Waymo bringt Robotaxis nach München
Alphabet-Tochter Waymo bringt ihre Robotaxis nach München – zunächst zu Erprobungszwecken.Karolis Kavolelis – shutterstock.com
Für China- und USA-Reisende gehören sie längst zum vertrauten Straßenbild: autonome Taxis. An diesen neuen Anblick werden sich nun auch Münchner gewöhnen müssen: Bereits in den kommenden Wochen will der US-amerikanische Mobilitätsanbieter Waymo – eine Tochter des Google-Konzerns Alphabet – seine charakteristischen Fahrzeuge auf die Straßen Münchens loslassen. Die Robotaxis des Unternehmens unterstützen das automatisierte Fahren gemäß SAE-Standard J3016 Level 4.
Robotaxis in München – zuerst mit Human-in-the-Loop
Anfangs sitzt hinter dem Lenkrad jedoch noch geschultes Personal, das die Autos manuell durch den bayerischen Stadtverkehr steuert. Ziel dieser ersten Phase sind die präzise Kartierung des Straßennetzes sowie erste Testfahrten. Auf diese Weise will man das autonome System – den sogenannten „Waymo Driver“ – optimal auf die Besonderheiten und Herausforderungen des Münchner Stadtverkehrs abstimmen.
Münchner sowie Gäste der Stadt müssen sich also noch etwas gedulden, bis sie in ein “echtes“ Robotaxi einsteigen können. Der offizielle Startschuss ist für Ende 2027 geplant. Dann sollen Fahrgäste ein autonomes Waymo-Taxi per App bestellen können.
Bis dahin will Waymo nach eigenen Angaben in den Aufbau eines lokalen Flottenbetriebs investieren und hochqualifizierte Arbeitsplätze in der Region schaffen. München wäre damit die erste EU-Stadt und die zweite Stadt in Europa, in die das US-Unternehmen investiert. Bislang war die Google-Tochter in der Alten Welt lediglich in London aktiv.
Die Waymo-Konkurrenten
Allerdings ist Waymo nicht der einzige Player auf dem Gebiet der autonomen Taxis. So stehen – wie berichtet – zahlreiche Anbieter von Robotaxis in den Startlöchern – etwa:
Mercedes-Benz,
Volkswagen,
Lyft und Baidu,
Uber und Momenta, oder
Stellantis und Bolt.
Während Waymo zum Typ der verwendeten Fahrzeuge keine Angaben macht, testet Mercedes-Benz mit ADAS-Partner Momenta ein fahrerloses SAE-Level-4-Robotaxi auf Basis der S-Klasse.
Politische Vorschusslorbeeren mit Bumerang-Effekt?
Seitens der Politik wird dem Newcomer aus den USA der sprichwörtliche rote Teppich ausgerollt. So schwärmt etwa Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei: „Autonomes Fahren ist eine Schlüsseltechnologie für die Mobilität der Zukunft und für die Transformation unserer Automobilindustrie […] Dass Waymo München für den Einstieg in den deutschen Markt und die Etablierung seines autonomen Fahrdienstes wählt, unterstreicht die Attraktivität unseres Hightech-Standorts.“
Auch im politischen Berlin geizt man nicht mit Vorschusslorbeeren. So fabuliert etwa auch Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, vom autonomen Fahren als Schlüssel zur Zukunft der Mobilität: „Wir wollen Deutschland zu einem weltweit führenden Innovations- und Produktionsstandort für autonomes Fahren machen. Den Rechtsrahmen dafür haben wir bereits geschaffen. Der weltweit führende Anbieter kommerzieller Robotaxi-Dienste Waymo hat das Potenzial Deutschlands als rechtssicheren Standort nun erkannt.“
Bleibt nur zu hoffen, dass die Euphorie der Politik nicht nach hinten losgeht. Zwar hat man 2021 mit einer Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) grundsätzlich die rechtlichen Voraussetzungen für Robotaxis geschaffen. Der Innovationsdrang von Waymo könnte aber noch am Beharrungsvermögen der deutschen Bürokratie scheitern: So sieht etwa das Münchner Mobilitätsreferat laut Süddeutscher Zeitung noch Anpassungsbedarf beim Personenbeförderungsgesetz. Schließlich gehe dieses an einigen Stellen noch von anwesendem Fahrpersonal aus.
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