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So spüren Sie kompromittierte KI-Agenten auf

Kompromittierte KI-Agenten sind nicht leicht zu erkennen. Lesen, wie es trotzdem klappt.amgun | shutterstock.com



Im Juni 2025 veröffentlichte der prominente britische Softwareentwickler Simon Willison einen in der Security-Community vielbeachteten Blogbeitrag. Darin warnte der Experte, der im Jahr 2022 den Begriff „Prompt Injection“ geprägt hatte, vor einer tödlichen Dreierkombination („Lethal Trifecta“), die ausreichen um einen KI-Agenten mit nahezu hundertprozentiger Erfolgswahrscheinlichkeit durch indirekte Prompt Injection zu kompromittieren. Diese „Lethal Trifecta“ bei KI-Agenten manifestiert sich demnach im:   




Zugriff auf private Daten,



dem Kontakt mit nicht vertrauenswürdigen Inhalten, sowie



der Fähigkeit zur externen Kommunikation.




Ein Angreifer, der schadhafte Anweisungen an beliebiger Stelle in dieser Inhalts-Pipeline einschleust, kann Daten exfiltrieren, ohne dass das überhaupt auffällt. Willison veranschaulichte diesen Punkt in seinem Beitrag mit einer langen Liste realer Exploits in Produktionsumgebungen. Das „tödliche Triple“ fungierte dabei zu einer Zeit als Security-Warnsignal, in der KI-Agenten einen meist eng begrenzten Anwendungsbereich hatten. Die Kombination der oben genannten Fähigkeiten zu vermeiden, schien eine tragfähige Designstrategie.



Das hat sich mittlerweile geändert: Ein kundenorientierter Support-Agent erfasst heute Ticketverläufe und Kundendaten, Benutzernachrichten sowie angehängte Dateien und ruft CRMs, Rückerstattungs-APIs oder Ticketing-Systeme auf. Ebenso lesen und beantworten KI-Agenten E-Mails, verwalten Kalender und Nachrichten. Das sind keine „Edge Cases“, sondern genau die Art von Agenten, nach denen Unternehmen und Privatanwender streben – und auf die die Anbieter hinarbeiten.



Das „tödliche Triple“ als neuer Standard



Ross McKerchar, CISO bei Sophos, bringt das Problem in einem eigenen Blogbeitrag auf den Punkt: „Die Funktionen, die Praktiker tatsächlich wollen, führen unweigerlich in gefährliches Terrain. Das ist keine Fehlkonfiguration, sondern der architektonische Preis für die Nützlichkeit.“



Damit liegt der Security-Entscheider richtig: Ein Agent ohne Zugriff auf private Daten ist nutzlos. Einer, der keine externen Inhalte verarbeiten kann, agiert isoliert. Und ein Agent, der nicht nach außen kommunizieren kann, ist handlungsunfähig. Nimmt man auch nur einen dieser drei Aspekte weg, steht im Ergebnis eher eine Suchleiste als ein KI-Agent. Wenn jede legitime Agentenarchitektur sämtliche Eigenschaften der „Lethal Trifecta“ aufweist, kann diese kein aussagekräftiger Indikator für erhöhtes Risiko mehr sein – sondern ist de facto die Standardkonfiguration. Sie weiterhin als Warnsignal zu betrachten, ist so, als würde man die DNS-Auflösung als Anzeichen für ein kompromittiertes Netzwerk werten. Technisch gesehen trifft das zwar auf einige Threat-Modelle zu, ist aber in jedem realen Deployment allgegenwärtig.



Die Antwort auf diese Situation beschreibt der Sophos-CISO in seinem Blogbeitrag als „Blast Radius Reduction“. Gemeint ist eine realistische operative Philosophie, die die „Lethal Trifecta“ als gegeben akzeptiert. Das wäre ein guter erster Schritt – allerdings stellt sich die Frage, was nach der Akzeptanzphase folgt. Das Security-Team von Meta gelangte zu einer ähnlichen Erkenntnis wie McKerchar, nur aus einer anderen Richtung: Im Oktober 2025 veröffentlichte der Konzern sein „Rule of Two“-Framework. Dieses sieht vor, dass KI-Agenten nicht mehr als zwei der drei Komponenten der „Lethal Trifecta“ aufweisen sollten. Sind alle drei Merkmale vertreten, wird eine menschliche Genehmigung erforderlich. Von der Idee war auch Simon Willison angetan, der das Meta-Framework im November 2025 als den besten praktischen Ratgeber bezeichnete, um sichere Agentensysteme auf LLM-Basis aufzubauen.



Mit Blick auf sein Framework räumt Meta allerdings auch Limitationen ein. Demnach passten diverse populäre Use Cases nicht nahtlos in das Rahmenwerk, wodurch Designs, die auf der „Rule of Two“ aufbauen, dennoch anfällig für Fehler sein könnten. Das ist nur die Bestätigung dafür, dass das Problem die Lösung auf Architekturebene bereits überholt hat. Denn das Ausmaß der Sicherheitslücken ist längst nicht mehr nur theoretischer Natur: So brachte eine Untersuchung des Common Crawl Repositories durch Sicherheitsforscher von Google diverse Prompt-Injection-Angriffe auf öffentlich zugängliche Webseiten ans Licht. Laut Google haben die Angriffsversuche dieser Art zwischen November 2025 und Februar 2026 um 32 Prozent zugelegt. Zwar stellten die Sicherheitsexperten fest, dass deren Reifegrad derzeit noch gering ist. Allerdings weisen sie auch darauf hin, dass der Trend ein klares Signal dafür ist, dass das Interesse der Angreifer zunimmt. Anders ausgedrückt: Das Umfeld, vor dem die „Lethal Trifecta“ einst gewarnt hat, ist zur Realität geworden.



5 Anzeichen für kompromittierte KI-Agenten



Wenn nahezu jeder eingesetzte KI-Agent die Merkmale der „Lethal Trifecta“ aufweist, benötigen Praktiker die richtigen Anhaltspunkte, um kompromittiertes Verhalten vom normalen Betrieb innerhalb eines Systems zu unterscheiden. Das erfordert einen Shift: Weg von Assessments auf Architekturebene und hin zu Behavioral Detection auf Laufzeitebene. Wie nötig dieser Umschwung ist, zeigte sich zuletzt im Januar 2026, als innerhalb von nur fünf Tagen vier verschiedene Exploits gegen populäre KI-Produktivitäts-Tools bekannt wurden. Betroffen waren IBM Bob, Superhuman AI, Notion AI und Claude Cowork. In allen vier Fällen setzten die Angreifer auf indirekte Promp Injection, um Daten zu exfiltrieren. Und zwar über einen Kanal, auf den der jeweilige Agent legitimen Zugriff hatte.



Im Fall von Claude Cowork sorgte ein in ein hochgeladenes Dokument eingebetteter, versteckter Prompt etwa dafür, dass der KI-Agent Dateien über die von Anthropic selbst auf die Whitelist gesetzte API-Domain exfiltrierte – unsichtbar für sämtliche Perimeterkontrollmaßnahmen und nicht von normalem Agentenverhalten zu unterscheiden, bis die Daten bereits gestohlen waren. Die vier Exploits hatten außerdem gemein, dass die „Lethal Trifecta“ Betriebsbedingung war.



Die folgenden fünf Signale können dazu beitragen, kompromittierte KI-Agenten zu erkennen:




Anomalien bei der Befolgung von Anweisungen: Ein kompromittierter Agent verhält sich in der Regel nicht grundlegend anders als ein intakter – er befolgt Anweisungen. Die Frage ist nur, wessen. Agenten-Aktionen, die keinen plausiblen Bezug zu einer vom Benutzer initiierten Aufgabe haben, sollten deshalb die Alarmglocken schrillen lassen. Ein Agent, der dazu aufgefordert wurde, einen Quartalsbericht zusammenzufassen, dann aber eine DNS-Anfrage an eine unbekannte Domain aussendet, hat sich dazu nicht spontan „entschlossen“ – er wurde dazu veranlasst.



Tool-Call-Sequenzen, die die erwartete Topologie durchbrechen: In einem gut konzipierten KI-Agentensystem sollte die Sequenz der Tool-Aufrufe für eine spezifische Aufgabe relativ vorhersehbar sein. Ein Programmier-Agent, der einen Bug fixen soll, muss Dateien bearbeiten, Tests ausführen und möglicherweise die Dokumentation überprüfen. Er sollte allerdings nicht auf E-Mail- oder Kalender-APIs zugreifen. Sobald die erwarteten Grenzen eines Workflows in diesem Rahmen überschritten werden, ist deshalb Skepsis angesagt: Solche Tool-Call-Sequenzen sollten als verdächtig markiert werden, selbst wenn jeder einzelne Aufruf für sich genommen legitim erscheint.



Exfiltration über Kanäle mit geringer Bandbreite: Der klassische Exfiltrationsangriff durch Prompt Injection leitet gestohlene Daten über einen Mechanismus weiter, auf den der Agent legitim zugreift – die URL eines gerenderten Bildes mit verschlüsselten Abfrageparametern, einen API-Call mit Daten, die in einem Parameter eingebettet sind oder einen Link in einem generierten Dokument. Für sich genommen sehen diese Aktionen nicht nach Datendiebstahl aus, sondern wirken völlig normal. Um eine Exfiltration erkennen zu können, sollte geprüft werden, auf welche Daten der Agent Zugriff hatte und was er in seinen Output eingebettet hat. Das erfordert wiederum, dass die Agentenaktionen durchgängig transparent sind – nicht nur der endgültige Output.



Zugriff auf Anmeldedaten und Secrets außerhalb des Task-Scope: Greift ein Agent mit legitimen Zugriffsrechten auf einen Secrets Store oder einen Key Vault zu, die in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Task stehen, ist das ebenfalls ein Warnsignal. Ein Agent, der einen React-Rendering-Fehler beheben soll, braucht dazu mit Sicherheit keine AWS-Anmeldedaten. Das Least-Privilege-Prinzip dient hier als architektonische Abwehrmaßnahme. Doch erst ein Monitoring, bei dem gezielt überprüft wird, ob „out of scope“ auf Login-Daten zugegriffen wird, kann solche Abläufe zu Tage fördern.



Anomalien bei Memory-Write-Vorgängen: Agenten mit persistentem Speicher stellen eine wachsende Angriffsfläche dar. Ein manipulierter Memory-Eintrag, der wie legitimer Benutzerkontext aussieht, könnte versteckte „Trigger Instructions“ enthalten, die Session-übergreifend erhalten bleiben und erst lange nach der eigentlichen Prompt Injection ausgelöst werden. Dagegen hilft, die Observability-Pipeline für KI-Agenten entsprechend auszugestalten: Memory-Schreibvorgänge sollten auf befehlsähnliche Inhalte überwacht werden. Ebenso müssen Schreibvorgänge, die im Rahmen von Sessions mit nicht-vertrauenswürdigen Inhalten stattgefunden haben, kritisch beäugt werden.




Für Security-Praktiker, die eine Agentic-AI-Infrastruktur im Produktivbetrieb managen, bestätigt die Entwicklung der „Lethal Trifecta“ zum neuen Standard nur das, was Sie ohnehin längst wissen: Ihre KI-Agenten sind gefährdet. Dieser Herausforderung ist auf Ebene der Runtime zu begegnen, nicht auf Architekturebene. Dort sind für traditionelle Architekturen EDR und SIEM angesiedelt. KI-Agenten benötigen dieselbe Instrumentierung – was auf die allermeisten Deployments bislang nicht zutrifft. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation CSOonline.com erschienen.