None

Neuer Ärger: US-Importverbot für humanoide und mobile Roboter

Wir müssen draußen bleiben: Die USA hat für moderne Roboter wie den Aeon im Bild ein defacto Importverbot erlassen.Hill



Auf dem Papier war es ein eher langweiliger Verwaltungsakt. Die Federal Communications Commission (FCC) änderte zum ersten Juli die Zertifizierungsbestimmungen für Roboter. In der Praxis entpuppt sich dieser bürokratische Akt als massive Handelsbarriere: Seit Juli 2026 blockieren die USA damit faktisch den gesamten Import modernster Robotersysteme.



Denn eine Zertifizierung benötigt jeder, der auf dem US-Markt Roboter in den Verkehr bringen will.  Und die neuen Regeln der FCC für diese Zertifizierung haben es in sich: Neue Modelle von mobilen Robotern und humanoiden Systemen werden nur noch dann zertifiziert, wenn sie auf US-Boden hergestellt werden und dabei eine lokale Wertschöpfung von mindestens 65 Prozent aufweisen. Das kommt faktisch einem Importverbot gleich.



Importbann für Roboter



Und es kommt noch schlimmer. Die Definition dessen, was unter den Bann fällt, ist dem VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) zufolge bemerkenswert breit gefasst: Jeder mobile Roboter, der mehr als zwei Kilogramm wiegt und zur Navigation oder Fortbewegung am Boden fähig ist, wird reguliert. Das trifft nicht nur hochmoderne Roboterhunde oder humanoide Helfer, sondern das gesamte Spektrum industrieller und konsumnaher Roboter, die in Fabriken, Lagern, Geschäften oder Restaurants eingesetzt werden.



Dass sich die USA damit selbst ein Bein stellen, da die US-Industrie auch unter Fachkräftemangel leidet und dringend auf Automatisierung angewiesen ist, steht auf einem anderen Blatt. Zumindest werden so modernste Lösungen aus Europa nun blockiert.



Das dürfte vor allem auch europäischen und deutschen Unternehmen nicht schmecken, die in den USA Werke betreiben. Denn in ihren Automatisierungsstrategien setzten die Hersteller auch auf Roboter Made in Europe – wie etwa BMW mit Aeon, Siemens mit HMND 01 Alpha, Bosch oder Schaeffler (ebenfalls Hexagon Aeon). Nicht zu vergessen sind zudem die vielversprechenden deutschen und europäischen Robo-Startups wie Neura Robotics aus Metzingen, Agile Robotics aus München oder Wandercraft in Frankreich.



Technologietransfer erzwingen?



Wer dennoch Zugang zum US-Markt sucht, steht vor einer harten Wahl. Zwar gibt es Ausnahmegenehmigungen, doch diese sind an drakonische Bedingungen geknüpft: Unternehmen müssen nachweisen, dass sie ihre Produktion in die USA verlagern, und zudem umfangreiche, geschützte Informationen über ihre Produkte offenlegen. So warnt der VDMA bereits, dass dieser Druck europäische Unternehmen dazu verleiten wird, Investitionen und Fertigung massiv in die USA abzuziehen, um den Zugang zu diesem Schlüsselmarkt nicht zu verlieren. Zudem vermutet der Verband, dass so quasi ein Technologietransfer erzwungen werden soll. Eine Methode, die deutsche Unternehmen aus China nur allzu bekannt sein dürfte.



Darüber hinaus hat der VDMA noch einen weiteren Verdacht: Die jüngste Verschärfung der Zertifizierungsbestimmungen ist kein isolierter Vorfall, sondern Teil eines strategischen Trends. So weite  die FCC ihre Beschränkungen von einzelnen Herstellern zunehmend auf ganze Produktkategorien aus. Für die europäische Industrie steht damit, so der VDMA, alles auf dem Spiel. Der Maschinen- und Anlagenbau sei mit rund drei Millionen Beschäftigten in der EU-27 – davon 1,2 Millionen in Deutschland – der größte Arbeitgeber unter den Investitionsgüterindustrien und erwirtschafte einen Umsatz von rund 900 Milliarden Euro.



Protektionismus: Europa muss handeln



Angesichts der jüngsten Importbeschränkungen und der damit verbundenen Gefahr für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität Europas erwartet der VDMA von Europas Politikern folgende Punkte:




Diplomatische und rechtliche Intervention:




Die Politik sollte umgehend den Dialog mit den US-Partnern suchen, um eine koordinierte Antwort auf die Maßnahmen zu finden.




Geschlossenes Auftreten auf EU-Ebene:




Der VDMA fordert eine koordinierte Verteidigung europäischer Industrieinteressen auf Ebene der Europäischen Union, um dem US-Protektionismus entschlossen entgegenzutreten.




Stärkung des heimischen Standorts:




Um die technologische Führung nicht zu verlieren, müsse das europäische Robotik-Ökosystem gestärkt werden. Dies soll durch die gezielte Unterstützung von Innovationen, Investitionen, Fertigungskapazitäten und der Kommerzialisierung innerhalb Europas geschehen.




Verhinderung von Investitionsabfluss:




Die Politik muss sicherstellen, dass Europa ein attraktiver Standort für die Entwicklung und Produktion bleibt, um eine Abwanderung von Unternehmen und Kapital (Investment Leakage) in die USA zu verhindern.




Förderung von Kooperation statt Isolation:




Statt auf Handelsbarrieren sollte die Politik auf offene Märkte, faire Wettbewerbsbedingungen und die Stärkung transatlantischer Innovationspartnerschaften setzen.




Fokus auf Cybersicherheit:




Anstatt lokaler Fertigungsquoten empfiehlt der Verband, potenzielle Cybersicherheitsrisiken für kritische Infrastrukturen durch Hersteller aus „unvertrauenswürdigen Staaten“ konsequent auszuschließen. Gemeinsame Sicherheitsstandards und vertrauenswürdige Partnerschaften zwischen Europa und den USA seien hierfür effektiver als Protektionismus.