Netto erhält weltweit ersten Supermarkt aus dem 3D-Drucker
Im Schwarzwald entsteht der weltweit erste Supermarkt aus dem 3D-Drucker.
Aleksej Keksel
In der beschaulichen Gemeinde Neubulach im Nordschwarzwald nähe Calw wird derzeit Bau- und Digitalgeschichte geschrieben. Denn hier findet eine Weltpremiere statt: Es entsteht der weltweit erste Supermarkt aus dem 3D-Betondrucker. Mieter wird der Discounter Netto.
Mit einer Grundfläche von rund 1.700 Quadratmetern und einer gedruckten Wandfläche von über 1.300 Quadratmetern setzt das Projekt neue Maßstäbe für den industriellen Einsatz automatisierter Bauverfahren. Wo früher Maurer Stein auf Stein setzten, ziehen heute zwei mobile Instatiq P1 Roboter (Progress One) präzise ihre Bahnen.
Roboter statt Kelle und Mörtel
Die Maschinen spritzen den Beton Schicht für Schicht übereinander, bis Wände mit einer Höhe von bis zu sieben Metern entstehen. Dabei können die Roboter auf der Baustelle flexibel umgesetzt und neu positioniert werden. Das ermöglicht den Bau großflächiger Gewerbeimmobilien in Rekordzeit.
So wurde der gesamte Wandrohbau inklusive aller baulichen Schnittstellen in nur etwa vier Wochen realisiert. „Mit dem ersten gedruckten Supermarkt zeigen wir, dass 3D-Druck im realen Gewerbebau angekommen ist“, erklärt Markus Schilling von Instatiq. Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass der 3D-Druck nicht länger nur für kleine Pilotprojekte oder Wohnhäuser reserviert ist. Für Optimisten stellt er gar eine wirtschaftlich relevante Alternative für den großflächigen Handel dar.
Grüner Beton
Während die Druckroboter die Hauptarbeit an den Wänden leisten, wird die Konstruktion durch konventionelle Bauteile wie Stützen und Ringbalken ergänzt. Diese Verzahnung von digitaler Bauvorbereitung und klassischem Rohbau war eine der Herausforderungen, die durch die Zusammenarbeit von Firmen wie Nelcon und der Köhler Bauunternehmung gemeistert wurde.
Schicht für Schicht werden die Wände aus fast CO₂-neutralem Beton gedruckt.Aleksej Keksel
Doch nicht nur die Technik ist revolutionär, sondern auch das Material. Zum ersten Mal wird bei einem solchen Großprojekt der Near-Zero-Zement evoZero von Heidelberg Materials eingesetzt. Dieser Zement basiert auf der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Dabei wird das CO₂ direkt im Werk im norwegischen Brevik abgeschieden und anschließend dauerhaft im Meeresboden gespeichert.
Nachhaltiger Gewerbebau
Das Ergebnis ist ein 3D-Druckbeton, der signifikant weniger CO₂ verursacht, ohne dass die Rezeptur oder die technischen Eigenschaften – wie Pumpfähigkeit und Formstabilität – verändert wurden. Matthias Fischer von Heidelberg Materials betont denn auch: „Hier kommen zwei zukunftsweisende Ansätze unter realen Bedingungen zusammen: innovative Materialien und neue Bauverfahren.“
Hinter dem Projekt steht ein breites Partnernetzwerk. Bauherr ist die Bäckerei Sehne, die das Gebäude nach Fertigstellung an den Lebensmittelhändler Netto Marken-Discount vermieten wird. Für Netto ist die Filiale in Neubulach ein klares Bekenntnis zu Innovation und Ressourcenschonung. So heißt es bei dem Discounter: „Der Einsatz von 3D-Druck zeigt, wie sich innovative Technologien bereits heute effizient und nachhaltiger im Filialbau einsetzen lassen.“
Unter dem Strich ist der Supermarkt in Neubulach mehr als nur ein Gebäude. Er ist schlicht ein Beweis dafür, dass automatisiertes, schnelles und nachhaltigeres Bauen keine Zukunftsmusik mehr ist. Mit rund 292 Kubikmetern Druckbeton ist das Projekt laut Instatiq derzeit das weltweit größte realisierte 3D-gedruckte Gebäude.
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