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Wie Statista in der Zero-Click-Ära überlebt

Viviane Minz, Vice President API Products & Ecosystems für den Bereich Statista Connect, erzählt, wie Statista die Herausforderungen der Zero Click Economy des KI-Zeitalter anging.Statista



Jeder von uns hatte seinen persönlichen ChatGPT-Moment – den Zeitpunkt in dem uns klar wurde, dass KI ein Gamechanger mit disruptivem Potenzial ist. Ein Moment, den auch Statista hatte, als dem Unternehmen klar wurde, dass sein jahrelang gepflegtes Geschäftsmodell vor dem Abgrund steht. Das einst eherne Gesetz, wer bei Google ganz oben steht, gewinnt Reichweite und damit Kunden, galt plötzlich nicht mehr. Die KI zertrümmerte das einstige SEO-basierte Erfolgsmodell radikal.



So zeichnet denn auch Viviane Minz, Vice President API Products & Ecosystems bei Statista, ein entsprechend düsteres Bild für klassische Datenanbieter und Unternehmen, die auf Google-Sichtbarkeit angewiesen sind: KI-Assistenten wie ChatGPT oder Perplexity konsumierten Inhalte direkt und lieferten dem Nutzer die fertige Antwort, ohne dass dieser jemals auf die Ursprungs-Webseite klicken müsse.



Challenge Zero-Click-Antworten



Diese Zero-Click-Antworten kappen letztlich die lebenswichtige Verbindung zwischen Sichtbarkeit und Monetarisierung. Die Ironie dabei ist, dass die SEO-Strategien der Vergangenheit – also das Bereitstellen frei zugänglicher Inhalte zur Google-Optimierung – ungewollt jene KI-Modelle fütterten, die heute den Traffic kannibalisieren.






Klassische SEO-Strategien greifen im KI-Zeitalter der Zero Click Economy nicht mehr.
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Auf diese Disruption reagierte Statista mit einer harten Kehrtwende. Anstatt dem Traffic-Verlust tatenlos zuzusehen, wurde das Unternehmen zum Spielverderber für nicht zahlende KI-Crawler. Das Unternehmen traf die radikale strategische Entscheidung, einen Großteil seiner Inhalte hinter eine Paywall zu verschieben.



KI-Spielverderber Paywall



Im wesentlichen sprachen Minz zufolge drei Gründe für dieses Vorgehen:




Schutz vor Zero-Click-Antworten:




In der Zero Click Economy liefern KI-Assistenten die gewünschten Daten direkt an den Nutzer. Der für Statista lebenswichtige Traffic auf die eigene Webseite bleibt aus. Dabei war SEO in der Vergangenheit die Akquisemaschine, um Nutzer in zahlende Kunden zu konvertieren.




Füttern der Konkurrenz:




Die SEO-Strategie der Vergangenheit – also das Bereitstellen frei zugänglicher Statistiken zur Google-Optimierung – hatte die KI-Modelle unbeabsichtigt mit hochwertigen Trainingsdaten gefüttert. Diese Modelle nutzen nun die Daten von Statista, um Antworten zu generieren, die den ursprünglichen Traffic kannibalisieren, ohne dass das Unternehmen dafür eine Kompensation erhält.




Aufbau einer Verhandlungsgrundlage:




Durch das Blockieren der Crawler und das Verschieben der Daten hinter eine Paywall wollte man die großen KI-Player dazu zwingen, aktiv auf das Unternehmen zuzugehen. Die geschützten Inhalte sollten nun als Basis für Lizenzvereinbarungen und Kooperationen dienen, bei denen die KI-Anbieter für die Nutzung der verifizierten Daten bezahlen.



Letztlich tauschte das Unternehmen mit diesem Vorgehen bewusst einen Traffic-Verlust gegen den Schutz seiner Assets und die Relevanz in künftigen KI-Workflows ein. Das Ziel ist es, wie Minz erklärt, von einer reinen „Destinationsquelle“ zu einer unverzichtbaren, zitierten und bezahlten Datenquelle innerhalb der KI-Ökosysteme zu werden. Also letztlich ein Infrastruktur-Player zu werden.



Alte Erfolgsmetriken gelten nicht mehr



Ein Ziel, das gleich mehrere strategische Entscheidungen impliziert und von manchem CEO und Entscheidungsträger verlangt, sich fundamentalen, unbequemen Wahrheiten zu stellen. Dazu gehört etwa die Frage, womit man künftig in einer Zero Click Economy Geld verdienen will, wenn der klassische Traffic versiegt. Eine weitere Frage ist, ob man akzeptiert, dass man zur Datenquelle werden muss, die direkt in die Workflows der Nutzer fließt, weil die Nutzer nicht mehr aktiv eine Webseite besuchen.  






Statista packte einen Großteil seiner Inhalte hinter eine Paywall, um nicht zahlenden KI-Crawlern einen Riegel vorzuschieben.
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Doch auf die Entscheider wartet noch mehr Ungemach. Die etablierten Erfolgsmetriken wie Sessions, Page Views oder Google-Rankings sind obsolet. Die neue Leitwährung in der Zero Click Economy ist Minz zufolge die Frage: „Wie oft war ich die Quelle einer Antwort?“ Nur wer als vertrauenswürdige und zitierte Quelle (Trusted Player) in den Antworten der KI-Systeme auftaucht, so die Statista-Managerin, bleibt in diesem neuen Ökosystem relevant und distributiv erfolgreich.



Zum Trusted Player für KI werden



Doch wie wird man in der neuen Welt zum Trusted Player für die KI? Hierüber entscheiden letztlich die Daten und Inhalte. Eine entscheidende Rolle spielen dabei Metadaten in Form von Tool-Beschreibungen. Sie ermöglichen es einem KI-Agenten erst, zu verstehen, für welche spezifischen Anfragen ein Anbieter überhaupt die richtige Quelle ist.



Nur wenn diese Metadaten präzise definieren, welche Informationen in welchem Format bereitgestellt werden, kann die KI die Datenqualität für den jeweiligen Nutzungskontext bewerten. Dazu gehört auch, dass die Ergebnisse für die KI strukturierte und maschinenlesbare Formate sowie klare Quellenangaben enthalten.



Golden Data Sets



Um die Qualität der eigenen Daten für die KI zu bewerten, setzt Statista Minz zufolge auf sogenannte Golden Data Sets. Diese werden erstellt, indem man für eine theoretisch perfekte Nutzeranfrage die ideale, korrekte Antwort festlegt. Diese dient dann als Referenzwert für die Qualität der KI-Outputs. Später werden dann in einer Art Pen-Testing für Daten über die KI mit gezielten Testfragen diese Datensätze als Antwortquelle gechallengt.



Auf diese Weise will man sich einen Status als „Ground Truth“ (einzige wahre Quelle) erarbeiten. Dabei soll sichergestellt werden, dass die bereitgestellten Informationen zu 99,9 Prozent verifiziert sind und stimmen.



MCP und der Kellner im Restaurant






Das „Kellner“-Modell: Ein MCP-Server „empfiehlt und serviert dem KI-Gast ein Menü an verfügbaren Daten und Informationen.
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Die Aufbereitung der Daten ist jedoch nur die halbe Miete. Um die Vision, dass die Daten direkt dorthin fließen, wo der Nutzer arbeitet – in seine täglichen KI-Workflows – bedarf es noch weiterer Technik. Statista setzt hierbei auf das Model Context Protocol (MCP) und entsprechende Server. Wie das funktioniert veranschaulicht Minz anhand einer Analogie – einem Kellner in einem Restaurant:




Die KI ist der Gast: 




Das Large Language Model (LLM) nimmt die Rolle des Gastes ein. Es möchte Informationen konsumieren, weiß aber nicht, wie es in der Küche (den Datenbanken) aussieht oder wie die Speisen dort zubereitet werden.




Der MCP-Server ist der Kellner:




Er fungiert als die entscheidende Schnittstelle. Er tritt an den Gast heran und präsentiert ihm die Speisekarte (die Tool-Liste). Der Gast muss nicht wissen, wie die Datenbanken funktionieren; er muss lediglich verstehen, was auf der Karte steht, um eine „Bestellung“ aufzugeben.




Der Prozess des Servierens:




Beispielsweise bestellt der Gast Marktdaten zu einem bestimmten Bereich. Der Kellner holt dann diese Informationen aus der Küche und serviert sie dem Gast strukturiert und mundgerecht. Der MCP-Server übernimmt dabei die Übersetzungsleistung, sodass die KI maschinenlesbare Ergebnisse erhält, die sie sofort weiterverarbeiten kann.




Datenbanken als Küche:




Hier lagern die Rohdaten und Informationen, die in verschiedenen Gängen (von der Vorspeise bis zum Nachtisch) für den Kellner bereitgestellt werden.



Um diesen Paradigmenwechsel im Vergleich zur alten SEO-Welt weiter zu erklären bietet sich noch eine Analogie an: Der USB-C-Standard, der das Stecker-Chaos bei Notebooks, Smartphones etc. beseitigte. Ähnlich fungiert MCP, wenn es verschiedenen Gästen – KI-Modelle wie Claude, ChatGPT oder Perplexity – ermöglicht, denselben Kellner zu nutzen, ohne dass für jedes Modell eine eigene technische Integration gebaut werden muss.



Monetariserbarer Content in der KI-Ära



Zusätzlich hat das „Kellner“-Modell sowohl für KI als auch Content-Anbieter noch zwei weitere Vorteile: Im Gegensatz zu statischem Wissen aus Trainingsdaten bietet der Kellner der KI einen Live-Zugriff auf die Küche. Sprich, die Informationen sind immer aktuell und verifiziert. Der Content-Anbieter profitiert dagegen davon, dass seine Informationen niemals die Küche ohne Kontrolle verlassen. Der Zugriff durch den Kellner bleibt für den Anbieter immer messbar und monetarisierbar.



Unter dem Strich fungiert der MCP-Server als intelligenter Vermittler (Wrapper), der die API-Schnittstellen eines Unternehmens so aufbereitet, dass eine KI durch gute Tool-Beschreibungen (das „neue SEO“) genau weiß, was sie dort bestellen kann – welche Informationen und Daten sie also erhält.



Für IT-Entscheider und CEOs hat Viviane Minz abschließend einen unbequemen Rat: Um in der neuen Welt der Zero Click Economy zu bestehen, müssen Unternehmen ihre Daten und Informationen „in Reihe und Glied“ bringen. Ferner sollten sie in strukturierte APIs sowie MCP-Konnektoren investieren. Nur wer für die KI als verifizierte und zitierfähige Quelle – als sogenannte „Ground Truth“ – erkennbar ist, wird in der KI-Ökonomie der Zukunft noch existieren. Wer in den Antworten der KI-Assistenten nicht vorkommt, der existiert für eine wachsende Nutzergruppe schlichtweg nicht mehr.