KI treibt die Data-Breach-Kosten
Künstliche Intelligenz sorgt für noch kostenintensivere Security-Breaches, wie IBMs Kostenreport für 2026 zeigt.amgun | shutterstock.com
Der inzwischen 21. „Cost of a Data Breach“-Report (Download gegen Daten) von IBM bestätigt, was gefühlt schon länger Realität ist: Die Sicherheitsprobleme im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI) nehmen immer größere Ausmaße an – und verursachen steigende Kosten für Unternehmen.
„Wir haben das zunehmend intensive KI-Wettrüsten zwischen Angreifern und Verteidigern erstmals im vergangenen Jahr festgestellt, als die weltweiten Durchschnittskosten für Sicherheitsvorfälle zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie gesunken sind. Die Sicherheitsteams schienen das Blatt zu wenden. Der diesjährige Bericht zeigt jedoch, dass sie bei einigen wichtigen Metriken an Boden verlieren“ eröffnen die IBM-Experten ihren Bericht.
Für die diesjährige Studie kooperierte Big Blue erneut mit dem Ponemon Institute. Dabei wurden insgesamt 602 Unternehmen aus 17 Branchen und 17 Ländern untersucht, die im Zeitraum zwischen März 2025 und Februar 2026 von einem Datenschutzvorfall betroffen waren. Zusätzlich befragten die Studienautoren weltweit mehr als 3.500 Führungskräfte aus diversen Bereichen, darunter CEOs, CISOs sowie Cybersecurity- und Risikomanagement-Experten.
In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die (zentralen) Erkenntnisse der Studie sowie die sich daraus ergebenden Handlungsempfehlungen – und lassen auch einige Analysten und Experten zu Wort kommen.
„Cost of a Data Breach 2026“ – das Wesentliche
Die durchschnittlichen Kosten für einen Data Breach sind weltweit im Vergleich zum Vorjahr um zwölf Prozent gestiegen – auf 4,99 Millionen Dollar. Der Großteil der Kosten entfällt dabei mit 63 Prozent laut den Studienautoren auf Detection und Eskalation sowie entgangene Umsätze.
KI-generierte Attacken haben im Vergleich zu 2025 um satte 56 Prozent zugelegt. Laut IBM und dem Ponemon Institute ziehen Angriffe dieser Art pro Vorfall Mehrkosten von durchschnittlich einer Million Dollar nach sich.
Cyberangriffe, die sich gezielt gegen KI-Modelle und -Applikationen richten, gehören dabei laut der Studie zu den kostspieligsten Vorfällen: Prompt Injection und ähnliche Techniken verursachen demnach durchschnittliche Verluste in Höhe von rund sechs Millionen Dollar.
92 Prozent der Unternehmen, die einen Security Incident in Zusammenhang mit KI gemeldet haben, hatten zuvor keine entsprechenden Zugriffskontrollen eingerichtet. Diese sind der Studie zufolge nur in 40 Prozent der Unternehmen anzutreffen.
Im Hinblick auf Ransomware stellen Erpressungstaktiken, die darauf abzielen, die Marken- oder Unternehmensreputation zu schädigen inzwischen die häufigste Taktik von Cyberkriminellen dar. Sie wurden demnach in 41 Prozent der registrierten Ransomware-Fälle angewendet.
Als Reaktion auf neue Bedrohungen durch Frontier-Modelle wollen 85 Prozent der Unternehmen ihre Security-Budgets erhöhen. Dabei planen 75 Prozent dieser Unternehmen mit KI-Agenten für Alert-Triage, Vulnerability Management und Penetrationstests.
Security-Teams, die KI zu Abwehrzwecken nutzen, senken ihre Breach-Kosten laut den Studienautoren um durchschnittlich 1,93 Millionen Dollar – verglichen mit denen, die das nicht tun. Dabei decken diese Tools allerdings nur in 33 Prozent der Fälle den gesamten Security Lifecycle ab.
Auch beim Blick auf das SOC sehen die Studienautoren verpasste KI-Chancen. So setzen zwar 50 Prozent der Befragten KI-Agenten für Threat Hunting, Reaktion und Eindämmung ein. Aber lediglich 18 Prozent nutzen die Technologie auch, um Sicherheitslücken zu erkennen und zu managen, was laut IBM zur prädiktiven Risikominimierung beitragen könnte.
Interessant ist zudem der Blick auf die Entwicklung der durchschnittlichen Breach-Kosten nach Branchen:
Branche20262025VeränderungGesundheit6,64 Millionen Dollar7,42 Millionen Dollar-11%Finanzen6,29 Millionen Dollar5,56 Millionen Dollar+13%Industrie5,5 Millionen Dollar5 Millionen Dollar+10%Technologie5,5 Millionen Dollar4,79 Millionen Dollar+15%Entertainment5,38 Millionen Dollar4,43 Millionen Dollar+21%Pharma5,25 Millionen Dollar4,61 Millionen Dollar+13%Energie5,24 Millionen Dollar4,83 Millionen Dollar+8%Dienstleistungen5,08 Millionen Dollar4,56 Millionen Dollar+11%Kommunikation4,71 Millionen Dollar3,75 Millionen Dollar+26%Logistik4,5 Millionen Dollar3,98 Millionen Dollar+13%
Was IBM empfiehlt, um gegenzusteuern
Die Studienautoren raten (Sicherheits-)Entscheidern dazu, sich auf vier Ansätze zu verlassen, um zu verhindern, dass Sicherheitsvorfälle auftreten – oder ausarten:
Bei maschineller Geschwindigkeit gleichziehen: Die Experten empfehlen auf (Agentic) AI zu setzen, um schneller handeln zu können. Besonders komme es dabei darauf an, den KI-Einsatz auf alle Aspekte des Security-Betriebs auszuweiten, so die Studienautoren.
Identity Management in die KI-Ära überführen: Laut der IBM-Studie verfügten 92 Prozent der Unternehmen, die von einem KI-bezogenem Breach betroffen waren, nicht über angemessene Zugriffskontrolllen. Um das zu ändern, ist es nach Meinung der Experten nötig, Identity-Systeme grundlegend umzugestalten – insbesondere im Hinblick auf nicht-menschliche Identitäten.
Mehr Kontrolle über souveräne KI realisieren: Wenn Anwenderunternehmen die Kontrolle über KI verlieren, steigen die Security-Risiken. Deshalb raten die IBM-Experten dazu, ein Sicherheitskonzept zu erstellen, das sich über Daten, Anwendungen, Identitäten und Cloud-Umgebungen erstreckt.
Post-Quantum-Bedrohung(en) in Angriff nehmen: Die Studienautoren kritisieren grundlegende Mängel in Sachen Verschlüsselungs- und Kryptografiemanagement. So hätten lediglich 37 Prozent der Breach-Betroffenen sensible Daten verschlüsselt – und nur 34 Prozent verfügen über Kontrollmechanismen, um entsprechende Assets wie Schlüssel und Zertifikate zu schützen. Angesichts des vor der Tür stehenden Quantenzeitalters raten die IBM-Experten (nicht ganz uneigennützig) dazu, sich am besten jetzt mit Post-Quanten-Kryptografie auseinanderzusetzen.
Das raten Security-Experten, um die Breach-Kosten zu senken
Wir haben einige weitere Sicherheitsexperten dazu befragt, welche Maßnahmen sie Unternehmen vor dem Hintergrund der Studienerkenntnisse von IBM dringend ans Herz legen würden.
Kayne McGladrey, Security-Berater, ehemaliger CISO und Senior Member des IEEE, fokussiert in diesem Zusammenhang vor allem die Zugangskontrollen bei KI-Modellen: „Sie sollten Ihre Modelle und APIs wie Kronjuewelen behandeln. Wenn Ihre Datenbanken nicht ohne Identity- und Access Management über das Netz zugänglich sind, warum sollten es dann ihre KI-Modellen sein?“
John-Paul Cunningham, CISO beim Identity-Anbieter Silverfort, betont, dass Verteidiger ebenso wie Angreifer auf Automatisierung setzen müssten – aber mit Bedacht: „KI kann die Geschwindigkeit der Cyberabwehr steigern, aber nur wenn die Organisation von Beginn an für Governance und Accountability sorgt.“
Allie Mellen, Senior Analyst bei Forrester, warnt insbesondere vor einem wesentlichen, nachrangigen Kostentreiber für Data Breaches: „Wenn die Reputation Schaden nimmt, ist das in vielerlei Hinsicht nicht wirklich messbar. Letzten Endes ist das Vertrauen der Kunden allerdings sehr leicht zu brechen und nur sehr schwer wiederaufzubauen.“
Für Bob Dutile, Chief Strategy Officer beim IT-Dienstleister UST Global, kommt es vor allem auf die Reaktionsfähigkeit an: „Eine Schnellere Incident Response ist weiterhin ein klarer Treiber für niedrigere Breach-Kosten. Die schlimmsten Verluste entstehen aus Vorfällen, die über längere Zeit unbemerkt bleiben oder auf die nicht effektiv reagiert wird.“
Mit Material unserer Schwesterpublikation CSOonline.com.
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