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Ein Jahrhundert Pflege- und Frauengeschichte gesichert: Stadtarchiv Wiesbaden erschließt historisches Archiv der DRK-Schwesternschaft Oranien

Rotkreuzschwestern gehören zur weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und sind humanitären sowie ethischen Grundsätzen verpflichtet. Sie dienen der Menschlichkeit und helfen unparteilich, neutral und unabhängig. Aufgenommen werden in die Schwesternschaften nur Frauen. In Deutschland existieren 32 Schwesternschaften mit über 20.000 Mitgliedern. Ihre Arbeit fußt auf den Prinzipien der Freiwilligkeit, der Einheit und der Universalität.
Die als eingetragener Verein organisierte Wiesbadener Rotes Kreuz Schwesternschaft zählt heute rund 100 Mitglieder und gehört zum Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V. Die Schwesternschaft betreibt mit dem „Haus der Altenpflege“ ein Pflegeheim mit über 100 Plätzen. Zudem ist sie Trägerin von Wohngemeinschaften für Demenzerkrankte und der Birgit-Jung-Pflegeschule. Dort bildet die Schwesternschaft ihren eigenen Nachwuchs aus. Die Mitglieder der Schwesternschaft arbeiten selbst in diesen Einrichtungen. Doch nicht jedes Personalmitglied muss auch dem Verein angehören.
Die Wiesbadener Schwesternschaft kann auf eine lange Tradition seit 1891 zurückblicken. Die historischen Unterlagen, die diese lange Geschichte erzählen können, wurden nun an das Stadtarchiv Wiesbaden abgegeben. Nach ihrer Erschließung und konservatorischen Behandlung sind sie nun für die Allgemeinheit zugänglich.
Im Frühjahr dieses Jahres hat die Schwesternschaft Oranien auf Initiative ihrer Vorsitzenden Jutta Oehlschlägel ihre historischen Unterlagen an das Stadtarchiv Wiesbaden abgegeben. Das Archiv der Schwesternschaft schlummerte zuvor im Keller des Gebäudes Schöne Aussicht 41, dem „Haus der Altenpflege“, das die Schwesternschaft betreibt. Die von Jutta Oehlschlägel als „Schatz für die Geschichte der Schwesternschaft und der Krankenpflege“ bezeichneten Amtsbücher und Akten wurden in den folgenden Monaten durch Archivarinnen und Archivare des Stadtarchivs neu verpackt, in einer Datenbank erschlossen und im klimatisierten Magazin des Stadtarchivs eingelagert. Unter dem Bestandkürzel V 105 können die historischen Dokumente nun online recherchiert werden.
Der Inhalt des Bestandes, der über 400 Archivalien mit einer Laufzeit seit 1891 umfasst, ist nun online über das Archivinformationssystem „Arcinsys Hessen“ recherchierbar. Jutta Oehlschlägel wäre glücklich, wenn viele Interessierte sich die Unterlagen anschauen: „Ich hoffe, dass diese Unterlagen bald ausgewertet werden und unter anderem die Bedeutung der Schwesternschaft als Bildungseinrichtung für Frauen vor dem Zweiten Weltkrieg erforscht wird“, so die Schwesternschaftsvorsitzende. Auch Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl zeigt sich von dem neuen Archivbestand begeistert: „Die Unterlagen dokumentieren auf eindrückliche Weise das beeindruckende karitative Engagement der Schwesternschaft in Wiesbaden.“ Aus diesem Grunde freue er sich besonders über die Abgabe des Schwesternschaftsarchivs, so der promovierte Historiker Schmehl. Die Unterlagen umfassen u. a. Patienten- und Kranken-Journale aus der Zeit von 1892-1959, die Operationsbücher des Krankenhauses seit 1920, die Hebammen-Tagebücher seit 1910 und die Geburtenbücher der Klinik für die Jahre seit 1984. „Dabei unterliegen diese Dokumente selbstverständlich den strengen Vorschriften des Hessischen Archivgesetzes in Bezug auf Datenschutz“, erklärt Stadtarchivdirektor Dr. Peter Quadflieg. „Erst wenn die entsprechenden Schutzfristen abgelaufen sind, können die Unterlagen frei im Archiv genutzt werden.“
In den übernommenen Unterlagen steckt die gesamte spannende Geschichte der Schwesternschaft, die über 140 Jahre zurückreicht. Im Juni 1885 wurde der „Wiesbadener Verein vom Roten Kreuz“ zum Zweck der „Ausbildung und Verwendung von Krankenpflegerinnen“ gegründet. Dies war notwendig, da im 1879 gegründeten Städtischen Krankenhaus an der Schwalbacher Straße ausgebildete Krankenschwestern fehlten. „Die ersten vier Schwestern wurden schon bald sehr stark gefordert“, berichtet Stadtarchivleiter Peter Quadflieg. „Kurz nach der Gründung des Vereins brach in Wiesbaden eine verheerende Typhus-Epidemie aus, bei der die vier Schwestern das Städtische Krankenhaus unterstützten.“ Auch nach dem Typhusausbruch übernahm der Verein die Krankenpflege im Städtischen Krankenhaus. Ein weiterer Meilenstein der Schwesternschaft war dann 1892 die Einrichtung des eigenen „Rotkreuz-Krankenhauses“ an der Schönen Aussicht. „Das Krankenhaus hatte 42 Betten und eine Krankenpflegeschule. In den folgenden Jahren kamen unter anderem ein Heim für Wöchnerinnen, ein Schwesternwohnheim und das Mutterhaus hinzu“, sagt Oehlschlägel.
Mit der Feier zum 50-jährigen Bestehen im Juni 1935 änderte der Verein seinen Namen in „Deutsches Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V.“. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Verein seine Selbständigkeit bewahrt und keiner der bereits bestehenden Organisationen des Roten Kreuzes angeschlossen. „Dies änderte sich mit dem Reichsgesetz über das Deutsche Rote Kreuz von Dezember 1937“, sagt Archivleiter Quadflieg, „mit diesem Gesetz wurden alle selbständigen Rotkreuz-Organisationen im „Dritten Reich“ aufgelöst. Die Schwesternschaften wurden direkt dem Amt für Schwesternschaften im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin unterstellt.“
Im Zweiten Weltkrieg waren dann mehr als 200 Schwestern und 400 Hilfsschwestern aus Wiesbaden in mobilen Einheiten der Wehrmacht, im Wehrmacht-Sanitätsdienst und in Reservelazaretten in der Heimat eingesetzt. Aus dieser Zeit ist auch eine kleine Sammlung von „Marsch-Befehlen“ an die Wiesbadener Schwestern im Bestand überliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Dezember 1947 die Neugründung der Schwesternschaft unter dem Namen „Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V.“ in Wiesbaden.
In den 1950er Jahren wurde das Rotkreuz-Krankenhaus saniert und ein Erweiterungsbau mit drei modernen Operationssälen, zwei Entbindungssälen, einem Laboratorium und mehreren Büroräumen errichtet. Zahlreiche Wiesbadenerinnen und Wiesbadener erblickten hier das Licht der Welt. „Auch bekannte Ärzte haben hier operiert“, sagt Oehlschlägel. Bis zu seiner Schließung 2005 waren am Krankenhaus Chirurgen, Internisten, Gynäkologen, Hebammen und Krankenpflegeschwestern im Dienst der Schwesternschaft tätig, die unzählige Patienten behandelt und versorgt haben. Mit der Schließung der Klinik konzentrierte sich die Schwesternschaft auf die Pflege von alten Menschen. Eine besondere Initiative war die Einrichtung von Wohngemeinschaften für Demenzkranke, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Personengruppe zugeschnitten sind.
Weiterführende Information zum Stadtarchiv Wiesbaden und dem Bestand V 105 Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V. Wiesbaden erhält man im Internet unter www.wiesbaden.de/stadtarchiv (Öffnet in einem neuen Tab) und unter https://arcinsys.hessen.de/ (Öffnet in einem neuen Tab).
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Herausgeber dieser Pressemitteilung ist das Pressereferat der Landeshauptstadt Wiesbaden, Schlossplatz 6, 65183 Wiesbaden, pressereferatwiesbadende. Bürgerinnen und Bürger können sich bei Fragen an das zuständige Dezernat oder Amt wenden.

Fakten

  • Ein Jahrhundert Pflege- und Frauengeschichte gesichert: Stadtarchiv Wiesbaden erschließt historisches Archiv der DRK-Schwesternschaft Oranien
  • Die Rotkreuzschwestern gehören zur weltweiten Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung und sind humanitären sowie ethischen Grundsätzen verpflichtet.
  • In Deutschland existieren 32 Schwesternschaften mit über 20.000 Mitgliedern.
  • Die Wiesbadener Rotes Kreuz Schwesternschaft zählt heute rund 100 Mitglieder und gehört zum Verband der Schwesternschaften vom Deutschen Roten Kreuz e.V.
  • Die Schwesternschaft betreibt mit dem „Haus der Altenpflege“ ein Pflegeheim mit über 100 Plätzen.
  • Zudem ist sie Trägerin von Wohngemeinschaften für Demenzerkrankte und der Birgit-Jung-Pflegeschule.
  • Die Mitglieder der Schwesternschaft arbeiten selbst in diesen Einrichtungen.
  • Die Wiesbadener Schwesternschaft kann auf eine lange Tradition seit 1891 zurückblicken.
  • Die historischen Unterlagen, die diese lange Geschichte erzählen können, wurden nun an das Stadtarchiv Wiesbaden abgegeben.
  • Nach ihrer Erschließung und konservatorischen Behandlung sind sie nun für die Allgemeinheit zugänglich.
  • Im Frühjahr dieses Jahres hat die Schwesternschaft Oranien auf Initiative ihrer Vorsitzenden Jutta Oehlschlägel ihre historischen Unterlagen an das Stadtarchiv Wiesbaden abgegeben.
  • Das Archiv der Schwesternschaft schlummerte zuvor im Keller des Gebäudes Schöne Aussicht 41, dem „Haus der Altenpflege“, das die Schwesternschaft betreibt.
  • Die von Jutta Oehlschlägel als „Schatz für die Geschichte der Schwesternschaft und der Krankenpflege“ bezeichneten Amtsbücher und Akten wurden in den folgenden Monaten durch Archivarinnen und Archivare des Stadtarchivs neu verpackt, in einer Datenbank erschlossen und im klimatisierten Magazin des Stadtarchivs eingelagert.
  • Unter dem Bestandkürzel V 105 können die historischen Dokumente nun online recherchiert werden.
  • Der Inhalt des Bestandes, der über 400 Archivalien mit einer Laufzeit seit 1891 umfasst, ist nun online über das Archivinformationssystem „Arcinsys Hessen“ recherchierbar.
  • Jutta Oehlschlägel wäre glücklich, wenn viele Interessierte sich die Unterlagen anschauen: „Ich hoffe, dass diese Unterlagen bald ausgewertet werden und unter anderem die Bedeutung der Schwesternschaft als Bildungseinrichtung für Frauen vor dem Zweiten Weltkrieg erforscht wird“, so die Schwesternschaftsvorsitzende.
  • Auch Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl zeigt sich von dem neuen Archivbestand begeistert: „Die Unterlagen dokumentieren auf eindrückliche Weise das beeindruckende karitative Engagement der Schwesternschaft in Wiesbaden.“
  • Die Unterlagen umfassen u. a. Patienten- und Kranken-Journale aus der Zeit von 1892-1959, die Operationsbücher des Krankenhauses seit 1920, die Hebammen-Tagebücher seit 1910 und die Geburtenbücher der Klinik für die Jahre seit 1984.
  • „Dabei unterliegen diese Dokumente selbstverständlich den strengen Vorschriften des Hessischen Archivgesetzes in Bezug auf Datenschutz“, erklärt Stadtarchivdirektor Dr. Peter Quadflieg.
  • Erst wenn die entsprechenden Schutzfristen abgelaufen sind, können die Unterlagen frei im Archiv genutzt werden.
  • In den übernommenen Unterlagen steckt die gesamte spannende Geschichte der Schwesternschaft, die über 140 Jahre zurückreicht.
  • Im Juni 1885 wurde der „Wiesbadener Verein vom Roten Kreuz“ zum Zweck der „Ausbildung und Verwendung von Krankenpflegerinnen“ gegründet.
  • Dies war notwendig, da im 1879 gegründeten Städtischen Krankenhaus an der Schwalbacher Straße ausgebildete Krankenschwestern fehlten.
  • Die ersten vier Schwestern wurden schon bald sehr stark gefordert: Kurz nach der Gründung des Vereins brach in Wiesbaden eine verheerende Typhus-Epidemie aus, bei der die vier Schwestern das Städtische Krankenhaus unterstützten.
  • Auch nach dem Typhusausbruch übernahm der Verein die Krankenpflege im Städtischen Krankenhaus.
  • Ein weiterer Meilenstein der Schwesternschaft war dann 1892 die Einrichtung des eigenen „Rotkreuz-Krankenhauses“ an der Schönen Aussicht.
  • „Das Krankenhaus hatte 42 Betten und eine Krankenpflegeschule. In den folgenden Jahren kamen unter anderem ein Heim für Wöchnerinnen, ein Schwesternwohnheim und das Mutterhaus hinzu“, sagt Oehlschlägel.
  • Mit der Feier zum 50-jährigen Bestehen im Juni 1935 änderte der Verein seinen Namen in „Deutsches Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V.“
  • Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Verein seine Selbständigkeit bewahrt und keiner der bereits bestehenden Organisationen des Roten Kreuzes angeschlossen.
  • „Dies änderte sich mit dem Reichsgesetz über das Deutsche Rote Kreuz von Dezember 1937“, sagt Archivleiter Quadflieg, „mit diesem Gesetz wurden alle selbständigen Rotkreuz-Organisationen im „Dritten Reich“ aufgelöst. Die Schwesternschaften wurden direkt dem Amt für Schwesternschaften im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin unterstellt.“
  • Im Zweiten Weltkrieg waren dann mehr als 200 Schwestern und 400 Hilfsschwestern aus Wiesbaden in mobilen Einheiten der Wehrmacht, im Wehrmacht-Sanitätsdienst und in Reservelazaretten in der Heimat eingesetzt.
  • Aus dieser Zeit ist auch eine kleine Sammlung von „Marsch-Befehlen“ an die Wiesbadener Schwestern im Bestand überliefert.
  • Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte im Dezember 1947 die Neugründung der Schwesternschaft unter dem Namen „Rotes Kreuz Schwesternschaft Oranien e.V.“ in Wiesbaden.
  • In den 1950er Jahren wurde das Rotkreuz-Krankenhaus saniert und ein Erweiterungsbau mit drei modernen Operationssälen, zwei Entbindungssälen, einem Laboratorium und mehreren Büroräumen errichtet.
  • Zahlreiche Wiesbadenerinnen und Wiesbadener erblickten hier das Licht der Welt.
  • „Auch bekannte Ärzte haben hier operiert“, sagt Oehlschlägel.
  • Bis zu seiner Schließung 2005 waren am Krankenhaus Chirurgen, Internisten, Gynäkologen, Hebammen und Krankenpflegeschwestern im Dienst der Schwesternschaft tätig, die unzählige Patienten behandelt und versorgt haben.
  • Mit der Schließung der Klinik konzentrierte sich die Schwesternschaft auf die Pflege von alten Menschen.
  • Eine besondere Initiative war die Einrichtung von Wohngemeinschaften für Demenzkranke, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Personengruppe zugeschnitten sind.
  • Die Schwesternschaft Oranien ist geografisch in der Stadt Wiesbaden ansässig.
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