None

Apples Bug-Bounty-Programm ertrinkt im AI Slop

Bug-Bounty-Programme locken mit Millionen-Prämien für schwerwiegende Schwachstellen viele Einsendungen an.robert coolen – Shutterstock



Apple sieht sich mit einem unerwarteten Problem konfrontiert: Das Unternehmen erhält derzeit so viele KI-generierte Sicherheitsmeldungen, dass Hinweise auf wichtige Schwachstellen darin unterzugehen drohen. Als Reaktion hat Apple nun die Anzahl der Bug-Reports begrenzt, die Sicherheitsforscher innerhalb eines bestimmten Zeitraums einreichen können. Einsender, die wiederholt KI-generierte Berichte einreichen, riskieren eine 180-tägige Strafe, bei mehr als zwei solcher Strafen folgt ein dauerhafter Ausschluss.



Wenn KI zum Problem wird



Künstliche Intelligenz (KI) soll die Arbeit von Sicherheitsforschern erleichtern. Tatsächlich können moderne KI-Tools Software nach Schwachstellen durchsuchen und potenzielle Fehler deutlich schneller finden als früher.



Doch genau diese Effizienz hat eine Schattenseite. Viele Forscher lassen die KI große Mengen möglicher Sicherheitslücken identifizieren und melden anschließend sämtliche Ergebnisse an Apple – unabhängig davon, ob es sich um echte, neue oder bereits bekannte Probleme handelt. Das Ergebnis: Die Sicherheitsteams werden mit einer Flut von Meldungen überhäuft, von denen viele doppelt, belanglos oder bereits behoben sind.



Dadurch steigt der Aufwand erheblich, die wenigen wirklich kritischen Schwachstellen herauszufiltern.



Die Kosten guter Absichten



Allerdings hat Apple das Problem auch mitverschuldet – durch die Entscheidung, die maximale Prämie für die Meldung kritischer Sicherheitslücken (Exploits) auf zwei Millionen Dollar anzuheben. Durch Boni (Lockdown-Mode-Bypässe, Beta-Software) kann sie auf über fünf Millionen Dollar steigen. Seit dem Start seines Bug-Bounty-Programms hat Apple bereits mehr als 35 Millionen Dollar an rund 800 Sicherheitsforscher ausgezahlt.



Wie die Financial Times berichtet (Paywall), bezogen sich viele der eingereichten Meldungen auf identische Fehler, bereits behobene oder auch nur triviale Probleme. Dadurch konnten die wirklich gravierenden Schwachstellen nur unter erschwerten Bedingungen und langsam identifiziert werden. Die Lage spitzte sich derart zu, dass das Unternehmen im Juni beschloss, die oben genannten Beschränkungen einzuführen.



Ganz starr ist das System allerdings nicht: Da Apple schon lange mit der Security-Community zusammenarbeitet, kennt das Unternehmen bestimmte Forschungsteams gut. Vertrauenswürdige Gruppen können daher eine höhere Quote eingeräumt bekommen. Zudem setzt Apple eigene KI-Systeme ein, um eingehende Meldungen automatisch zu sortieren sowie AI-Slop, also KI-generierten Datenmüll, zu erkennen und auszusortieren.



Wenn wichtige Meldungen blockiert werden



Das System der Kalifornier hat jedoch auch Schwächen, so der Bericht der Financial Times weiter: So habe das italienische Security-Startup Bynario vergeblich versucht, eine Privilege-Escalation-Kette zu melden, die es Angreifern ermöglicht, die vollständige Kontrolle über einen Mac zu erlangen. Da die Italiener 2025 und 2026 aber insgesamt 13 Reports eingereicht und damit die Obergrenze bereits ausgeschöpft hatten, nahm Apple die Meldung nicht mehr an.



Auch einen zweiten Fehler, den die Italiener separat melden wollten, konnten sie aufgrund des erschöpften Limits nicht einreichen. Hierbei handelt es sich um eine Schwachstelle in der macOS-Bildschirmfreigabe, die es einem authentifizierten VNC-Viewer erlaubt, auf geschützte Daten zuzugreifen und Dateien mit Root-Rechten zu erstellen. Erfolgreiche Angreifer können damit dann beliebige Befehle auf den infizierten Geräten ausführen.



Apple klassifizierte sie später als CVE-2026-43760 und hat sie am 27. Juli auch gepatcht. Zusätzlich nahm Apple nach dem Bericht der Financial Times Kontakt mit Bynario auf.



Kein reines Apple-Problem



Das Problem betrifft nicht nur Apple, sondern auch Sicherheitsteams auf anderen Plattformen. Rafe Pilling, Senior Director Threat Intelligence bei Sophos, erklärte gegenüber der Financial Times, dass branchenweite Bug-Bounty-Programme ihren Schwerpunkt verlagern mussten: Weg von der Suche nach Schwachstellen hin zur Überprüfung entsprechender Meldungen – und zwar „in Maschinengeschwindigkeit“.



Das passt zu den Aussagen vom Jamf-Sicherheitsexperten Adam Boynton, der den Einsatz von KI im Sicherheitsbereich in einem anderen Computerworld-Artikel  als „ein Wettrüsten zwischen Verteidigern und Angreifern“ bezeichnete, da „beide zunehmend auf dieselben Arten von Tools zurückgreifen“.



Was die Plattformsicherheit betrifft, hat KI möglicherweise eine neue Komplexitätsebene in ein ohnehin schon komplexes Umfeld eingebracht. Es bleibt zu hoffen, dass echte Bedrohungen auch künftig rasch erkannt werden, sobald sie auftreten, anstatt fälschlicherweise als Slop abgetan zu werden. (tf)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computerworld.com erschienen.