Der Mann hinter der Idee: Verleger Georg Joachim Göschen und die Gründung der Grimmaer Sparkasse
In dem von Georg Joachim Göschen (1752-1828) herausgebenden Grimmaer Wochenblatt Nr. 11 vom 18. März 1826 veröffentlichte der Stadtrat von Grimma die „Ankündigung einer für die Stadt Grimma zu eröffnenden Spar- und Leih-Casse“. Die Errichtung dieser gemeinnützigen Einrichtung verdankt Grimma vor allem Göschen und dem Verein „Heiterkeit“, den Göschen im Winter 1814/15 mit zwanzig befreundeten Männern gegründet hatte.
Aus der Ankündigung geht hervor, dass die Sparkasse kein städtisches, sondern ein gemeinsames Unternehmen von Privatleuten und nicht für wohlhabende, sondern für weniger verdienende Bürger gedacht war, um ihnen die Zukunftssicherung zu erleichtern.
"Dieses gemeinnützige Projekt hatte eine etwas längere Vorgeschichte."
Um die durch die Kriegsereignisse von 1806 bis 1813 und die napoleonische Fremdherrschaft stark zerrütteten Finanzen in Sachsen wiederherstellen und das Elend der Bevölkerung lindern zu helfen, beantragten die sächsischen Landstände am 6. Juni 1821 die allgemeine Einführung von Sparkassen. Deshalb wurde am 19. April 1822 auch der Grimmaer Stadtrat aufgefordert, die Gründung einer Sparkasse zu erwägen, die Bedingungen dafür zu prüfen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Doch die Mehrheit der Ratsherren war nicht gewillt, die Verantwortung für eine derartige Einrichtung zu übernehmen. Da aber Bürgermeister Caspar Gottfried Füllkruß die Nützlichkeit einer Sparkasse erkannt hatte, die Gründung mit städtischen Mitteln jedoch gescheitert war, suchte er auf anderem Wege zum Ziel zukommen, und zwar mit Hilfe der Gesellschaft „Heiterkeit''. Bei der Zusammenkunft dieser Gesellschafft am 18. Dezember 1824 trug er den Mitgliedern eine Idee vor, in Grimma eine Sparkasse mit privaten Geldmitteln zu gründen, und stieß damit auf die Zustimmung der Mehrheit.
Bürgermeister leitete die Sparkasse
Man kam überein, mit der Sparkasse auch eine Leihkasse zu verbinden, die Kredite für Unternehmen oder Anschaffungen gewähren sollte. Bereits einen Monat später wurde die Satzung aufgestellt und dem Stadtrat zur Begutachtung und zur Weiterleitung an die Landesregierung übergeben, die das Vorhaben am 6. Juni 1825 genehmigte. Die Vereinsmitglieder verpflichteten sich, die Sparkassengeschäfte unentgeltlich zu führen und für die Sicherheit der Gelder zu haften. Zum Vorsitzenden wurde Bürgermeister Füllkruß gewählt, der das Amt bis zu seinem Tode 1853 innehatte. Er leitete die Sparkasse und verwahrte die Gelder, während abwechselnd zwei Mitglieder dienstags und donnerstags von 14.00 bis 16.00 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses die Ein- und Auszahlungen sowie die Eintragungen in die Sparbücher vornahmen. Um einen finanziellen Fonds für die Verzinsung der Spareinlagen zu schaffen, zahlte Göschen jährlich 60 Taler ohne Gegenleistung ein, jedes andere Mitglied 4 Taler. Göschen lieferte außerdem die Geschäfts- und Sparbücher und ließ die Bekanntmachungen der Sparkasse in seiner Zeitung drucken, und das alles kostenlos, so dass vor allem durch uneigennützige Unterstützung keine Anfangsschwierigkeiten auftraten. Die Gründer der Sparkasse nannten sich von nun an „Sparkassenverein". Auch zwei Söhne Göschens wurden Mitglieder des Vereins.
Die erste Sparkasse Grimmas befand sich ab 1826 im historischem Rathaus auf dem Markt (Bild um 1850).
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Grimmaer Wochenblatt - Veröffentlichung Eröffnung Sparkasse, 18.3.1826
© Archiv
Grimmas Sparkasse war die Fünfte in Sachsen
Am 18. März 1826 erschien in Göschens Zeitung die eingangsgenannte Ankündigung, und am 2. April wurde dann nochmals auf die bevorstehende Eröffnung der Sparkasse am 11. April hingewiesen. Nach den Sparkassen in Dresden (1821), Freiberg (1823), Zittau (1825) und Leipzig (1826) war die Grimmaer Sparkasse die fünfte Sparkasse in Sachsen. War sie zunächst nur als Versuch gedacht, so erwies sich das Unternehmen als immer erfolgreicher. Ende 1830 verfügte die Sparkasse über 13.352 Taler und 264 Sparbücher, ein beachtliches Ergebnis für eine Kleinstadt von damals 3.700 Einwohnern. Da lebte Göschen aber nicht mehr, er war am 5. April 1828 gestorben.
Die Gründung der Grimmaer Sparkasse, in die Göschen viel Arbeit, Zelt und Geld investiert hatte, ohne irgendeinen Vorteil daraus zu ziehen, war ein Teil seiner Lebensleistung. Göschens Bedeutung für Grimma kann nicht hoch genug eingeschätzt werden.
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Fakten
- Der Verleger Georg Joachim Göschen (1752-1828) ist der Mann hinter der Idee zur Gründung der Grimmaer Sparkasse.
- Die Grimmaer Sparkasse wurde am 18. März 1826 gegründet.
- Die Sparkasse war ein gemeinnütziges Unternehmen, das für weniger verdienende Bürger gedacht war.
- Die sächsischen Landstände beantragten am 6. Juni 1821 die allgemeine Einführung von Sparkassen.
- Der Grimmaer Stadtrat wurde am 19. April 1822 aufgefordert, die Gründung einer Sparkasse zu erwägen.
- Bürgermeister Caspar Gottfried Füllkruß suchte auf anderem Wege zum Ziel, nachdem die Mehrheit des Stadtrats nicht gewillt war, die Verantwortung für eine Sparkasse zu übernehmen.
- Die Grimmaer Sparkasse befand sich ab 1826 im historischem Rathaus auf dem Markt in Grimma.
- Die erste Sparkasse Grimmas war die fünfte in Sachsen.
- Die Grimmaer Sparkasse verfügte Ende 1830 über 13.352 Taler und 264 Sparbücher.
- Göschen investierte viel Arbeit, Zelt und Geld in die Gründung der Grimmaer Sparkasse, ohne irgendeinen Vorteil daraus zu ziehen.
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