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KI statt Belegschaft – Metas großer Traum ist (vorerst) geplatzt

Meta-Mitarbeiter werden nun doch nicht im bisher geplanten Umfang durch KI ersetzt. Zumindest vorerst.RAMAN SHAUNIA | shutterstock.com



Anfang 2026 war Meta einer der lautstärksten KI-Verfechter innerhalb der Tech-Branche – und bereit, im Rahmen seines sogenannten „Project OT“ (Organization Transformation) Mitarbeiter in diversen Bereichen und erheblichem Umfang durch KI zu ersetzen. Das Ziel: Der Zuckerberg-Konzern sollte „AI native“ werden.



Diese Pläne sind nun laut Reuters in sich zusammengefallen. Der Grund: interne Daten, legen nahe, dass die Meta-Führungsebene bei ihrer Planung wohl dem KI-Marketing-Hype erlegen ist.



KI-Agenten stiften Chaos bei Meta



So seien beispielsweise die Code-Änderungen an den internen Softwareplattformen und der Infrastruktur bei Meta laut CTO Andrew Bosworth im Vergleich zum Vorjahr um 220 Prozent gestiegen. Neue oder verbesserte Funktionen für die Meta-User hingegen nur um 36 Prozent.



Wie Reuters berichtet, hat der massive Anstieg von KI-generiertem Code auch unter Meta-Führungskräften die Alarmglocken schrillen lassen, insbesondere im Hinblick auf dessen Zuverlässigkeit. Andere Insider berichten von unkontrollierten KI-Agenten, die in großem Maßstab disruptive Aktionen durchführen.



Die Folge waren demnach schwerwiegende technische und sicherheitsrelevante Vorfälle, etwa Service-Unterbrechungen und mögliche Daten-Leaks. Die Anzahl dieser Incidents stieg laut Reuters im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent. Gleichzeitig nahm der zeitliche Aufwand der Mitarbeiter, um diese Probleme wieder zu beheben, um 70 Prozent zu.



Dass Meta sich dazu entschieden hat, seine Belegschaft mit Hilfe von Tracking Software umfassend zu durchleuchten, um seine KI-Agenten zu trainieren, hat die Sache nicht besser gemacht. Weil die Mitarbeiter befürchten mussten, sich so über kurz oder lang selbst abzuschaffen, lehnten sie sich gegen die Pläne auf.



Um zu beschwichtigen, stellte der Konzern zunächst höhere Budgets für Reisen und Events in Aussicht – sowie qualitativ hochwertigere Snacks für die Büroküchen. Wenig überraschend, konnte das die Stimmung innerhalb der Belegschaft nicht heben.



Und obwohl die KI-Pläne von Meta in ihrer bisherigen Form nun erst einmal vom Tisch sind, gibt es für die Mitarbeiter keinen Grund zur Entwarnung. Laut Reuters spricht Meta-CEO Zuckerberg intern weiterhin über unternehmensweite Personalmaßnahmen.



Das trägt offenbar zu Spekulationen darüber bei, dass der geplante Personalabbau durch teamspezifische Kürzungen oder leistungsbezogene Entlassungen vorangetrieben – oder schlicht auf 2027 verschoben wird.



Metas gescheiterte KI-Pläne – das sagen Analysten



IT-Führungskräfte in Unternehmen sollten aus den KI-Verfehlungen des Meta-Konzerns Lehren ziehen. Schließlich zeigen diese eindrücklich, welche Folgen es haben kann, Marketing-Hype nicht konsequent zu hinterfragen.



Sanchit Vir Gogia, Chefanalyst bei Greyhound Research, sieht den wesentlichen Fehler von Meta darin, dass die Entscheider die prognostizierten Fähigkeiten von KI-Agenten als gesetzt betrachtet haben: „Sie haben fest mit der prognostizierten, optimierten Produktionskapazität geplant, bevor diese tatsächlich vorhanden war. So stellten die Pläne mehr eine Wette als eine Entscheidung dar.“



Erfahrene IT-Profis sollten von den Erfahrungen bei Meta allerdings nicht überrascht sein, meint Terra Higginson, Principal Research Director bei der Info-Tech Research Group: „Unkontrollierte KI-Agenten sind eine schlechte Idee. Menschen zu ersetzen, ebenfalls. Das manifestiert eine Zukunft, die niemand will. Der menschliche Part muss weiterhin eine Rolle spielen – auch weil wir noch nicht genau sagen können, wie KI künftig tatsächlich unsere Arbeitsweise verändern wird.“



Deshalb sollten KI-Ergebnisse auch nicht als Maßstab für Produktivität herangezogen werden, ist die Managerin überzeugt.



Für Tom Findling, CEO beim SOC-Spezialisten Conifers.ai, sind Metas gescheiterte KI-Pläne ein guter Anlass, um Vorständen vor Augen zu führen, welche Folgen eine unkontrollierte KI-Einführung nach sich ziehen kann: „Vermitteln Sie dem Board, dass es auch eine Chance gibt, KI-Initiativen richtig anzugehen. Dann wird die Produktivität vielleicht nicht um 500 Prozent gesteigert. Aber die IT findet unter Umständen einen sinnvollen Weg, um 300 Prozent zu erreichen.“  



Die wichtigste Erkenntnis, die die IT aus der Meta-Situation mitnehmen sollten, ist nach Meinung von Justin Greis, CEO bei der IT-Beratung Acceligence, die Diskrepanz zwischen Initiative und tatsächlicher Wertschöpfung.



„KI kann ein Unternehmen außerordentlich auf Trab halten, ohne es zwangsläufig produktiver zu machen. Wir haben Jahrzehnte damit verbracht, Führungskräften beizubringen, dass Code-Zeilen, abgeschlossene Tickets und gestartete Projekte lediglich unvollkommene Indikatoren für Geschäftswert sind. KI verschärft dieses Messproblem mit maschineller Geschwindigkeit noch erheblich“, warnt der Manager.



Wenn ein KI-Agent zehnmal so viel Code, Analysen oder andere Ergebnisse produziert, bedeute das nicht, dass das auch zehnmal so viel Wert geschaffen hat, konstatiert der CEO: „Es kann einfach nur bedeuten, dass das Unternehmen zehnmal so viel Material erstellt hat. Und das muss irgendjemand validieren, sichern, integrieren, warten oder bereinigen.“



Die wichtigste Frage für Führungskräfte in Zusammenhang mit KI laute deshalb nicht, wie viel Arbeit die Technologie leisten kann, meint Greis. „Sondern: Welches messbare Geschäftsergebnis hat sich durch sie verbessert?“ (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computerworld.com erschienen.