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Bestehenden Wohnraum besser nutzen

Bestehenden Wohnraum besser nutzen Antrag Stadtrats-Mitglieder Paul Bickelbacher, Ursula Harper, Angelika Pilz-Strasser, Florian Schönemann, Christian Smolka, Sibylle Stöhr und Sebastian Weisenburger (Die Grünen – Rosa Liste – Volt) vom 10.2.2026
Antwort Sozialreferentin Dorothee Schiwy:
Sie beantragen mit Ihrem Antrag „Bestehenden Wohnraum besser nutzen“ die Erarbeitung eines Konzepts, mit dessen Hilfe die Bereitschaft privater Vermieter*innen erhöht werden soll, ihre Einfamilienhäuser etc. kostengünstig an jungen Menschen zu vermieten. Bestandteil des Konzepts soll dabei eine aktive Bauberatung sein, mit dem Ziel mögliche Hemmschwellen der Vermietung abzubauen.
Zu Ihrem Antrag vom 10.2.2026 teile ich Ihnen Ihr Einverständnis vorausgesetzt auf diesem Wege Folgendes mit:
Die Versorgung der Münchner Bürger*innen, insbesondere der Zielgruppe junge Menschen, mit bezahlbarem Wohnraum ist dem Sozialreferat ein dringendes Anliegen. Die Fokussierung auf den vorhandenen Wohnungsbestand begrüßt das Sozialreferat sehr. Bereits mit dem Stadtratsbeschluss „Aktuelle Wohnsituation junger Menschen in München und Möglichkeiten zur Entspannung der Lage“ (vgl. Sitzungsvorlage Nr.20-26/V 13135 vom 18.7.2024) hat das Sozialreferat begonnen, temporären Wohnraum für jungen Menschen im städtischen Kontext (Kommunalreferat und Münchner Wohnen) zu akquirieren und nutzbar zu machen. Die städtische Immobilie in der Von-Reuter-Straße ist eines der erfolgreich umgesetzten Beispiele. Das Projekt konnte umgesetzt werden, da die Anmietung durch die jungen Menschen selbst erfolgte und diese mit viel Eigenleistung zur Bewohnbarkeit beigetragen haben. Eine finanzielle Beteiligung durch die Landeshauptstadt München gab es nicht. Neben den städtischen Immobilien erhält das Amt für Wohnen und Migration immer wieder private Angebote von Wohnungen und Einfamilienhäusern, die zeitaufwendig geprüft werden und im Grundsatz für die Zielgruppe Junge Menschen geeignet sind. Diese werden den städtischen Kooperationspartner*innen (Wohlfahrtsverbände, freie Träger) für ihre jeweiligen Zielgruppen angeboten. Leider scheitert die Anmietung von privaten Immobilien in nahezu allen Fällen am viel zu hohen Mietzins, der nicht von der Zielgruppe oder dem Träger übernommen werden kann.
Die im Antrag dargelegten Maßnahmen, wie eine Bauberatung und eine Unterstützung im Vermietprozess, die zu einer Vermietung motivieren undHemmnisse abbauen sollen, sind ohne zusätzliche finanzielle Mittel nicht umsetzbar. Es stehen im Sozialreferat aktuell weder Mittel für die Bewerbung und aktive Akquise zur Verfügung noch für die Unterstützung im Vermietprozess. Sogar schon bestehende Programme wie das Belegrechtsprogramm „Soziales Vermieten leicht gemacht“ mussten aufgrund der Haushaltskonsolidierung bis auf Weiteres eingestellt werden.
Jedoch wurde im Rahmen des o.g. Beschlusses die Kooperation mit der mitbauzentrale münchen beauftragt, um Wohnraum für junge Menschen zu gewinnen. Die mitbauzentrale münchen hat in den vergangenen Monaten die Initiative „Zukunftsfähige Einfamilienhäuser“ angestoßen und die damit erforderlichen Kompetenzen aktiviert. An der Initiative beteiligen sich neben der mitbauzentrale münchen die Beratungsstelle Barrierefreiheit der Bayerischen Architektenkammer, die Beratungsstelle Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Bayerischen Architektenkammer, Kompetenzzentrum Barrierefreies Wohnen, Architects for Future, RAUM GENUG Grafrath/ Landkreis FFB. In diesem Kontext hat die mitbauzentrale zum aktuellen Stand ihrer Bemühungen wie folgt Stellung genommen:
„Die mitbauzentrale begrüßt den Antrag, bestehenden Wohnraum besser zu nutzen und insbesondere Potenziale in Einfamilienhäusern, Doppelhaushälften und Reihenhäusern stärker zu aktivieren. In München liegt in diesen Beständen ein relevantes Wohnraumpotenzial. Viele Gebäude werden nur noch von wenigen Personen bewohnt, stehen zeitweise leer oder werden erst zu einem späteren Zeitpunkt saniert, verkauft oder neu entwickelt. Gleichzeitig fehlt es an bezahlbarem Wohnraum. Die mitbauzentrale ist in diesem Themenfeld bereits aktiv geworden. Sie hat den Anstoß für die Initiative „Zukunftsfähige Einfamilienhäuser“ gegeben und gemeinsam mit Akteur*innen aus Beratung, Planung, Fachpraxis und zivilgesellschaftlichen Initiativen begonnen, bestehende Beratungsansätze, Themen und Kompetenzen rund um den Einfamilienhausbestand besser zu verknüpfen. Die Initiative bündelt Fragen zu Teilung, Umbau, Ergänzung, temporärer Nutzung, gemeinschaftlichen Wohnformen, Barrierefreiheit und energetischer Sanierung. Der nächste wirksame Schritt wäre, gemeinsame Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und eine verständliche Kommunikation des vernetzten Beratungsangebots aufzubauen. Parallel dazu koordiniert die mitbauzentrale derzeit den Aufbau des „Netzwerks Junges Wohnen“. Das Netzwerk wird durch Träger der Jugendhilfe gegründet und soll leerstehende oder temporär verfügbare Immobilien mit konkreten Wohnraumbedarfen junger Menschen zusammenbringen. Es orientiert sich unteranderem am Modell objektbezogener Hausvereine, wie es beim Pilotprojekt „Zwischenwohnen“ in der Von-Reuter-Straße mit dem Bewohnis e.V. erprobt wird. Als Anlauf-, Prüf- und Koordinationsstruktur soll das Netzwerk zwischen Eigentümer*innen, Trägern der Jugendhilfe, sozialen Trägern, Nutzergruppen, Fachleuten und Stadt vermitteln. Neben städtischen oder institutionellen Immobilien sollen insbesondere auch private Besitzer*innen von Einfamilienhäusern angesprochen werden, die vor Sanierung, Verkauf, Abriss oder längerfristiger Umstrukturierung stehen. Die beiden Ansätze greifen bestehende Strukturen, Beratungsangebote und fachliche Kompetenzen auf. Sie können damit städtische Ressourcen schonen, weil nicht alles neu aufgebaut werden muss. Wirksam werden sie jedoch nur, wenn die Netzwerke langfristig koordiniert, organisiert und nach außen sichtbar gemacht werden. Damit die ersten Ansätze wirksam werden, müssen sie über einzelne Fachgespräche und Projektideen hinaus verstetigt werden. Zudem müssen Eigentümer*innen auf die Potenziale im eigenen Bestand aufmerksam werden und erkennen, welche Möglichkeiten es für Teilung, Umbau, Vermietung oder temporäre Nutzung gibt. Im aktuellen Auftrag der mitbauzentrale sind die dafür notwendigen Aufgaben nicht abgebildet. Netzwerkpflege, Kooperationen, Öffentlichkeitsarbeit, Informationsformate sowie die Koordination zwischen Fachstellen, Trägern und Stadt können derzeit nicht systematisch geleistet werden. Die bisherigen Aktivitäten erfolgten aus fachlichem Interesse und im Rahmen begrenzter eigener Ressourcen. Die Aktivierung von Wohnraumpotenzialen im Einfamilienhausbestand ist aufwendig. Sie braucht Informations- und Öffentlichkeitsarbeit, geeignete Formate sowie Beratung im Einzelfall. Mit der mitbauzentrale besteht bereits eine zentrale Anlaufstelle, an die angeknüpft werden kann. Ergänzende Koordinationsaufgaben könnten sie zu einer Wohnraumagentur erweitern und bestehende Strukturen sowie vorhandene erste Ansätze stärken. Der zusätzliche finanzielle und personelle Aufwand für die Stadt bliebe überschaubar.“
Aufgrund der fehlenden finanziellen und auch personellen Ressourcen kann das Thema im Sozialreferat leider nicht weiterverfolgt werden.
Ich hoffe, auf Ihr Anliegen hinreichend eingegangen zu sein. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.

Fakten

  • Der Antrag wurde vom Stadtrat am 10.2.2026 abgegeben.
  • Die Initiative „Zukunftsfähige Einfamilienhäuser“ wurde von der mitbauzentrale münchen angestoßen.
  • Das Netzwerk Junges Wohnen wird durch Träger der Jugendhilfe gegründet und soll leerstehende oder temporär verfügbare Immobilien mit konkreten Wohnraumbedarfen junger Menschen zusammenbringen.
  • Die Initiative orientiert sich unter anderem am Modell objektbezogener Hausvereine, wie es beim Pilotprojekt „Zwischenwohnen“ in der Von-Reuter-Straße mit dem Bewohnis e.V. erprobt wird.
  • Das Netzwerk soll zwischen Eigentümer*innen, Trägern der Jugendhilfe, sozialen Trägern, Nutzergruppen, Fachleuten und Stadt vermitteln.
  • Die Initiative bündelt Fragen zu Teilung, Umbau, Ergänzung, temporärer Nutzung, gemeinschaftlichen Wohnformen, Barrierefreiheit und energetischer Sanierung.
  • Die mitbauzentrale münchen hat die Initiative in den vergangenen Monaten aktiviert und die erforderlichen Kompetenzen aktiviert.
  • Das Sozialreferat begrüßt das Konzept, aber es fehlt an finanziellen Mitteln für die Umsetzung.
  • Die Anmietung von privaten Immobilien in nahezu allen Fällen scheitert am viel zu hohen Mietzins.
  • Das Sozialreferat hat bereits temporären Wohnraum für junge Menschen im städtischen Kontext akquiriert und nutzbar gemacht.
  • Die städtische Immobilie in der Von-Reuter-Straße ist eines der erfolgreich umgesetzten Beispiele.
  • München liegt in den Beständen ein relevantes Wohnraumpotenzial, viele Gebäude werden nur noch von wenigen Personen bewohnt und stehen zeitweise leer oder werden erst zu einem späteren Zeitpunkt saniert, verkauft oder neu entwickelt.
  • Es fehlt an bezahlbarem Wohnraum für junge Menschen in München.
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