit der erreichten Lernfortschritte zu überprüfen und das Modell für eine flächendeckende Anwendung weiterzuentwickeln. Dazu werden tausende Datensätze nach verschiedenen Kriterien ausgewertet“, so Fischer weiter.
„Kasseler WELLE“ findet bundesweit Beachtung
Während der drei Wochen waren immer wieder Profischwimmerinnen und -schwimmer sowie Fachleute zu Besuch, um sich das deutschlandweit einmalige Projekt anzuschauen. Auch der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ist von der „Kasseler WELLE“ beeindruckt und sieht in dem Projekt eine bundesweite Vorreiterrolle, das in ganz Deutschland umgesetzt werden sollte. „Die Kasseler Welle ist ein fantastisches Projekt. Es ist außerordentlich gut durchdacht, mit fachlicher Kompetenz seitens der Universität und der Stadtverwaltung. Und man bemerkt neben der nötigen politischen Unterstützung die Detailliebe und den Willen, das so gut zu machen, wie es nur geht. Das gilt für so viele Beteiligte, die ich im Wasser und am Beckenrand gesehen habe. Wir werden nun gemeinsam überlegen, wie wir daraus eine ‚neue deutsche Welle‘ entstehen lassen, fußend auf der Kasseler Welle. Da sehe ich eine Menge an Potenzial, wenn man neben denjenigen, die sich hier zusammengefunden haben, an anderen Orten noch mehr engagierte und kluge Leute findet“, ist Jan Pommer, Vorstandsvorsitzender des DSV, überzeugt.
Fortsetzung in den Herbstferien
Nachdem die erste Säule „Kasseler WELLE – Wasser Erleben Lernen, Leben Erhalten“ für 2026 abgeschlossen ist, beginnt in den Herbstferien die zweite Säule „Kasseler WELLE – Gemeinsam sicher Schwimmen“. Im ehemaligen „Hortschwimmen“ wird in den Herbstferienwochen wieder über 150 Kindern kostenlos Schwimmen beigebracht. Die Schulen erhalten zudem zu jedem Kind eine Einschätzung, wie der Lernstand ist und mit welchen Übungen die nächsten Entwicklungsschritte erreicht werden können.
Außerdem arbeiten alle Beteiligten an Säule 3 „Kasseler WELLE – Alle schwimmen mit“, mit der explizit Kinder angesprochen werden sollen, die eine körperliche oder geistige Behinderung haben. Zwar können auch bei Säule 1, dem Wassergewöhnungs‐Element, Kinder mit Handicap teilnehmen. Beim Schwimmunterricht selbst sind aber noch differenzierter individuelle Stärken und Bedürfnisse zu berücksichtigen, so dass hier nur ein passgenaues Angebot greifen kann. Für Sommer 2027 wird jetzt der zweite Durchgang der Kasseler Welle mit den beteiligten Akteuren vorbereitet.
Zusammenarbeit macht’s möglich
„Die ‚Kasseler WELLE‘ ist nur möglich, weil es Menschen in dieser Stadt gibt, die sich für Kinder einsetzen. Und das weit über das normale Maß hinaus. Ich möchte mich deshalb ganz besonders bei den Mitarbeitenden und ihrem Leiter des städtischen Amts für Schule und Bildung bedanken. Sie haben organisiert, Sponsoren geworben, Tabletts für jede Schule eingerichtet, im Auebad jede Woche unterstützt und dies weit über die normale Arbeitszeit hinaus. Hier wurde mit Herz und viel Engagement gearbeitet und Kooperationen innerhalb der Stadt aber auch mit der Uni Kassel und allen anderen Partnerinnen und Partnern organisiert“, bedankt sich Bürgermeisterin Nicole Maisch. Realisiert wird das Projekt „Kasseler WELLE – Wasser Erleben Lernen, Leben Erhalten“ durch die enge Kooperation zwischen dem städtischen Amt für Schule und Bildung sowie dem Sportamt, der Universität Kassel, der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, dem Staatlichen Schulamt, den Kasseler Grundschulen sowie der DLRG. Für die Kinder und Lehrkräfte ist sowohl die An‐ und Abreise sowie der Besuch des Schwimmbades kostenlos.
Große Planungsunterstützung kam auch von den Grundschulen selbst. „Die Schulleitungen haben die Herausforderung angenommen und gemeistert, eine Projektwoche für den Jahrgang zwei parallel zum Regelunterricht in den anderen Klassen zu planen und in der Schule zu organisieren. Und auch der Einsatz der Lehrkräfte vor Ort war wirklich großartig. Sie haben die Kinder sicher zum Bad begleitet, haben die Studierenden bei den Testungen unterstützt und sind selbst mit ins Wasser gegangen. Es war schön zu erleben, mit wieviel Freude und Überzeugung Lehrkräfte ihren Beruf ausüben“, ergänzt Annette Knieling, Leiterin des Staatlichen Schulamts.
„Die ‚Kasseler WELLE‘ ist somit nicht nur ein großartiges Projekt für unsere Grundschülerinnen und Grundschüler, sondern auch der Beweis dafür, dass Verwaltung, Wissenschaft und Praxis Hand in Hand ebenso großartiges leisten können für ein gemeinsames Ziel. Darauf können alle sehr stolz sein. Ich bin es jedenfalls“, sagt Oberbürgermeister Dr. Sven Schoeller abschließend. „Das Projekt hat in nur drei Wochen gezeigt, dass interdisziplinär geplante, datenbasierte und inklusive Schwimmförderung einen messbaren Beitrag zur Gesundheitsprävention und Teilhabegerechtigkeit leisten kann. Die heute vorgelegten Ergebnisse markieren damit nicht den Abschluss, sondern den Auftakt einer ‚WELLE‘, die Kindern Spaß macht und gleichzeitig Leben rettet.“
Hintergrund
Entstanden ist sie als Weiterentwicklung des Hortschwimmens des städtischen Amts Kindertagesbetreuung und der Uni Kassel. Seit 2022 wird – auf eine Initiative des Rotary Clubs Kassel hin – bisher jährlich rund 150 Kindern ein kostenloser zweiwöchiger Schwimmkurs angeboten, in dem sie in der Regel die Seepferdchen‐Prüfung ablegen. Ab sofort ist das Hortschwimmen Teil der „Kasseler WELLE“.
Ein Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist der Einsatz modularer, höhenverstellbarer Unterwasserplattformen im Kasseler Auebad. Sie ermöglichen es, die Wasserhöhe flexibel an die Bedürfnisse der Kinder anzupassen. So wird auch jenen Kindern, die von motorischen, sensorischen oder kognitiven Einschränkungen betroffen sind, durch individualisierte Förderangebote der Zugang zu sicherer Schwimmausbildung eröffnet.

Fakten

  • Die 'Kasseler WELLE' hat schon bei ihrem ersten Durchgang eindrucksvoll gezeigt, was möglich ist, wenn wir Kindern die Zeit, die Aufmerksamkeit und die bestmöglichen Bedingungen geben, die sie zum Lernen brauchen.
  • 85,2 Prozent der getesteten Kasseler Zweitklässlerinnen und Zweitklässler konnten am Ende ihrer Wassergewöhnungswoche sicher untertauchen und verfügen somit über eine grundlegende Wasservertrautheit.
  • 44 Prozent der Kinder beherrschten nach unseren Kursen das stabile Schweben in Bauch- und Rückenlage, während 30,7 Prozent sich in beiden Lagen eigenständig fortbewegen.
  • Die 'Kasseler WELLE' ist ein fantastisches Projekt. Es ist außerordentlich gut durchdacht, mit fachlicher Kompetenz seitens der Universität und der Stadtverwaltung.
  • Das Projekt hat in nur drei Wochen gezeigt, dass interdisziplinär geplante, datenbasierte und inklusive Schwimmförderung einen messbaren Beitrag zur Gesundheitsprävention und Teilhabegerechtigkeit leisten kann.
  • Die 'Kasseler WELLE' ist nur möglich, weil es Menschen in dieser Stadt gibt, die sich für Kinder einsetzen. Und das weit über das normale Maß hinaus.
  • Das Projekt wird durch die enge Kooperation zwischen dem städtischen Amt für Schule und Bildung sowie dem Sportamt, der Universität Kassel, der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH, dem Staatlichen Schulamt, den Kasseler Grundschulen sowie der DLRG realisiert.
  • Für die Kinder und Lehrkräfte ist sowohl die An- und Abreise sowie der Besuch des Schwimmbades kostenlos.
  • Die 'Kasseler WELLE' findet bundesweit Beachtung.
  • Das Projekt wird in den Herbstferienwochen wieder über 150 Kindern kostenlos Schwimmen beigebracht.
  • Die Schulen erhalten zu jedem Kind eine Einschätzung, wie der Lernstand ist und mit welchen Übungen die nächsten Entwicklungsschritte erreicht werden können.
  • Das Projekt 'Kasseler WELLE' wird in den Herbstferienwochen wieder über 150 Kindern kostenlos Schwimmen beigebracht.
  • Die 'Kasseler WELLE' ist Teil der Stadt Kassel, Deutschland.
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