Ehrenamtliche Vormünder gesucht
Nicht jedes Kind kann von seinen Eltern vertreten werden. Wenn das Familiengericht einen Vormund bestellt, übernehmen diese Aufgabe häufig Mitarbeitende des Jugendamtes. Doch auch ehrenamtliche Vormünder können Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg begleiten.
Warum dieses Ehrenamt so wichtig ist, welche Aufgaben dazugehören und wie Interessierte unterstützt werden, erklärt Marina Horn aus dem Jugendamt des Landkreises Mittelsachsen.
Warum werden überhaupt ehrenamtliche Vormünder gesucht?
„Nicht alle Kinder können von ihren Eltern vertreten werden. Können Eltern das Sorgerecht nicht ausüben oder dürfen sie es nicht wahrnehmen, bestellt das Familiengericht einen Vormund. Diese Aufgabe übernehmen häufig Mitarbeitende des Jugendamtes. Ehrenamtliche Vormünder können einem Kind jedoch oft mehr persönliche Zeit und individuelle Aufmerksamkeit schenken. Zudem sieht das Vormundschaftsrecht seit der Reform ausdrücklich vor, dass eine ehrenamtliche Vormundschaft vorrangig geprüft werden soll.“
Für welche Kinder wird ein Vormund benötigt?
„Einen Vormund benötigen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, deren Eltern das Sorgerecht nicht ausüben können − etwa weil sie unbekannten Aufenthalts sind oder andere schwerwiegende Gründe vorliegen. Auch Kinder, die adoptiert werden sollen, benötigen beispielsweise einen Vormund.“
Muss man dafür besondere Voraussetzungen mitbringen?
„Voraussetzung ist, dass Interessierte volljährig und geschäftsfähig sind. Ob jemand für die Aufgabe geeignet ist, entscheidet letztlich das Familiengericht. Berufliche Erfahrungen oder eigene Kinder können hilfreich sein, sind aber keine Bedingung. Wichtiger sind Verantwortungsbewusstsein, Einfühlungsvermögen sowie die Bereitschaft, offen mit Jugendamt, Gerichten und weiteren Beteiligten zusammenzuarbeiten.“
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
„Zu Beginn kann eine Vormundschaft etwa vier bis fünf Stunden pro Woche in Anspruch nehmen. Nach einer Eingewöhnungsphase von rund drei Monaten reduziert sich der Aufwand meist auf etwa zwei Stunden wöchentlich. Wie viel Zeit tatsächlich benötigt wird, hängt jedoch immer von der individuellen Situation des Kindes ab. Gesetzlich vorgesehen ist mindestens ein persönlicher Besuch pro Monat im gewohnten Lebensumfeld des Kindes.“
Welche Aufgaben übernimmt ein Vormund – und welche nicht?
„Ein Vormund vertritt das Kind in allen rechtlichen Angelegenheiten, trifft wichtige Entscheidungen zur Gesundheit, Schule oder Ausbildung und begleitet das Kind bei wichtigen Entwicklungsschritten. Dabei achtet er darauf, dass die Rechte und Interessen des Kindes gewahrt werden. Gleichzeitig baut er eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind auf, hört zu und setzt sich für dessen Interessen ein. Nicht zu den Aufgaben gehören hingegen die tägliche Betreuung oder Erziehung. Dies übernehmen beispielsweise Pflegefamilien oder Einrichtungen, in denen das Kind lebt.“
Wie werden ehrenamtliche Vormünder unterstützt?
„Im Jugendamt des Landratsamtes Mittelsachsen begleitet die Koordinierungsstelle ehrenamtliche Vormünder von Beginn an. Bereits bei der Anbahnung einer möglichen Vormundschaft erhalten Interessierte individuelle Beratung. Auch während der laufenden Vormundschaft stehen die Mitarbeitenden bei Fragen und Herausforderungen unterstützend zur Seite. Da jede Vormundschaft anders ist, setzt das Jugendamt bewusst auf persönliche Begleitung statt auf allgemeine Schulungen.“
Gibt es ein Beispiel, das zeigt, wie viel ein Vormund bewirken kann?
„Ein Jugendlicher kommt ohne seine Eltern nach Deutschland. Er kennt weder das Schulsystem noch die Behörden und fühlt sich zunächst orientierungslos. Seine ehrenamtliche Vormundin begleitet ihn zu wichtigen Terminen, unterstützt ihn bei der Schulwahl, hilft im Umgang mit Behörden und hat immer ein offenes Ohr für seine Sorgen. Mit ihrer Unterstützung findet er einen Ausbildungsplatz, knüpft soziale Kontakte und gewinnt zunehmend Selbstvertrauen. Dieses Beispiel zeigt, wie wertvoll eine verlässliche Bezugsperson für die Entwicklung und Zukunft eines jungen Menschen sein kann.“
Wo kann ich mich beraten lassen?
„Wer sich für dieses verantwortungsvolle Ehrenamt interessiert, kann sich unverbindlich an das Jugendamt des Landratsamtes Mittelsachsen wenden. Die Koordinierungsstelle informiert über die Voraussetzungen, beantwortet Fragen und begleitet Interessierte auf dem Weg in die ehrenamtliche Vormundschaft. Außerdem gibt es einen Informationsabend am
20. August um 17:00 Uhr
im
Landratsamt in Döbeln in der Bahnhofstraße 22. Zu erreichen ist die Koordinierungsstelle unter Telefon 03731 799-6248. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.“
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