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Tiergarten: Neue Infostation zum ökologischen Wert von Aas auf dem Klimawaldpfad 

Sie sind wahre Hotspots der Biodiversität und spielen eine zentrale Rolle im Nährstoffkreislauf: Kadaver von Wildtieren. Ab sofort können Besucherinnen und Besucher des Tiergartens der Stadt Nürnberg an einer neuen Infostation auf dem Klimawaldpfad mehr über den hohen ökologischen Wert von Aas erfahren.
Unterhalb des Klimawaldpfads hat der Tiergarten auf einer Fläche von rund 50 Quadratmetern Kadaverteile von Wildtieren ausgelegt – etwa Köpfe oder Eingeweide von Rehen, die nicht für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Die Tiere stammen aus dem regulären Jagdbetrieb im Reichswald und wurden mit bleifreier Munition erlegt. Auch die Skelette von Rehen, die beispielsweise die Luchse nach der Fütterung übrig lassen, werden so sinnvoll weiterverwendet. Den Zersetzungsprozess können Besucherinnen und Besucher vom Klimawaldpfad aus beobachten. Dort erläutert eine Infotafel die Bedeutung von Aas sowie die verschiedenen Stadien der Zersetzung. Unterstützt wird die Aasstation durch die Universität Würzburg, den Nationalpark Bayerischer Wald und den Forstbetrieb Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten.
„Der Wert eines Tieres für das Ökosystem endet nicht mit seinem Tod. Aas besitzt im Vergleich zu pflanzlicher toter Biomasse wie Totholz eine sehr viel höhere Energiedichte. Das macht es als Nahrungsquelle für sehr viele Arten besonders attraktiv und wichtig“, sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. „Während Wirbeltiere wie Rotfüchse oder Mäusebussarde Aas nur gelegentlich fressen, sind zahlreiche Wirbellose wie Aaskäfer vollständig darauf angewiesen. Kadaver sind Hotspots der Biodiversität.“
Von und an Kadavern leben Bakterien, Pilze, Insekten, Säugetiere und aasfressende Vögel. Die Überreste dienen ihnen als Nahrung, Kinderstube oder Lebensraum. Gleichzeitig gelangen wertvolle Nährstoffe zurück in den Boden – wovon wiederum Pflanzen und Pilze profitieren. Auch für Eurasische Luchse (Lynx lynx) und Bartgeier (Gypaetus barbatus) stellt Aas eine wichtige Nahrungsquelle dar – zwei in Deutschland sehr seltene Arten, die der Tiergarten im Rahmen europäischer Erhaltungszuchtprojekte züchtet und in Kooperation mit verschiedenen Organisationen auswildert.
Der Tiergarten engagiert sich zudem in einem Forschungsprojekt zur Aasökologie in verschiedenen Lebensräumen. Gemeinsam mit dem Nationalpark Bayerischer Wald, dem Nationalpark Šumava und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg legte er dazu 2024 tote Wisente (Bison bonasus) im tschechischen Šumava-Nationalpark und im Nationalpark Bayerischer Wald aus. Dabei handelte es sich um die erste Auslegung von Wisentkadavern unter gezielter wissenschaftlicher Beprobung und Beobachtung in Mitteleuropa. Die Universität Würzburg konnte schon rund 6 000 verschiedene Tier-, Bakterien- und Pilzarten an nur einem einzigen Wildtierkadaver nachweisen.
„Forschung gehört zu den zentralen Aufgaben eines modernen Zoos“, sagt Beckmann. „Durch die Kooperation mit der Universität Würzburg und den Nationalparks erschließen wir ein völlig neues Forschungsfeld für Zoos und machen diese Arbeit mit der neuen Station am Klimawaldpfad auch für unsere Gäste sicht- und erlebbar.“
Neben der neuen Aasstation gibt es für Besucherinnen und Besucher weitere Informationsangebote rund um den Klimawaldpfad: Im Aquapark vor der Eisbärenanlage haben die Abteilungen Landschaftsbau und Technik des Tiergartens ein neues Beet angelegt. Es dient als Landschaftsmodell und veranschaulicht die Pflanzenbesiedlung nach einer Gletscherschmelze, die zum Beispiel zum Ende der letzten Eiszeit oder heute durch den menschengemachten Klimawandel verursacht wird. Dargestellt wird die Abfolge verschiedener Pflanzengesellschaften. Angefangen bei Moosen über Kräuter, Gräser und Sträucher bis hin zu Bäumen. Diese verschiedenen Sukzessionsstadien werden anhand von Schildern und Pflanzen erklärt, das Beet ergänzt so thematisch und optisch den Klimawaldpfad. Auf dem Pfad selbst finden Besucherinnen und Besuchern außerdem zusätzlich rund 20 neue Schilder, die verschiedene Baumarten, aber auch technische Details des Bauwerkes vorstellen.
Der Klimawaldpfad führt Gäste steigungsfrei durch alle Stockwerke des Waldes – vom Boden bis zur Krone. An Erlebnis- und Spielstationen können Besucherinnen und Besucher sich ausprobieren und den Wald aus einer neuen Perspektive entdecken. Ruheplätze laden zum Verweilen und Genießen ein. Ein Höhepunkt ist das Grüne Klassenzimmer – ein ganz besonderer Lernort auf rund 20 Metern Höhe. Ermöglicht wurde der Klimawaldpfad durch eine Förderung der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg in Höhe von 4,1 Millionen Euro.   maj

Hier finden Sie den kompletten Artikel:

Fakten

  • Der Tiergarten in Nürnberg hat eine Aasstation auf dem Klimawaldpfad eingerichtet.
  • Die Aasstation umfasst eine Fläche von rund 50 Quadratmetern und enthält Kadaverteile von Wildtieren.
  • Die Tiere stammen aus dem regulären Jagdbetrieb im Reichswald und wurden mit bleifreier Munition erlegt.
  • Die Skelette von Rehen, die beispielsweise die Luchse nach der Fütterung übrig lassen, werden sinnvoll weiterverwendet.
  • Besucherinnen und Besucher können den Zersetzungsprozess vom Klimawaldpfad aus beobachten.
  • Die Aasstation wird von der Universität Würzburg, dem Nationalpark Bayerischer Wald und dem Forstbetrieb Nürnberg der Bayerischen Staatsforsten unterstützt.
  • Der Wert eines Tieres für das Ökosystem endet nicht mit seinem Tod. Aas besitzt im Vergleich zu pflanzlicher toter Biomasse wie Totholz eine sehr viel höhere Energiedichte.
  • Kadaver sind Hotspots der Biodiversität und leben Bakterien, Pilze, Insekten, Säugetiere und aasfressende Vögel.
  • Die Überreste dienen ihnen als Nahrung, Kinderstube oder Lebensraum.
  • Gleichzeitig gelangen wertvolle Nährstoffe zurück in den Boden – wovon wiederum Pflanzen und Pilze profitieren.
  • Aas stellt eine wichtige Nahrungsquelle für Eurasische Luchse (Lynx lynx) und Bartgeier (Gypaetus barbatus) dar.
  • Der Tiergarten engagiert sich in einem Forschungsprojekt zur Aasökologie in verschiedenen Lebensräumen.
  • Die Universität Würzburg konnte schon rund 6.000 verschiedene Tier-, Bakterien- und Pilzarten an nur einem einzigen Wildtierkadaver nachweisen.
  • Der Klimawaldpfad führt Gäste steigungsfrei durch alle Stockwerke des Waldes – vom Boden bis zur Krone.
  • Der Klimawaldpfad wurde durch eine Förderung der Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg in Höhe von 4,1 Millionen Euro ermöglicht.
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