Fotoprojekt macht Orte der NS-Zwangsarbeit in Stuttgart sichtbar
Basis für das Fotoprojekt war eine umfassende Recherche des Arbeitskreises Zwangsarbeit Stuttgart, der eine Liste von über 150 Orten der Zwangsarbeit in Stuttgart zusammengestellt hat. Darunter sind größere Firmen und kleinere Betriebe, öffentliche Einrichtungen, ehemalige Lager, aber auch Schulgebäude und frühere Gaststätten, in denen zwischen 1939 und 1945 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter untergebracht waren. Viele dieser Orte befinden sich mitten in der Stadt, sind heute aber nicht mehr als Orte der Zwangsarbeit erkennbar.
Das Fotoprojekt des Fotografen-Duos Andreas Langen und Kai Loges („die arge lola“) ändert das: Großformatige Bilder zeigen diese Schauplätze im heutigen Zustand. Ergänzt werden die Fotografien durch historische Informationen, die das Gesehene einordnen.
Initiiert wurde die Ausstellung von der Koordinierungsstelle Erinnerungskultur des Kulturamts der Landeshauptstadt Stuttgart in Kooperation mit dem Arbeitskreis Zwangsarbeit Stuttgart und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber. Die Gestaltung hat die Grafikerin Ina Bauer übernommen.
Die vom Arbeitskreis recherchierten Orte sind inzwischen auch auf einer digitalen Karte verzeichnet, die auf einer vom Kulturamt geförderten Homepage einsehbar ist. Abrufbar ist diese unter:
. Dort wird parallel zur Ausstellung auch eine Bildergalerie eingerichtet.
Zwangsarbeit war während des Zweiten Weltkriegs ein zentraler Bestandteil der deutschen Kriegswirtschaft. Allein in Stuttgart wurden mehr als 40.000 Männer und Frauen aus den vom Deutschen Reich besetzten europäischen Ländern eingesetzt. Historiker gehen davon aus, dass damals praktisch jeder Stuttgarter Betrieb mit mehr als fünf Beschäftigten Zwangsarbeiter band.
Deren Lebensbedingungen unterschieden sich stark. Sie hingen unter anderem von Herkunft und Status ab und waren in kleineren Betrieben tendenziell besser als in den großen Barackenlagern der Industrie. Eines galt für alle Betroffenen: Sie hatten in der Regel keine Möglichkeit, ihr Arbeitsverhältnis zu beenden oder sich gegen unmenschliche Behandlung zu wehren.
Die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Geschichte setzte spät ein: Erst seit Ende der 1980er-Jahre rücken die Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ins öffentliche Bewusstsein. In Stuttgart trugen dazu auch die Öffnung privatwirtschaftlicher Archive (zum Beispiel die Sammelstudie: Zwangsarbeit bei Daimler-Benz, 1994) sowie die kritische Aufarbeitung durch das Stadtarchiv Stuttgart (Zwangsarbeit in Stuttgart. Spurensuche – Ergebnisse – Aufgaben, 2000) bei.
Seit 2022 wird die Dokumentation der Lager- und Arbeitsorte maßgeblich vom Arbeitskreis „Zwangsarbeit in Stuttgart“ vorangetrieben, der auch aus Engagierten der Stolperstein-Initiativen und der Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber besteht. Er setzt sich unter anderem für die Einrichtung eines zentralen Erinnerungsortes für Zwangsarbeit in Stuttgart ein. Der aktuellste Beitrag zur Forschung ist die kürzlich vom Stadtarchiv herausgegebene Doktorarbeit des Historikers Kevin Schmidt zu „Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Stuttgart 1939 – 1945“.
Die Behördennummer 115 ist in der Regel zum Festnetztarif und damit kostenlos über Flatrates erreichbar. Viele Mobilfunkanbieter haben ihre Preise an die Festnetztarife angepasst. Die Mitarbeitenden erreichen Sie von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr.
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Die Stadt Stuttgart hat mehr als 40.000 Männer und Frauen aus europäischen Ländern während des Zweiten Weltkriegs eingesetzt.
- Praktisch jeder Stuttgarter Betrieb hatte zwischen 1939 und 1945 mehr als fünf Zwangsarbeiter
- Die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter hingen von Herkunft und Status ab
- Die Zwangsarbeiter hatten in der Regel keine Möglichkeit, ihr Arbeitsverhältnis zu beenden oder sich gegen unmenschliche Behandlung zu wehren.
- Die Auseinandersetzung mit dem Kapitel der Zwangsarbeit in der Geschichte setzte spät ein, erst seit Ende der 1980er-Jahre rücken die Schicksale der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ins öffentliche Bewusstsein.
- In Stuttgart trugen auch die Öffnung privatwirtschaftlicher Archive wie die Sammelstudie 'Zwangsarbeit bei Daimler-Benz' (1994) sowie die kritische Aufarbeitung durch das Stadtarchiv Stuttgart ('Zwangsarbeit in Stuttgart. Spurensuche – Ergebnisse – Aufgaben', 2000) dazu.
- Seit 2022 wird die Dokumentation der Lager- und Arbeitsorte maßgeblich vom Arbeitskreis 'Zwangsarbeit in Stuttgart' vorangetrieben.
- Der aktuellste Beitrag zur Forschung ist die kürzlich vom Stadtarchiv herausgegebene Doktorarbeit des Historikers Kevin Schmidt zu 'Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit in Stuttgart 1939 – 1945'
- Die Behördennummer 115 ist in der Regel zum Festnetztarif und damit kostenlos über Flatrates erreichbar.
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