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ADE sticht IDE

Agentic Development erfordert neue, moderne Entwickler-Tools.Gorodenkoff | shutterstock.com



40 Jahre lang drehte sich in Sachen Tools für die Softwareentwicklung alles um die integrierte Entwicklungsumgebung – kurz IDE. Sie wurde vor allem durch die Borland Software Corporation massentauglich gemacht und revolutionierte die Entwicklungsarbeit, indem sie Editor, Compiler und Debugger zu einer Einheit verschmolz. Tools wie Turbo Pascal (das ich bis heute verehre) stellten für Devs in den 1980er Jahren insofern eine echte Revolution dar.



Knapp ein halbes Jahrhundert später ist der kometenhafte Aufstieg von Agentic Development dabei, der Vorherrschaft der IDE ein jähes Ende zu setzen. Es wird immer deutlicher, dass die integrierte Entwicklungsumgebung zunehmend aufs Abstellgleis gerät: Entwickler nutzen sie immer seltener – und widmen sich stattdessen anderen Tasks. Zum Beispiel managen sie die KI-Agenten, die heute für sie den Code schreiben.



Der Umschwung verläuft dabei rasant: Noch vor wenigen Monaten habe ich selbst mit Unterstützung eines KI-Agenten in meiner IDE gearbeitet. Dabei durfte ich schnell feststellen, dass das – je nach Anzahl der eingesetzten Agenten und der zu bearbeitenden Tasks – schnell ziemlich unübersichtlich wird oder driftet direkt ins Chaos abdriftet.



An dieser Stelle wurde auch mir klar, dass Entwickler, die mit KI-Agenten arbeiten, ein Next-Generation-Tool benötigen, um alle Agentic-Development-Aspekte ordentlich managen zu können – ein Agentic Development Environment (ADE).



Die IDE stirbt – lang lebe die ADE



Auf meinem Weg zu dieser Erkenntnis war vor allem ein weitgehend unbekanntes und ungenutztes Feature von Git bedeutsam – Worktrees. Damit lassen sich mehrere Zweige desselben Repository aus einer einzigen Git-Datenbank in verschiedene Verzeichnisse auschecken. Diese Funktion eignet sich in besonderem Maße für die neue Agentic-Development-Welt.



Traditionellerweise würde ein Entwickler jeweils ein Ticket bearbeiten, wofür ein simpler Git-Checkout ausreicht. Das setzt allerdings die Annahme voraus, dass nur ein Akteur, nämlich der Dev, an der Codebasis arbeitet.



Im Zeitalter der KI-Agenten ist es jedoch längst nicht mehr undenkbar, dass diese parallel an drei Jira-Tickets werkeln. In diesem Szenario werden Worktrees zum Enabler: Sie weisen jedem Entwickler – respektive Agenten – einen eigenen Zweig und ein eigenes Verzeichnis zu. Quasi eine Art simple Isolierung ohne den ganzen Overhead, der entsteht, wenn separate Repository-Instanzen geklont und geforkt werden müssen.



Allerdings wirft der Aufwand, der durch die Kombination von Worktrees und KI-Agenten entsteht, Herausforderungen auf. Und genau an dieser Stelle kommt die ADE ins Spiel. Sie koordiniert und managt sämtliche Vorgänge, wenn mehrere Coding-Agenten an verschiedenen Issues innerhalb mehrerer Repository-Zweige arbeiten sollen.



Entwickler befähigt das zu mühelosem Multitasking – und dazu, viele Tasks zeitgleich im Blick zu behalten. Um die Logistik um Worktrees herum müssen sie sich mit einer ADE nicht mehr kümmern. Stattdessen können sie ihre Zeit nutzen, um die Agenten zu steuern und sicherzustellen, dass diese ihre Aufgaben korrekt erledigen.



Der Abschied von der IDE mag für manchen Dev emotional sein. Aber wahrscheinlich müssen auch wehmütige Entwickler zugeben, dass sie ihre IDE inzwischen gar nicht mehr so oft einsetzen. Und wer mit Agenten arbeitet, wird sie künftig auch nicht vermissen. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Infoworld.com erschienen.