"Reformatio und Memoria" – Das Jahrzeitbuch des Franziskanerkonvents St. Martin in Freiburg und seine Reform 1515
Das Stadtarchiv lädt am Freitag, 17. Juli, um 18 Uhr zur Vorstellung des neuen Bands seiner Schriftenreihe „Reformatio und Memoria“ ein. Die Veranstaltung mit anschließendem Stehempfang findet im Musiksaal von St. Martin statt (Rathausplatz 3, 79098 Freiburg, Eingang Kreuzgang).
Am 6. August 1515 spielte sich im Kloster der Franziskanerkonventualen St. Martin in Freiburg ein dramatischer Vorgang ab. Der Konvent, der seit seiner Gründung um 1229 fast drei Jahrhunderte lang in der Stadt gewirkt hatte, wurde von einem großen Aufgebot von 27 fremden Ordensbrüdern, geistlichen Würdenträgern und städtischen Amtsträgern handstreichartig besetzt und seine Reform verkündet. Die dreizehn Priester und neun Novizen wurden vor die Wahl gestellt, sich der Reform anzuschließen oder das Kloster zu verlassen. Der lange Streit zwischen den beiden Ordenszweigen, den traditionellen Konventualen und den Observanten, die für sich in Anspruch nahmen, das Ideal des Ordensgründers und seine Regel authentischer zu leben, führte hier zu einem letzten Höhepunkt.
Der Konflikt beendete nicht nur die Präsenz der Konventualen in St. Martin, sondern auch ihre Memoria, die schriftliche Überlieferung der Namen ihrer Wohltäter und der liturgischen Gebetsverpflichtung. Das pergamentene Anniversar, das den Kalender der jährlichen Fürbitten seit dem Ende des 13. Jahrhunderts festhielt, wurde ausradiert und im Laufe der nächsten hundert Jahre mit neuen Namen überschrieben. Mit Hilfe von UV-Licht ließ sich diese Zerstörung teilweise revidieren, sodass die meisten der getilgten Namen früherer Gönner und Stifter wieder zugänglich wurden.
Dr. Herbert Kraume legt eine kommentierte Ausgabe des Franziskaneranniversars vor. Er war Gymnasiallehrer für Geschichte und hat mehrere Werke zur Frömmigkeitsgeschichte des Spätmittelalters und zur Revolution von 1848/49 veröffentlicht. Die Laudatio auf den Autor hält der Leiter des Kreisarchivs des Schwarzwald-Baar-Kreises, Clemens Joos.
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Fakten
- Der Franziskanerkonvent St. Martin in Freiburg wurde 1515 von einem großen Aufgebot von 27 fremden Ordensbrüdern, geistlichen Würdenträgern und städtischen Amtsträgern handstreichartig besetzt.
- Die Reform des Konvents führte zu einem letzten Höhepunkt im Streit zwischen den traditionellen Konventualen und den Observanten.
- Die Memoria der Konventualen wurde beendet, die schriftliche Überlieferung der Namen ihrer Wohltäter und der liturgischen Gebetsverpflichtung wurde ausradiert.
- Das pergamentene Anniversar, das den Kalender der jährlichen Fürbitten seit dem Ende des 13. Jahrhunderts festhielt, wurde ausradiert.
- Die meisten der getilgten Namen früherer Gönner und Stifter wurden durch UV-Licht teilweise wieder zugänglich gemacht.
- Der Vortrag über das Franziskaneranniversar wird von Dr. Herbert Kraume gehalten.
- Dr. Herbert Kraume ist Gymnasiallehrer für Geschichte und hat mehrere Werke zur Frömmigkeitsgeschichte des Spätmittelalters veröffentlicht.
- Die Laudatio auf den Autor hält der Leiter des Kreisarchivs des Schwarzwald-Baar-Kreises, Clemens Joos.
- Die Veranstaltung findet im Musiksaal von St. Martin statt (Rathausplatz 3, 79098 Freiburg, Eingang Kreuzgang).
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