Zustände am Alten Südfriedhof
Anfrage Stadtrats-Mitglieder Michael Dzeba, Alexandra Gaßmann, Ulrike Grimm, Dr. Michael Haberland, Hans Hammer, Hans-Peter Mehling, Veronika Mirlach und Rudolf Schabl (Stadtratsfraktion der CSU mit FREIE WÄH-LER) vom 27.1.2026
Zustände am Alten Südfriedhof
Antwort Kreisverwaltungsreferentin Dr. Hanna Sammüller:
Vielen Dank für Ihre Anfrage vom 27.1.2026, in der Sie Folgendes ausführen:
„Die Stadtratsfraktion CSU mit Freie Wähler haben Bürgermails erreicht, in denen von unhaltbaren Zuständen am Alten Südfriedhof die Rede ist. Unter anderem wird von sichtbarem hartem Drogenkonsum, vom öffentlichen Urinieren direkt neben Grabstellen, der generellen Nutzung des Areals als ‚Ersatz-WC‘ und von auffälliger Vermüllung berichtet. Darüber hinaus seien Zelte und Matratzenlager beziehungsweise deren Überreste wahrzunehmen.
Für die Besucherinnen und Besucher des Friedhofes stelle sich durch diese Zustände ein (absolut verständliches) Gefühl des Unwohlseins ein. Laut eines Bürgerschreibens sei die Stadtverwaltung auch schon über diese Beobachtungen informiert worden, ohne dass sich seitdem substanziell etwas an den Umständen geändert habe.
Gerade angesichts der historischen Bedeutung des Südfriedhofes und auch der namhaften Münchner Persönlichkeiten, die hier begraben wurden, wie zum Beispiel Joseph von Fraunhofer, Leo von Klenze oder Wilhelm von Kaulbach, darf eine Verwahrlosung dieses Geländes nicht hingenommen werden.“
Zu den im Einzelnen gestellten Fragen kann ich Ihnen in Abstimmung mit dem Polizeipräsidium München und dem Gesundheitsreferat Folgendes mitteilen:
Frage 1:
Sind der Stadtverwaltung die geschilderten Zustände auf dem Alten Südfriedhof bekannt? Ist die geschilderte Darstellung korrekt?
„Der Alte Südfriedhof dient Angehörigen der Betäubungsmittelszene vorrangig in den Sommermonaten als Konsumort und als Ausweichörtlichkeit vor polizeilichen Kontrollmaßnahmen.Mit der erhöhten polizeilichen Präsenz im Zuge der Task Force-Maßnahmen rund um das Sendlinger Tor verstärkte sich dieser Effekt tendenziell. Insbesondere im Bereich des Zugangs am Stephansbergl sowie am öffentlichen Durchgang zwischen Thalkirchner Straße und Pestalozzistraße auf Höhe Thalkirchner Straße 66 konnten in der Vergangenheit regelmäßig BtM-Utensilien aufgefunden werden.
Antwort des Polizeipräsidiums München:
Die Frage des unerlaubten Campierens hingegen ist gemäß der PI14 unabhängig von der BtM-Problematik zu bewerten. Osteuropäische Obdachlose errichten seit Jahren an wechselnden Örtlichkeiten Matratzen- und Zeltlager. Am Alten Südfriedhof war hier zuletzt der oben beschriebene öffentliche Durchgang betroffen, wo in Kooperation mit der AG Wildes Campieren am 2.2.26 die letzte vorhandene Zeltstätte zwangsgeräumt wurde.“
„Dem Gesundheitsreferat (GSR) sind die geschilderten Zustände bekannt. Die Koordination für Psychiatrie und Suchthilfe erreichten in den vergangenen Jahren vereinzelte Hinweise von Bürger*innen und dem zuständigen Bezirksausschuss zum Konsum von illegalen Drogen im Alten Südfriedhof. Seit 2024 waren dies ca. zehn Hinweise bzw. Beschwerden. Dass im Alten Südfriedhof – wie auch im gesamten Innenstadtbereich – neben Alkohol und Cannabis auch illegale Drogen konsumiert werden, ist zutreffend. Dies ist unter anderem auf das Fehlen eines Drogenkonsumraums in München zurückzuführen.
Antwort des Gesundheitsreferates:
Um Gefährdungen für Friedhofsbesucher*innen durch gebrauchte Spritzen zu vermeiden, wurden von der Friedhofsverwaltung des Eigenbetriebs Friedhöfe und Bestattung München (FBM) bereits vor mehreren Jahren Spritzenabwurfbehälter installiert. Im Jahr 2025 wurden zwei weitere Abwurfbehälter angeschafft. Die Suchthilfekoordination im GSR hat mit dem Projekt „Pumpen-Picker“ in der Trägerschaft von Condrobs e.V. eine regelmäßige Begehung des Friedhofs vereinbart. Die Pumpen-Picker sammeln gebrauchte Spritzen und sonstige Konsumutensilien und entsorgen diese fachgerecht.“
Ende September 2025 hat der Oberbürgermeister die Taskforce Bahnhofsviertel beauftragt, den Schwerpunkt der Arbeit auf das südliche Bahnhofsviertel auszuweiten.
Auf diese Weise soll bereits frühzeitig und im Vorfeld negativen Entwicklungen in diesem stadtplanerisch, gewerblich sowie sozial wichtigen Viertel Münchens entgegengewirkt werden.Nachdem sich die Taskforce zuvor intensiv um das Gebiet rund um den Alten Botanischen Garten gekümmert hat, beschäftigen sich die städtischen Referate sowie die Münchner Polizei unter Federführung des Kreisverwaltungsreferates nun intensiv mit den Belangen südlich des Hauptbahnhofs.
Antwort des Kreisverwaltungsreferates:
Der Fokus der Taskforce liegt unter anderem auf dem Nußbaumpark und seiner Umgebung. Aufgrund der räumlichen Nähe ist es sinnvoll, den Nußbaumpark und den Alten Südfriedhof als miteinander verbundene Bereiche zu betrachten.
Die Maßnahmen, die im Nußbaumpark zur Verbesserung der Situation ergriffen werden, haben auch mittelbare Auswirkungen auf den Alten Südfriedhof. Dies gilt insbesondere für die Thematik Drogen und Obdachlosigkeit. Vor diesem Hintergrund wurden die damit einhergehenden Problemlagen mehrfach in der Taskforce erörtert.
Frage 2:
Stimmt es, dass die Stadtverwaltung über die Zustände vor Ort bereits unterrichtet wurde? Wenn ja, warum wurden offensichtlich noch nicht die richtigen Schritte unternommen, um hier schnell und vor allem endgültig für Abhilfe zu sorgen?
„Am Alten Südfriedhof war hier zuletzt der oben beschriebene öffentliche Durchgang (Anmerkung: Durchgang zwischen Thalkirchner und Pestalozzistraße auf Höhe Thalkirchner Straße 66) betroffen, wo in Kooperation mit der AG Wildes Campieren am 2.2.26 die letzte vorhandene Zeltstätte zwangsgeräumt wurde.
Antwort des Polizeipräsidiums München:
Die Friedhofsverwaltung (…) steht mit der PI 14 im Austausch, um bei erkannten Fehlentwicklungen zeitnah abgestimmte Maßnahmen treffen zu können.“
„Die Stadtverwaltung hat bereits verschiedene Schritte unternommen, um die Situation im Alten Südfriedhof zu verbessern. Neben der regelmäßigen Reinigung, dem Aufstellen von Spritzenabwurfbehältern und dem Einsatz des Pumpen-Picker-Projektes begehen auch die Streetworker für Drogenabhängige (GSR und Condrobs e.V.) den Alten Südfriedhof, soweit es ihre zeitlichen Ressourcen zulassen. Derzeit sind 2,5 VZÄ Streetworker für das gesamte Stadtgebiet zuständig.Im August 2025 fand eine Vor-Ort-Besprechung zum Thema „Illegaler Drogenkonsum und Spritzenfunde im Alten Südfriedhof“ mit Mitarbeitenden der Friedhofsverwaltung, der Suchthilfekoordination im GSR, der Stelle für Allparteiliches Konfliktmanagement AKIM des Sozialreferats und des Pumpen-Picker-Projektes statt. Dabei wurde u.a. ein geeigneter Standort für weitere Spritzenabwurfbehälter gesucht und der Einsatz der Pumpen-Picker besprochen.
Antwort des Gesundheitsreferates:
Sobald dem Eigenbetrieb FBM zudem das Lagern von obdachlosen Menschen bekannt wird, erfolgt die Einbindung des Kreisverwaltungsreferats (KVR), um eine Räumung des Lagers zu koordinieren und zusammen mit der Polizei durchzuführen.“
Tatsächlich war zu beobachten, dass im Alten Südfriedhof Personen nächtigen und ihre Schlafutensilien zurücklassen. Aus diesem Grund wurde die Örtlichkeit bereits mehrfach in der Arbeitsgruppe „Wildes Campieren“, die dem Sozialreferat angegliedert ist, behandelt.
Antwort des Kreisverwaltungsreferates:
An dieser Stelle ist zu betonen, dass bestehende und sich verfestigende Lager konsequent aufgelöst werden. Das Kreisverwaltungsreferat koordiniert die entsprechenden Räumungen. Die letzte Räumung im Alten Südfriedhof fand am 2.2.2026 statt. Nach aktuellen Informationen der Friedhofsverwaltung befinden derzeit keine Obdachlosenlager mehr im Alten Südfriedhof.
Grundsätzliches zum Thema „Wildes Campieren“:
Die stadtweit agierende Arbeitsgruppe hat das Ziel, ein abgestimmtes Vorgehen der städtischen Referate in Zusammenarbeit mit der Münchner Polizei sicherzustellen. Sie plant Beratungs- und Hilfsangebote sowie gegebenenfalls ordnungsrechtliche Maßnahmen.
Es wird darauf geachtet, dass es nicht zu Diskriminierungen oder gar einer Kriminalisierung der betroffenen Personen kommt. Vielmehr steht die Prävention sozialer Notlagen im Vordergrund, im Rahmen eines rechtmäßigen Vollzugs des Ordnungsrechts.
Parallel zur konsequenten Beendigung illegaler Lager erhalten die betroffenen Personen, soweit es möglich und gewünscht ist, Hilfsangebote. Nach geltender Rechtslage bleibt es jedoch den wohnungs- oder obdachlosen Menschen überlassen, ob sie diese Angebote annehmen möchten.
Frage 3:
Was gedenkt die Stadtverwaltung in der Zukunft zu tun, um solche Zustände schnellstmöglich zu beenden und für die Zukunft dauerhaft zu unterbinden?
„Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit wird die PI 14 ihre Präsenz auch am Alten Südfriedhof wieder ausweiten. Auch die Unterstützungskräfte im Rahmen der Task Force-Schwerpunktmaßnahmen werden mit zunehmender Frequentierung des Friedhofs ihren Aufklärungs- und Kontrollauftrag lagebedingt anpassen.“
Antwort des Polizeipräsidiums:
„Aus Sicht der Suchthilfekoordination im GSR führt die Verdrängung bestimmter Gruppen aus dem Alten Botanischen Garten, dem Bahnhofsviertel und aus dem Nußbaumpark zur verstärkten Nutzung anderer öffentlicher Flächen im Innenstadtbereich. So sind die in der Anfrage erwähnten Zelte und Matratzenlager nach Erkenntnissen von Streetwork des GSR einer Gruppe obdachloser Personen zuzuordnen, die ihren Aufenthalt bis vor kurzem im Nußbaumpark hatten und ihren Übernachtungsplatz in den Alten Südfriedhof verlegt haben.
Solange keine Drogenkonsumräume und keine Plätze mit geduldetem Aufenthalt für obdachlose und/oder drogenabhängige Zielgruppen zur Verfügung stehen, werden sich diese Personen im öffentlichen Raum aufhalten und dort auch konsumieren.
Mit einer regelmäßigen Bestreifung des Alten Südfriedhofs durch einen Sicherheitsdienst konnten in den Jahren 2019-2020 positive Erfahrungen gesammelt werden. Die Maßnahme konnte jedoch aufgrund fehlender Ressourcen nicht fortgeführt werden.“
Antwort des Gesundheitsreferates:
Der Münchner Stadtrat hat im KVA am 3.2.2026 und in seiner Vollversammlung am 4.2.2026 die ganzheitliche Herangehensweise der Taskforce im südlichen Bahnhofsviertel befürwortet (vgl. Sitzungsvorlage Nr. 20-26/V 18797, „Taskforce Bahnhofsviertel – Maßnahmen zur Verbesserung des Sicherheitsgefühls und Förderung der Aufenthaltsqualität“).
Antwort des Kreisverwaltungsreferates:
Wie auch aus der oben genannten Beschlussvorlage hervorgeht, erfordert die Umgestaltung einer von Drogenkonsum geprägten Örtlichkeit einen integrativen Ansatz, der soziale Hilfsangebote mit städtebaulichen Maßnahmen und einer Stärkung der sozialen Kontrolle verbindet und gleichzeitig sicherheitsrechtliche Maßnahmen der Polizei und des KommunalenAußendienstes mit einbezieht. Aus diesem Grund findet kontinuierlich ein interdisziplinärer Austausch mit den beteiligten Akteur*innen statt. Ziel ist, die Maßnahmemöglichkeiten aller Beteiligten zu koordinieren und die Situation für alle Nutzergruppen auch im Alten Südfriedhof nachhaltig zu verbessern.
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Der Alte Südfriedhof dient Angehörigen der Betäubungsmittelszene vorrangig in den Sommermonaten als Konsumort und als Ausweichörtlichkeit vor polizeilichen Kontrollmaßnahmen.
- Die Stadtverwaltung hat bereits verschiedene Schritte unternommen, um die Situation im Alten Südfriedhof zu verbessern.
- Die regelmäßige Reinigung, das Aufstellen von Spritzenabwurfbehältern und der Einsatz des Pumpen-Picker-Projektes begehen auch die Streetworker für Drogenabhängige (GSR und Condrobs e.V.) den Alten Südfriedhof.
- Die Stadtverwaltung hat im KVA am 3.2.2026 und in seiner Vollversammlung am 4.2.2026 die ganzheitliche Herangehensweise der Taskforce im südlichen Bahnhofsviertel befürwortet.
- Die Umgestaltung einer von Drogenkonsum geprägten Örtlichkeit erfordert einen integrativen Ansatz, der soziale Hilfsangebote mit städtebaulichen Maßnahmen und einer Stärkung der sozialen Kontrolle verbindet.
- Die Stadtverwaltung plant, die PI 14 ihre Präsenz auch am Alten Südfriedhof wieder auszuweiten.
- Die Suchthilfekoordination im GSR führt die Verdrängung bestimmter Gruppen aus dem Alten Botanischen Garten, dem Bahnhofsviertel und aus dem Nußbaumpark zur verstärkten Nutzung anderer öffentlicher Flächen im Innenstadtbereich.
- Die Stadtverwaltung befindet derzeit keine Obdachlosenlager mehr im Alten Südfriedhof.
- Die stadtweit agierende Arbeitsgruppe hat das Ziel, ein abgestimmtes Vorgehen der städtischen Referate in Zusammenarbeit mit der Münchner Polizei sicherzustellen.
- Die Stadtverwaltung plant, die Situation im Alten Südfriedhof schnellstmöglich zu beenden und für die Zukunft dauerhaft zu unterbinden.
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