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Aufruf zur Registrierung und Typisierung als Stammzellspender gegen Krebs

Antrag Stadtrats-Mitglieder Sabine Bär, Michael Dzeba, Alexandra Gaßmann und Ulrike Grimm (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) vom 13.2.2026
Aufruf zur Registrierung und Typisierung als Stammzellspender gegen
Krebs
Antwort Gesundheitsreferentin Beatrix Zurek:
Sie beantragen, dass die Verwaltung der Landeshauptstadt München (LHM) prüft,
„wie sich die verschiedenen Typisierungsaktionen für Stammzellspender privater oder gemeinnütziger Initiativen insgesamt besser koordinieren und öffentlichkeitswirksamer gestalten lassen, und ob gegebenenfalls eine jährliche Typisierungsaktion seitens der LHM organisiert beziehungsweise zumindest unter die Schirmherrschaft der Stadt gestellt werden könnte.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt erlaube ich mir, Ihren Antrag vom 13.2.2026 als Brief zu beantworten und teile ich Ihnen Folgendes mit:
Die Stammzelltransplantation ist eine sogenannte kurative Therapieform für verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems, beabsichtigt also eine Ausheilung der Erkrankung. Zu diesen Krebserkrankungen gehören vor allem Leukämien und Lymphome. Sie kann aber auch bei weiteren Bluterkrankungen eingesetzt werden, beispielsweise bei Thalassämien oder der Sichelzellanämie, die beide nicht zu den Krebserkrankungen gehören, sowie bei bestimmten Immundefekten.
Dabei ist zwischen der autologen sowie der allogenen Stammzelltransplantation zu unterscheiden. Bei der autologen Form werden vor einer Chemotherapie bzw. Bestrahlung, welche das blutbildende System schwer schädigen können, gesunde Stammzellen der*des Patientin*Patienten entnommen und zu einem späteren Zeitpunkt wieder transplantiert. Im Gegensatz dazu werden bei der allogenen Form Stammzellen einer weiteren Person gewonnen und transplantiert, die als Spender*in dient.
Hierzu ist es notwendig, dass bestimmte genetische Merkmale zwischen Patient*in und Spender*in übereinstimmen. Da diese genetischen Merkmale aber einer großen Variabilität unterliegen, gestaltet sich die Suche nach geeigneten Spender*innen nicht selten schwierig. Nur etwa 30 Prozent der Patient*innen finden eine geeignete Person im eigenen Verwandtenkreis. Daher besteht bereits seit vielen Jahren die Möglichkeit, sich im Vorfeld als potenzielle*r Spender*in zu registrieren und dabei die relevanten genetischen Merkmale im Rahmen der sogenannten Typisierung bestimmen zu lassen. Ist die Datenbank mit potenziellen Spender*innen ausreichend groß, wird die Suche im Bedarfsfall für eine*n konkrete*n Patientin*Patienten deutlich vereinfacht. Mittlerweile sind in Deutschland über 10 Mio. Spendewillige registriert, weltweit sogar über 41 Mio. Menschen.
Diese bereits große Zahl ist jedoch weiterhin nicht ausreichend, um in allen Bedarfsfällen schnell eine*n geeignete*n Spender*in für alle Patient*innen zu finden. Daher sind immer wieder so genannte Typisierungsaktionen erforderlich. Ein möglicher Grund für individuelle Zurückhaltung könnte dabei in der Annahme liegen, sich als Spender*in stets einem operativen Eingriff unterziehen zu müssen, bei welchem Knochenmark entnommen wird, und der entsprechend mit Schmerzen und Komplikationsrisiken verbunden sein kann. Auch geschieht nicht selten eine begriffliche Verwechslung von Knochenmark und Rückenmark. Daraus kann sich die Befürchtung ergeben, der operative Eingriff finde an der Wirbelsäule statt und berge das Risiko einer Querschnittslähmung, was jedoch nicht der Fall ist.
Während historisch die einzige Möglichkeit einer Stammzellspende tatsächlich in der Knochenmarktransplantation bestand, ist heute in bis zu 90 Prozent der Fälle die Gewinnung von Stammzellen aus dem peripheren Blut mittels sogenannter Apherese möglich. Im Gegensatz zu einer Blutspende wird dabei das gewonnene Blut nicht vollständig verwendet, sondern die Stammzellen daraus in speziellen Apparaten isoliert und die übrigen Blutbestandteile, also das Plasma sowie die reifen Blutzellen, der*dem Spender*in unverändert wieder zurückgeführt. Eine Narkose sowie Entnahmen beispielsweise aus dem Beckenknochen entfallen dabei, sodass die Spende praktisch schmerzfrei ist und eingriffsspezifische Komplikationen minimiert werden. Zuvor ist jedoch die Gabe eines speziellen Hormons notwendig, damit genügend Stammzellen aus dem Knochenmark in das periphere Blut übergehen.
In Deutschland haben sich verschiedene Organisationen das Ziel gesetzt, über die Möglichkeiten der Stammzellspende sowie ihren Ablauf aufzuklären und potenzielle Spender*innen zur Typisierung zu gewinnen. Sie sind im Regelfall an das zentrale Knochenmarkspende-Register angeschlossen. Bei welcher Organisation sich potenzielle Spender*innen registrieren bzw. typisieren lassen, ist daher für eine erfolgreiche Suche unerheblich. Eine der bekanntesten dieser Organisationen ist die Deutsche Knochen-mark-Spenderdatei (DKMS), deren Name durch die historische Notwendigkeit einer Transplantation von Knochenmark bedingt ist.
Das Gesundheitsreferat (GSR) strebt zur Förderung der Registrierung und Typisierung von Spendewilligen für eine Stammzellspende in München eine längerfristige Kooperation mit der DKMS an. Diese wird erstmalig durch eine Teilnahme der DKMS am Tag der Ersten Hilfe begründet, der am 11.7.2026 auf dem Marienplatz stattfindet. Dabei unterhalten GSR und DKMS gemeinsam einen Stand bei der Veranstaltung, an welchem eine Registrierung und Typisierung mittels Wangenschleimhautabstrich vor Ort unkompliziert möglich ist, und auf den über verschiedene Kanäle (z.B. Videoclips auf einem mobilen Bildschirm, vorab Bewerbung u.a. über Social Media) auch vor Ort hingewiesen werden soll.
Darüber hinaus ist die Teilnahme der DKMS am Gesundheitstag Nord des GSR für den 25.9.2026 in Planung. Auch Typisierungsaktionen speziell für städtische Mitarbeitende werden bei verschiedenen Gelegenheiten geprüft. Neben derartigen Aktionen auch in der Zukunft ist ferner geplant, Typisierungsaufrufe vor allem für Patient*innen aus der Region München über die Social-Media-Kanäle des GSR bzw. der LHM zu verbreiten.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.

Fakten

  • Der Antrag wurde vom Stadtratsmitglieder Sabine Bär, Michael Dzeba, Alexandra Gaßmann und Ulrike Grimm (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄHLER) am 13.2.2026 gestellt.
  • Die Stammzelltransplantation ist eine sogenannte kurative Therapieform für verschiedene Krebserkrankungen des blutbildenden Systems.
  • Zu diesen Krebserkrankungen gehören vor allem Leukämien und Lymphome.
  • Die Suche nach geeigneten Spender*innen kann schwierig sein, da die genetischen Merkmale zwischen Patient*in und Spender*in eine große Variabilität unterliegen.
  • In Deutschland sind über 10 Mio. Spendewillige registriert, weltweit sogar über 41 Mio. Menschen.
  • Die Deutsche Knochen-mark-Spenderdatei (DKMS) ist eine der bekanntesten Organisationen, die sich für die Registrierung und Typisierung von Spendewilligen einsetzt.
  • Das Gesundheitsreferat (GSR) strebt zur Förderung der Registrierung und Typisierung von Spendewilligen für eine Stammzellspende in München eine längerfristige Kooperation mit der DKMS an.
  • Die Teilnahme der DKMS am Tag der Ersten Hilfe am 11.7.2026 auf dem Marienplatz ist geplant.
  • Typisierungsaktionen werden auch bei verschiedenen Gelegenheiten für städtische Mitarbeitende und Patient*innen aus der Region München geprüft.
  • Die Typisierungsaufrufe werden vor allem über die Social-Media-Kanäle des GSR bzw. der LHM verbreitet.
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