Darum ist Copilot für mich gestorben
Schnauze voll von Copilot – lesen Sie, warum unser Autor inzwischen auf Gemini setzt.Sadi Hochmuller | shutterstock.com
Ich habe Microsoft Copilot genutzt (und darüber geschrieben), seit es 2023 veröffentlicht wurde. Es war auch mein bevorzugtes Tool für persönliche KI-Projekte. Nun ist für mich allerdings die Zeit gekommen, das Tool hinter mir zu lassen. Für mich ist nämlich inzwischen klar, dass Googles Gemini für die Tasks, die für mich relevant sind, besser geeignet ist. In diesem Artikel lege ich offen, wie sich Copilot sämtliche Symphatien bei mir verspielt hat.
Wo Copilot versagt
1. Fail: Technische Probleme
Wie viele Menschen, die sich ein wenig mit Technik auskennen, fungiere ich als IT-Support für Freunde und Familie. Ich habe Copilot oft genutzt, um technische Probleme zu lösen, die ich selbst nicht beheben konnte. Als ich mich diesbezüglich das letzte Mal an Copilot gewandt habe, wurde mir klar, dass es an der Zeit war, Copilot aufzugeben: Meine Frau hatte sich ein neues iPhone gekauft und konnte zwar Nachrichten über ihre E-Mail-Adresse empfangen, jedoch nicht über ihre Telefonnummer. Als ich deshalb Copilot konsultierte, teilte mir die KI mit absoluter Bestimmtheit mit, dass es nur zwei mögliche Erklärungen für das Problem gebe. Leider war weder die eine noch die andere treffend. Unbeeindruckt versicherte mir Copilot erneut mit voller Zuversicht, mich jetzt direkt zum richtigen Button zu führen, der das Problem sofort lösen würde. Was nicht der Fall war. Insgesamt habe ich über eine Stunde lang versucht, das Problem mit Copilot zu beheben.
Dann stellte sich heraus, dass die Microsoft-KI das Problem auf der Grundlage einer veralteten iOS-Version zu beheben versuchte. Damit konfrontiert, entschuldigte sich die KI, versprach, es jetzt auf jeden Fall besser zu machen – und riet mir dann, den Mobilfunkanbieter zu kontaktieren. Das war dann auch der Punkt, an dem ich entnervt aufgegeben und Gemini um Rat gefragt habe. 30 Sekunden später war das Problem diagnostiziert und die Google-KI stellte eine simple Lösung zur Verfügung (die auch keinen Anruf beim Mobilfunkanbieter erforderte).
2. Fail: Recherchearbeiten
Ich habe Copilot auch oft für private Forschungsprojekte genutzt. Eines drehte sich um Pariser Stadtviertel in den 1870er Jahren. Ich suchte nach Informationen über die Gegend rund um den Bahnhof Saint-Lazare. Als ich Copilot danach fragte, teilte es mir mit, dass die Gegend damals gefährlich und von Armut geprägt war, mit armseligen Wohnhäusern, deren Fassaden stark vom Kohlerauch der ein- und ausfahrenden Züge verschmutzt waren.
Das kam mir seltsam vor. Ich erinnerte mich an das bekannte Gemälde „Paris Street; Rainy Day“ des impressionistischen Malers Gustave Caillebotte, dass das Viertel in den 1870er Jahren als wohlhabend und mondän illustriert – voller eleganter Wohnhäuser im Hausmann-Stil. Also stellte ich sowohl Gemini als auch Claude dieselbe Frage wie Copilot. Beide Tools lieferten daraufhin die Info, das Viertel sei damals ein wohlhabendes gewesen. Das konnte ich dann auch im Rahmen eigener Recherchen bestätigen.
3. Fail: Empfehlungen
Ich besuche drei- bis viermal in der Woche das Schwimmbad meines Fitnessstudios. Als dieses für mehrere Monate geschlossen wurde, beschloss ich, ein anderes Schwimmbad zu nutzen, das fußläufig von meinem Haus aus zu erreichen ist. Ich hatte dort noch nie trainiert und wollte herausfinden, zu welchen Zeiten das Schwimmbad unter der Woche am wenigsten ausgelastet ist. Und dazu bat ich Copilot um Hilfe. Das KI-Tool versicherte mir daraufhin, die besten Zeiten seien zwischen 11:30 und 12:30 oder zwischen 12:00 und 13:00 Uhr. Damit hatte Copilot zwar teilweise recht, aber anders als gedacht: Das Schwimmbad öffnet nämlich erst um 15:00 Uhr.
Als ich Gemini dieselbe Frage stellte, teilte es mir mit, dass die am wenigsten frequentierte Zeit wohl die direkt nach der Öffnung um 15:00 Uhr sei. Claude war an dieser Stelle übrigens ebenfalls keine Hilfe – gab das aber immerhin auch ganz offen zu statt zu halluzinieren. Gemini hingegen hatte auch hier ins Schwarze getroffen: 15 Uhr erwies sich tatsächlich als die beste Zeit, um möglichst störungsfrei meine Bahnen zu ziehen. (fm)
Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computerworld.com erschienen.
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