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Studie: Deutschlands Netze droht durch KI der Kollaps

Der Countdown läuft. In zwei Jahren könnten viele Netze unter der KI-Last zusammenbrechen.
Dabarti CGI/Shutterstock.com



Deutschland steht unter Zeitdruck. Diesen Eindruck vermittelt die Studie „The accelerating impact of AI on campus and branch networks“. Demnach haben hiesige Unternehmen nur noch etwa 24 Monate Zeit, bevor ihre Netzwerkkapazitäten mit der KI-Nutzung nicht mehr Schritt halten.



Im Rahmen der Studie wurden 3.472 CIOs sowie Führungskräfte aus den Bereichen Netzwerk, End User Computing und Technologie in Asien-Pazifik, Europa, dem Nahen Osten, Lateinamerika und Nordamerika befragt. Darunter waren 200 aus Deutschland. Die Befragten arbeiten in Organisationen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Die gemeinsam von Foundry und Cisco konzipierte sowie von Cisco gesponsorte Untersuchung wurde zwischen März und April 2026 durchgeführt.



Kollaps in zwei Jahren



Die gewonnen Zahlen sind alarmierend: 67 Prozent der deutschen Betriebe erwarten, dass ihre Netze innerhalb der nächsten zwei Jahre an ihre Grenzen stoßen werden. Ganze 84 Prozent geben offen zu, dass sie massive Upgrades benötigen, um mit dem explodierenden Datenwachstum Schritt zu halten.



Dabei ist KI längst kein Zukunftsszenario mehr. In deutschen Unternehmen ist sie im Arbeitsalltag angekommen:




GenAI (etwa Chatbots) wird bereits bei 36 Prozent unternehmensweit eingesetzt.



Agentic AI zur Automatisierung von Prozessen folgt mit 32 Prozent.



Physical AI, etwa in der Robotik, liegt bei 25 Prozent.




Daten-Tsunami durch KI


Auswirkungen der KI-Nutzung auf den Netzverkehr.
Cisco White Paper “No time to wait: The accelerating impact of AI on campus and branch networks”



Diese zunehmende KI-Nutzung bringt jedoch ein Problem mit sich: Der dadurch verursachte Datenverkehr wird sich, so die Studie, in den kommenden drei Jahren mehr als verdreifachen (ein Plus von 214 Prozent). Auf diesen Tsunami sind gerade einmal 16 Prozent der deutschen Unternehmen vollumfänglich vorbereitet.



Aber warum bringen die neuen KI-Anwendungen die Infrastruktur so ins Schwitzen? Der Grund liegt in der Arbeitsweise der KI. Im Gegensatz zu einem menschlichen Nutzer, der gelegentlich eine Webseite aufruft, lösen KI-Agenten in Sekundenschnelle Dutzende von API-Aufrufen und Datenbankabfragen aus. Workloads, die keine Fehler verzeihen. Sie reagieren extrem empfindlich auf Latenz, Bandbreitenmangel und Paketverluste.



Kritische Lage in der Industrie



Besonders entscheidend für die Wertschöpfung, Exportkraft und Produktivität in Deutschland ist die Industrie. Gemäß dem kürzlich von Cisco veröffentlichten State of Industrial AI Report setzt zwar ein Fünftel der deutschen Unternehmen KI großflächig und ausgereift in laufenden Industrieprozessen ein. Viele Unternehmen stoßen jedoch durch fehlende Voraussetzungen insbesondere bei Netzwerkinfrastruktur, Cybersicherheit und IT/OT-Betriebsmodellen an ihre Grenzen. Dies gilt insbesondere, wenn KI in Echtzeit in der Produktion eingesetzt wird. Entsprechend benötigt vor allem die Industrie eine moderne und skalierbare Infrastruktur, denn mit KI wird die Netzwerkkapazität Teil der realen Wertschöpfung.



Wenn KI für Deutschland wirklich eine zweite Chance ist, Versäumnisse der Digitalisierung aufzuholen, wie Uwe Peter, Geschäftsführer von Cisco Deutschland, postuliert, dann besteht Handlungsbedarf. So fordert Peter: „Deutschland muss jetzt dringend in KI-fähige und schnell skalierbare Netzwerke investieren, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Ansonsten droht unserem Wirtschaftsstandort gerade im Vergleich zu anderen Industrienationen ein erheblicher Rückstand.“



Der weltweite Vergleich



Eine Gefahr, die die Studie zu belegen scheint. So sehen weltweit 23 Prozent (hierzulande 16 Prozent) der Unternehmen ihre Netzwerkinfrastruktur vollständig für die KI-Zukunft gerüstet. Und lediglich bei 76 Prozent (Deutschland 84 Prozent) der globalen Unternehmen sind Upgrades erforderlich. Bei der unternehmensweiten KI-Nutzung liegt der weltweite Durchschnitt aktuell in allen drei Bereichen vor Deutschland:




Generative KI 51 Prozent,



Physical AI 28 Prozent



und Agentic AI 33 Prozent.




Ein Flaschenhals ist oft das Funknetz. Die Hälfte der Unternehmen nennt WLAN als den Bereich mit dem größten Kapazitätsbedarf. Hier entbrennt derzeit ein politischer Richtungsstreit um das 6-GHz-Band. Während Experten fordern, dieses Frequenzband für WLAN freizugeben, um die nötigen Kapazitäten für KI zu schaffen, empfiehlt ein EU-Beratungsgremium aktuell die Priorisierung des Mobilfunks.



„Spektrumspolitik ist heute Industriepolitik“, kritisiert denn auch Peter. So stehe für Deutschland viel auf dem Spiel: Bis zum Jahr 2030 könnten der Industrie 13,7 Milliarden Euro verloren gehen, wenn das Spektrum nicht rechtzeitig für WLAN-Anwendungen zugänglich gemacht werde.