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Radroute DB-Südumfahrung – Jetzt angehen und Interesse gegenüber der Bahn bekunden

Antrag Stadtrats-Mitglieder Paul Bickelbacher, Mona Fuchs, Nimet Gökmenoglu, Sofie Langmeier, Gudrun Lux, Angelika Pilz-Strasser, Florian Schönemann, Christian Smolka und Sibylle Stöhr (Fraktion Die Grünen – Rosa Liste) vom 26.9.2023
Radroute DB-Südumfahrung – Jetzt angehen und Interesse gegenüber der Bahn bekunden
Antwort Antwort Mobilitätsreferent Georg Dunkel:
Wir bitten die verspätete Beantwortung zu entschuldigen. Die Geschäftsordnungsfrist konnte aufgrund verschiedener, parallel laufender Planungsprojekte (Regionalzughalt Poccistraße, Umnutzung der Braunauer Eisenbahnbrücke, Sanierungs- und Ausbauarbeiten an der DB-Südumfahrung), die die Planung eines bahnparallelen Radwegs direkt beeinflussen, leider nicht eingehalten werden. Wir bedanken uns für die gewährte Fristverlängerung.
In Ihrem oben genannten Antrag fordern Sie eine überschlägige Planung zur Realisierung einer Radroute von der Theresienhöhe bis über die Braunauer Eisenbahnbrücke entlang der Bahnlinie München – Rosenheim. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, teilen wir Ihnen auf diesem Wege zu Ihrem Antrag vom 26.9.2023 Folgendes mit:
Die Idee eines bahnparallelen Radwegs geht zurück bis in die 1980er Jahre. Damals gab es erste Planungen zu einem Radweg entlang des Südrings, der auf Höhe der Dreimühlenstraße mittels einer Rampe auf Straßenniveau herunter geführt und ebenerdig durch die Reifenstuelstraße sowie über das Viehhofgelände verlaufen sollte. Auf dem Viehhofgelände sollte der Radweg erneut mittels Rampe auf Bahnniveau geführt werden und höhenfrei über die Tumblingerstraße verlaufen.
In den letzten Jahren wurde das Thema immer wieder aufgegriffen und bei den entsprechenden Planungen auf die Tagesordnung gebracht. Für eine Realisierung eines Zweirichtungsradwegs sowie eines Fußwegs mit den vorgegebenen Standardmaßen (mindestens 4m Breite für einen Radweg in beide Richtungen plus evtl. Fußweg von 2,50m) ist entsprechend großer Platzbedarf notwendig, der an der angedachten Linienführung nicht immer vorhanden ist. Die folgende Karte zeigt im Überblick die sieben wichtigsten „Engstellen“ im Verlauf:
Abbildung 1: Engstellen in der Planung eines bahnparallelen Radwegs, Quelle: MOReInfoWeb
Das „Herzstück“ des bahnparallelen Radwegs bildet die Braunauer Eisenbahnbrücke (Abbildung 1, Ziffer 1), die den Stadtbezirk 18 mit dem Stadtbezirk 2 verbindet und die Isar quert. Mit Beschluss des Stadtrats vom 29.4.2026 zur Internationalen Bauausstellung Metropolregion München „Räume der Mobilität“ (IBA-M) – Sachstand und weiteres Vorgehen zu den Projekten Donnersbergerbrücke, Braunauer Eisenbahnbrücke und Nord-Süd-Grünverbindung (Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 19449) hat der Münchner Stadtrat die Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung des Projekts „Braunauer Eisenbahnbrücke – Instandsetzung und Umnutzung als Fuß- und Radweg über die Isar“ zur Kenntnis genommen.
Die Ergebnisse der Machbarkeitsuntersuchung sind positiv zu bewerten. Es ist darüber hinaus ein Anschluss an die Isartalstraße geprüft und als möglich erachtet worden (Abbildung 2).
Die Braunauer Eisenbahnbrücke befindet sich in Eigentümerschaft und Baulast der DB Infra GO, mit der für die Umbaumaßnahme eine Nutzungsübergabe vereinbart werden müsste.
Bislang hat die Deutsche Bahn keine dauerhafte Überlassung der Infrastruktur in Aussicht gestellt, sich aber für Gespräche über länger befristete Nutzungsvereinbarungen o.ä. offen gezeigt.
Aufgrund der Haushaltskonsolidierung sowie fehlender Personal- und Sachmittelressourcen sowohl im Mobilitätsreferat wie auch im Baureferat ruhen mit Abschluss der o.a. Machbarkeitsuntersuchung vorerst die Planungsaktivitäten der Stadt.
Abbildung 2: Visualisierung aus der Machbarkeitsuntersuchung „Braunauer Eisenbahnbrücke: Instandsetzung und Umnutzung zu einem Fuß- und Radweg über die Isar“, Quelle: MBS Scweco GmbH
Im weiteren Verlauf Richtung Westen folgt die „Engstelle“ Reifenstuelstraße (Abbildung 1, Ziffer 2). Westlich der Eisenbahnüberführung Dreimühlenstraße wird von der Deutschen Bahn das derzeitige Abstellgleis 1A reaktiviert und zukünftig genutzt (siehe Abbildung 3), womit an dieser Stelle kein Platz für einen Radweg verbleibt. Wie bereits in den früheren Planungen aufgezeigt, wäre zwischen der Isartalstraße und der Dreimühlenstraße eine Rampe im vorhandenen Grünstreifen nach unten zu führen und Radfahrende müssten im Mischverkehr die Reifenstuelstraße nutzen. Würde die Planung aus der Machbarkeitsuntersuchung des Baureferats zur Braunauer Eisenbahnbrücke weiterverfolgt werden, nämlich eine Rampe zur Isartalstraße, müsste der Radverkehr entweder über die Ehrengutstraße im Norden oder die Lagerhausstraße im Süden geführt werden.
Abbildung 2: Engstelle 2a – Reifenstuelstraße, Quelle: DB
Abbildung 3: Engstelle 2b – Reifenstuelstraße, Quelle: DB
Nach Erreichen der Thalkirchner Straße bestünde theoretisch die Möglichkeit über den sogenannten Bananentunnel (Abbildung 1, Ziffer 3) und die dahinterliegende Rampe auf dem Flurstück 10404/5 zwischen dem zu überplanenden Viehhof-Areal und den Bahngleisen eine eigene Rad- und Fußweginfrastruktur zu schaffen bzw. zu reaktivieren (siehe Abbildung 4). Wie aber bereits im Antwortschreiben auf den BA-Antrag Nr. 20-
26/B 06625 (
) dargelegt, bedarf es zur Reaktivierung dieser alten Infrastruktureinrichtungen zunächst einer eigenen Machbarkeitsuntersuchung, die aufgrund der angespannten Haushaltslage derzeit nicht in Auftrag gegeben werden kann.
https://risi.muenchen.de/risi/antrag/detail/8412632
Abbildung 4: Engstelle 3/4 – „Bananentunnel“/Fußgängerbrücke Tumblingerstraße, Quelle: MOReInfoWeb
Die dahinterliegende ehemalige Fußgängerbrücke über die Tumblingerstraße (Abbildung 1, Ziffer 4) wurde im Zuge der Sanierung der Eisenbahnüberführung Tumblingerstraße zurückgebaut und nicht wieder neu errichtet. Ein neues Brückenbauwerk an dieser Stelle würde nach ersten Schätzungen des Baureferats ohne Zugangsbauwerke von bzw. zur Tumblingerstraße Bruttoprojektkosten von etwa 2,5 Mio. bis 3,5 Mio. Euro verursachen. Kosten für Maßnahmen wie Spartenverlegungen, provisorische bauzeitliche Verkehrsumlegungen, Grundstücksbeschaffungen etc. sind darin nicht enthalten.
Darüber hinaus müsste ein Anschluss des Viehhof-Areals, welches frühestens ab 2040 mit Wohnbebauung erschlossen werden soll, an die bestehende Rampe oder die neu zu errichtende Brücke über die Tumblingerstraße erfolgen. Derzeit befinden sich dort denkmalgeschützte Abgrenzungen in Form eines Zauns zur Bahnseite und einer Mauer zur Viehhofseite (siehe Abbildung 5).
Abbildung 5: Rampe zwischen Bananentunnel und Tumblinger Straße, Quelle: MOR
Im weiteren Verlauf könnte die Rad- und Fußwegeverbindung entlang der Feuerwehrzufahrt hinter der Städtischen Berufsfachschule für Kinderpflege verlaufen. Diese weist jedoch lediglich eine Breite zwischen etwa 3m und 3,30m auf und ist damit nach den entsprechenden Richtlinien zu schmal für einen Geh- und Radweg.
Mit der Planung des zweiten Zugangs zum Regionalzughalt (RZH) Poccistraße (Abbildung 1, Ziffer 5) ergibt sich jedoch eine weitere Engstelle im Netz. Die Ergebnisse der Entwurfsplanung werden dem Stadtrat zu gegebener Zeit vorgelegt. Mit Beschluss der Vollversammlung vom 17.12.2025 (Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 17995) wurde das Mobilitätsreferat beauftragt, eine Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat Bayern mit einem Volumen in Höhe von bis zu 6,8 Mio. Euro zu schließen. Die Freigabe zur Ausweitung des Produktkostenbudgets aufgrund von aktuellen Betriebskostenschätzungen der DB wurde mittels Beschlusses der Vollversammlung vom 29.4.2026 erteilt (Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 19581).
Für den Hauptzugang zum RZH Poccistraße (Abbildung 1, Ziffer 6) soll ein etwa 160m langes Trogbauwerk von der Lindwurmstraße, welches eine barrierefreie Erschließung des Bahnsteigs ermöglicht, errichtet werden. Daneben verbleibt eine etwa 3m breite Feuerwehrzufahrt, die an dieser Stelle wiederum zu schmal für einen Geh- und Radweg ist.
Abbildung 6: Engstelle 6 – RZH Poccistraße erster Zugang, Quelle: Schüßler-Plan
Im Zulauf auf die Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße (Abbildung 1, Ziffer 7) ist somit ebenfalls nicht ausreichend Platz vorhanden, um einen Radweg bahnparallel zu planen. Im Rahmen des Projekts „Sanierung Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße“ wurde keine Radverkehrsverbindung vorgesehen.
Abbildung 7: Engstelle 7 – Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße, Quelle: BPR Dr. Schäpertöns Consult
Allein über den beschriebenen Streckenverlauf zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und der Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße zeigen sich entlang der etwa 1,3km Entfernung sieben „Engstellen“, die eine Realisierung eines Radwegs, bestenfalls kombiniert mit einem Fußweg, auf Niveau der Gleisanlagen schwer erscheinen lassen. Zudem müssten zurEntfaltung einer größtmöglichen verkehrlichen Wirksamkeit dieser Verbindung möglichst viele Zu- und Abgänge in Form von Rampen im Stadtgebiet errichtet werden, was sowohl hinsichtlich des Platzbedarfs als auch bezüglich der Kosten eine große Hürde darstellt.
Davon unbenommen ist allerdings der hohe, auch eigenständige mobilitäts- und verkehrsfachliche Mehrwert der Braunauer Eisenbahnbrücke als leistungsfähige zusätzliche Isarquerung für den Fuß- und Radverkehr im Münchner Süden.
Das Mobilitätsreferat wird die Entwicklungen der Braunauer Eisenbahnbrücke daher weiterhin begleiten. Sollte sich hier eine tragfähige Lösung abzeichnen, wird in Abhängigkeit der dann herrschenden finanziellen und sonstigen Randbedingungen entschieden, wie mit dem bahn-parallelen Fuß- und Radweg weiter zu verfahren ist. Derzeit gibt es keine Bekenntnisse der Deutschen Bahn, Flächen an die Landeshauptstadt München zu veräußern.
Das Mobilitätsreferat wird darüber hinaus die Infrastrukturangebote für den Fuß- und Radverkehr neben der bisherigen Route entlang den Gleisen verbessern. So sind in den letzten Jahren im Umgriff der beantragten Maßnahme viele Planungen durchgeführt und zum Teil bereits umgesetzt worden (Fahrradstraßen, REM-Maßnahmen, sonstige Radinfrastrukturmaßnahmen).
Um Kenntnisnahme von den vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Wir gehen davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.

Fakten

  • Die Idee eines bahnparallelen Radwegs geht zurück bis in die 1980er Jahre.
  • Die Braunauer Eisenbahnbrücke befindet sich in Eigentümerschaft und Baulast der DB Infra GO.
  • Die Deutsche Bahn hat keine dauerhafte Überlassung der Infrastruktur in Aussicht gestellt, sich aber für Gespräche über länger befristete Nutzungsvereinbarungen offen gezeigt.
  • Die Haushaltskonsolidierung sowie fehlende Personal- und Sachmittelressourcen ruhen mit Abschluss der Machbarkeitsuntersuchung vorerst die Planungsaktivitäten der Stadt.
  • Die Engstelle Reifenstuelstraße ist eine wichtige Stelle im Verlauf des bahnparallelen Radwegs.
  • Die Tumblingerstraße ist eine weitere wichtige Stelle im Verlauf des bahnparallelen Radwegs, da die dahinterliegende ehemalige Fußgängerbrücke zurückgebaut und nicht wieder neu errichtet wurde.
  • Der Hauptzugang zum RZH Poccistraße soll ein etwa 160m langes Trogbauwerk von der Lindwurmstraße haben, das eine barrierefreie Erschließung des Bahnsteigs ermöglicht.
  • Die Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße ist eine weitere wichtige Stelle im Verlauf des bahnparallelen Radwegs, da sie nicht ausreichend Platz für einen Radweg bietet.
  • Es gibt sieben Engstellen entlang der etwa 1,3km Entfernung zwischen Braunauer Eisenbahnbrücke und der Eisenbahnüberführung Lindwurmstraße, die eine Realisierung eines Radwegs schwer erscheinen lassen.
  • Die Stadt München befindet sich in Bayern, Deutschland.
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