Spatzl zieht ein: Förderprogramm für „Spatzen freundliches Wohnen“
Antrag Stadtrats-Mitglieder Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) vom 11.11.2025
Spatzl zieht ein: Förderprogramm für „Spatzen freundliches Wohnen“
Antwort Christine Kugler, Referentin für Klima- und Umweltschutz:
Mit Ihrem Schreiben vom 11.11.2025 haben Sie Folgendes beantragt: Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein städtisches Förderprogramm
aufzulegen. Dieses soll Zuschüsse für den Einbau von Niststeinen und für die Pflanzung von heimischen standortgerechten Hecken inkl. Benjes-Hecken umfassen. Außerdem soll eine Veröffentlichung einer Broschüre mit Best-Practice-Beispielen und einer Übersicht anerkannter Produkte sowie einer charmanten Plakataktion in den S- und U-Bahnhöfen erfolgen. Zur Begründung haben Sie dazu Folgendes vorgetragen:
„Spatzen freundliches Wohnen (mehr Wohnraum – auch für Spatzen)“
„Die meisten Wohngebäude bieten nach Sanierungen sowie als Neubau aufgrund der modernen energetischen Bauweise keine Nischen mehr für Gebäudebrüter. Seit 2016 wird der ehemalige ‚Allerweltsvogel‘ Haussperling auf der Vorwarnliste der Roten Liste geführt. Der Haussperling ist mit 250 Millionen verlorenen Tieren in den letzten 40 Jahren der größte Verlierer unter den Vögeln. Um die Population des Haussperlings zu stabilisieren, muss die Stadt Anreize schaffen, Ersatznistplätze und strukturreiche Vegetation im Wohnumfeld zu schaffen. Mit einem Zuschussprogramm lassen sich kostengünstig große Effekte erzielen, denn nicht nur Sperlinge, sondern auch weitere Brutvögel, Igel, Eichhörnchen und Insekten profitieren von heimischen Hecken. Zusätzlich fördert die Maßnahme das Bewusstsein für Biodiversität und sorgt direkt für mehr Zwitschern im eigenen Wohnumfeld.“
Ihr Einverständnis vorausgesetzt erlaube ich mir, Ihren Antrag als Brief zu beantworten und teile Ihnen auf diesem Wege Folgendes mit:
Die Förderung von Niststeinen für Gebäudebrüter, einschließlich des Haussperlings (Passer domesticus), ist grundsätzlich eine geeignete Maßnahme zur Unterstützung dieser Art. Die Pflanzung heimischer, standortgerechter Hecken sowie die Anlage von Benjeshecken stellen aus fachlicher Sicht geeignete Maßnahmen zur Förderung der urbanen Biodiversität dar. Sie bieten zahlreichen Tierarten – darunter Vögeln, Insekten und Kleinsäugern– wichtige Nahrungs-, Brut- und Rückzugsräume und tragen zur ökologischen Aufwertung des Siedlungsraums bei.
Städtisches Förderprogramm „Spatzen freundliches Wohnen (mehr Wohnraum – auch für Spatzen)“ (Ziffern 1 und 2 des Antrages):
Aus fachlicher Sicht ist jedoch zu berücksichtigen, dass Einzelmaßnahmen ohne Einbettung in ein umfassenderes Maßnahmenkonzept – wie die isolierte Förderung einzelner Niststeine oder Pflanzungen – nur eingeschränkt zur Stabilisierung oder Ausbreitung des Haussperlings im Stadtgebiet beitragen können. Dies ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass der Haussperling einen vergleichsweise geringen Aktionsradius von nur etwa 50 bis 500 Metern um seinen Brutplatz herum nutzt und im Münchner Stadtgebiet inzwischen nahezu ausschließlich am Stadtrand vorkommt, mit nur sehr wenigen isolierten Restvorkommen im innerstädtischen Bereich.
Der Haussperling ist als standorttreuer Koloniebrüter nicht nur auf geeignete Brutplätze, sondern auch auf ausreichende Nahrungsangebote und unversiegelte Flächen im unmittelbaren Umfeld zu seinem Brutplatz angewiesen. Ohne ausreichende, geeignete Nahrungsstrukturen wie samentragende Stauden und insektenreiche Grünflächen werden Nistmöglichkeiten häufig nicht angenommen oder führen zu einem geringen Bruterfolg. Eine erfolgreiche Ausbreitung des Haussperlings im Stadtgebiet München kann daher nur dann erreicht werden, wenn neben geeigneten Nistmöglichkeiten auch entsprechende Nahrungs- und Lebensraumstrukturen im unmittelbaren Umfeld und in ausreichender Größe vorhanden sind.
Mit dem seit August 2023 beim Referat für Klima- und Umweltschutz (RKU) bestehenden Förderprogramm „Biodiversitätsbausteine“ existiert bereits ein städtisches Förderprogramm, mit dem das Neuschaffen von Nistmöglichkeiten gefördert wird. Auch Maßnahmen zur Verbesserung der Nahrungs- und Lebensraumgrundlagen werden gefördert. Hierzu zählen unter anderem das Anlegen von Wildblumenwiesen aus regionalem Saatgut, das Pflanzen heimischer Stauden- und Strauchpflanzungen sowie das Schaffen weiterer strukturreicher Lebensräume. Die Fördersätze betragen in der Regel 50% der Gesamtkosten und können in begründeten Ausnahmefällen bis zu 90% betragen. Ein wesentlicher Bestandteil des Förderprogramms ist die Verbindung der Förderung mit einer fachlichen Biodiversitätsberatung vor Ort durch das RKU. Dabei werden vorhandene Habitatstrukturen am Gebäude und im Umfeld sowie bekannte Fundpunkte relevanter Tierarten analysiert und darauf aufbauend gezielte Maßnahmen empfohlen. Ziel ist es, Nistmöglichkeiten mit geeigneten Habitatstrukturen zu kombinieren und so eine langfristig wirksame Förderung von Gebäudebrütern zu gewährleisten.Die Intention des Antrages bezüglich eines städtischen Förderprogramms „Spatzen freundliches Wohnen (mehr Wohnraum – auch für Spatzen)“ ist mit dem bestehenden Förderprogramm „Biodiversitätsbausteine“ des RKU bereits erfüllt, da entsprechende Maßnahmen im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes bereits gefördert werden.
Im Rahmen einer über das RKU laufenden Projektförderung werden interessierte Eigentümer*innen und Akteur*innen zudem auch fachlich bei Sanierungsmaßnahmen an Gebäuden beraten, um den Schutz von Gebäudebrütern wie dem Haussperling sicherzustellen. Vorrangiges Ziel der Beratung ist es, bestehende Brutplätze zu erhalten und auch neue Quartiermöglichkeiten zu schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie der Landeshauptstadt München sowie zum Erhalt der urbanen Artenvielfalt zu leisten.
Zum Thema Haussperling („Spatz“) ist auch der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) mit vielfältigen Informations- und Unterstützungsangeboten aktiv. Mit der Broschüre „Spatzenfibel – Warum es immer weniger Spatzen in der Stadt gibt und was man für sie tun kann“ (Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV),
; zuletzt aufgerufen am 3.3.2026) liegt eine fachlich fundierte und praxisnahe Informationsgrundlage vor, die die genannten Inhalte umfassend abdeckt. Die Spatzenfibel vermittelt anschaulich die Ursachen des Bestandsrückgangs, zeigt konkrete und umsetzbare Handlungsoptionen auf und stellt bewährte Maßnahmen wie geeignete Nistmöglichkeiten, strukturreiche Grünflächen sowie insektenfreundliche Pflegeansätze vor. Weiterführende Informationen des LBV zum Thema Spatz und Gebäudebrüter finden sich unter:
oder
Veröffentlichung einer Broschüre mit Best-Practice-Beispielen und Plakataktion (Ziffer 3 des Antrages):
www.lbv-shop.de/die-spatzenfibel
https://www.botschafter-spatz.de/
; jeweils zuletzt aufgerufen am 3.3.2026.
https://www.lbv-muenchen.de/unsere-themen-lbv-muenchen/artenschutz-an-gebaeuden-lbv-muenchen/arten-lbv-muenchen/voegel-lbv-muenchen/haussperling/
Darüber hinaus können sich engagierte Bürger*innen für eine qualifizierte, kostenfreie und neutrale Beratung jederzeit an die Biodiversitätsberatung im RKU wenden (
; zuletzt aufgerufen am 3.3.2026).
https://stadt.muenchen.de/service/info/sachgebiet-fach-aufgaben-biodiversitat/10414028/
Um auf die aktuelle Situation und Gefährdung von Gebäudebrütern aufmerksam zu machen, ist es dem RKU zudem gelungen, die bayernweite Ausstellung des LBV zu Gebäudebrütern 2026 nach München zu holenund an stark frequentierten Standorten in München zu präsentieren. Als Ausstellungsorte haben bereits die Stadtbibliothek im HP8 sowie die Stadtbibliothek am Westkreuz ihr Interesse bekundet. An beiden Standorten wird die Ausstellung jeweils für einen Zeitraum von vier Wochen zu sehen sein. Die Ausstellung umfasst neun Roll-ups, die anschaulich über die Gefährdung, Lebensweise und Schutzmöglichkeiten von Gebäudebrütern informieren. Begleitend wird eine Fachreferentin des LBV einen Vortrag zum Thema Gebäudebrüter halten. Darüber hinaus ergänzt das RKU die Ausstellungen mit einem Informations- und Beteiligungsangebot für Bürger*innen, um konkrete Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und das Bewusstsein für den Schutz dieser Arten im städtischen Raum zu stärken. Mit den laufenden Aktivitäten finden jeweils auch Informations- und Öffentlichkeitsformate statt.
Unabhängig davon arbeitet das RKU an einer Projektskizze zu einem stadtweiten Spatzenprojekt, das Umweltbildung mit konkreten Naturschutzmaßnahmen auf ausgewählten Flächen verbindet. Das RKU ist dazu mit verschiedenen städtischen und externen Akteur*innen in Kontakt. Ziel der Projektidee ist es, durch die Schaffung spatzenfreundlicher Strukturen (z.B. Hecken, Wildstauden, Nistkästen, Sandbäder und Wasserstellen) Lebensräume zu verbessern und zugleich das Bewusstsein für Stadtnatur zu stärken. Der Haussperling dient dabei als Sympathieträger, um auch die Bedeutung von Insekten und weiteren Arten des urbanen Ökosystems zu vermitteln. Ergänzend sind in der Projektskizze Bildungsangebote wie Materialien für Kitas und Schulen, Führungen, Workshops, Veranstaltungen sowie Citizen-Science-Elemente vorgesehen. Zur Realisierung der
Projektidee sollen Drittmittel eingeworben werden. Ansonsten kann ein solches Projekt aufgrund bestehender Sparvorgaben und fehlender personeller Ressourcen bei den Beteiligten nicht umgesetzt werden.
Um Kenntnisnahme der vorstehenden Ausführungen wird gebeten. Ich gehe davon aus, dass die Angelegenheit damit abgeschlossen ist.
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Der Antrag für ein städtisches Förderprogramm für Spatzen freundliches Wohnen wurde am 11.11.2025 von Stadtrats-Mitgliedern Sonja Haider, Dirk Höpner, Nicola Holtmann und Tobias Ruff (Fraktion ÖDP/München-Liste) eingereicht.
- Die Stadtverwaltung wird beauftragt, ein städtisches Förderprogramm aufzulegen, das Zuschüsse für den Einbau von Niststeinen und die Pflanzung von heimischen standortgerechten Hecken umfasst.
- Das Ziel des Programms ist es, Ersatznistplätze und strukturreiche Vegetation im Wohnumfeld zu schaffen, um die Population des Haussperlings zu stabilisieren.
- Die Förderung von Niststeinen für Gebäudebrüter ist grundsätzlich eine geeignete Maßnahme zur Unterstützung dieser Art.
- Eine erfolgreiche Ausbreitung des Haussperlings im Stadtgebiet München kann jedoch nur dann erreicht werden, wenn neben geeigneten Nistmöglichkeiten auch entsprechende Nahrungs- und Lebensraumstrukturen vorhanden sind.
- Es existiert bereits ein städtisches Förderprogramm „Biodiversitätsbausteine“ des Referats für Klima- und Umweltschutz (RKU), das Maßnahmen zur Förderung der urbanen Biodiversität gefördert.
- Die Intention des Antrages ist mit dem bestehenden Förderprogramm „Biodiversitätsbausteine“ des RKU bereits erfüllt.
- Das Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) bietet Informations- und Unterstützungsangebote für die Schaffung spatzenfreundlicher Strukturen an.
- Die Stadtverwaltung plant, eine Broschüre mit Best-Practice-Beispielen und eine Plakataktion in den S- und U-Bahnhöfen zu veröffentlichen.
- Die Ausstellung des LBV zu Gebäudebrütern 2026 wird nach München geholt und an stark frequentierten Standorten präsentiert.
- Das RKU arbeitet an einer Projektskizze zu einem stadtweiten Spatzenprojekt, das Umweltbildung mit konkreten Naturschutzmaßnahmen auf ausgewählten Flächen verbindet.
- Die Stadt München liegt in Deutschland.
Es ist jedoch zu beachten, dass KI-generierte Inhalte trotz aller Bemühungen um Aktualität und Richtigkeit gelegentlich Unvollständigkeiten oder Ungenauigkeiten enthalten können. Wenn Sie Fragen zur Richtigkeit der Informationen haben oder zusätzliche Klarstellungen wünschen, wenden Sie sich bitte an unser Redaktionsteam. Wir schätzen Ihr Verständnis und bemühen uns stets, Ihnen zuverlässige und wertvolle Informationen zu bieten.