SAP beteiligt sich an Conduct
Die Gründer von Conduct Jan Philipp Haas (CEO), Philipp Höfer (CPO), und Henry Thompson (CTO).Conduct
Obwohl der Mainstream-Support für SAP ECC Ende 2027 ausläuft, schieben viele Unternehmen die Migration auf S/4HANA noch vor sich her. Ein Grund dafür sind die im Laufe der Jahre hinzugefügten Eigenentwicklungen sowie die vielen Abhängigkeiten und Integrationen.
Diese kritischen Prozesse zu ändern oder zu aktualisieren bedeutet in der Regel,
Millionen Zeilen an individuellem Code manuell zu lesen,
Integrationen per Reverse Engineering zu rekonstruieren,
undokumentierte Abhängigkeiten aufzuspüren und
auf Übergaben zwischen internen Teams und Beratern zu warten.
KI schafft Einblick in komplexe ERP-Systeme
Hier setzt Conduct an. Das Londoner Startup hilft Unternehmen, diese Systeme zu verstehen und zu verändern, damit sie schneller handeln können. Die Conduct-Plattform erfasst dazu eigenentwickelten Code, Konfigurationen, Abhängigkeiten und Integrationen über diese zentralen Softwaresysteme hinweg und bildet ab, wie jede technische Komponente mit der dazugehörigen Geschäftslogik verknüpft ist.
Teams können fragen, was von einem Freigabe-Workflow abhängt, welche Objekte eine Migration betrifft, wo eine Preisregel hinterlegt ist oder was bricht, wenn ein Feld geändert wird. Conduct erzeugt daraufhin den Code, die Tests und die Implementierungsarbeit, die nötig ist, um die Änderung sicher und in hohem Tempo umzusetzen.
„Jedes große Unternehmen wird gerade gefragt, wo seine KI-Ergebnisse bleiben”, erklärt Jan Philipp Haas, CEO und Mitgründer von Conduct. „Die ehrliche Antwort lautet in den meisten Organisationen: Die Systeme, auf denen KI heute arbeiten soll, lassen sich von Menschen nicht mehr vollständig durchdringen.“
Dieselbe Undurchsichtigkeit, die Menschen ausbremst, stoppe auch KI-Agenten, denn diese könnten nur in einem System agieren, das sie verstehen, führt Haas weiter aus. „Conduct macht diese Systeme lesbar und bedienbar. Das ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.”
Strategische Investition
Die Bedeutung dieser Technologie hat auch SAP erkannt und sich im Rahmen einer über 60 Millionen Dollar schweren Series-A-Finanzierungsrunde an Conduct beteiligt. Die Finanzierungsrunde wird von Index Ventures und ICONIQ angeführt. Darüber hinaus beteiligen sich die Bestandsinvestoren Creandum, Lucid Capital und Booom.
Für SAP ist die Beteiligung vor allem vor dem Hintergrund der laufenden Cloud-Migrationen interessant. Das Unternehmen hat Conduct nach eigenen Angaben bereits als strategischen KI-Partner für SAP-Cloud-ERP-Transformationen ausgewählt.
„Unternehmen, die ihre Migrationsreise abschließen und einen sauberen, Cloud-nativen Kern etablieren, werden am besten positioniert sein, um den Nutzen der KI zu erschließen. Conduct ist ein entscheidender Faktor für diesen Wandel”, erklärt Sebastian Steinhaeuser, COO von SAP.
Zudem arbeitet Conduct mit Beratungs- und Implementierungspartnern wie BCG und NTT DATA Business Solutions zusammen.
Gegründet wurde Conduct von ehemaligen Palantir-Managern. CEO Haas verantwortete dort zuletzt das kommerzielle Geschäft in der DACH-Region. Zu den Kunden des Start-ups zählen nach eigenen Angaben unter anderem Daimler Truck, Heidelberg Materials, DHL und Fraport – alles Kunden von SAP.
Mit dem frischen Kapital will Conduct seine Entwicklungs- und Vertriebsteams ausbauen sowie die Unterstützung weiterer Unternehmensanwendungen wie Salesforce, Oracle sowie Manufacturing- und Warehouse-Management-Systeme vorantreiben, hieß es.
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