Datenschutzeinstellungen Stadt würdigt „Geschichte-Erzähler von Mensch zu Mensch"
Als Initiator und erster Leiter des Kasseler Stadtmuseums hat sich Wegner um das kulturelle Gedächtnis der documenta-Stadt unschätzbare Verdienste erworben. Zuvor war er bereits Vorsitzender des renommierten Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (Zweigverein Kassel). Als solcher nahm er sich vor, Kassel aus einer damals weitverbreiteten Geschichtsvergessenheit herausholen, die in Folge der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau im Zeichen einer autogerechten Stadt entstanden war. Als er 1979 zum ersten Leiter des neu beschlossenen Stadtmuseums berufen wurde, stand er vor einer großen Herausforderung. Es galt, die vielfältigen Facetten einer bewegten, oft durch Brüche und Zäsuren gezeichneten Stadtgeschichte zu sammeln, zu ordnen und auszustellen.
Was ursprünglich nur als Provisorium im historischen Kulturhaus am Ständeplatz gedacht war, formte er mit wissenschaftlicher Akribie und profunder Kenntnis zu einem heute unverzichtbaren Identifikationsort für die Kasseler Bevölkerung.
Unter seiner Ägide entwickelte sich das Museum zu einem Zentrum der Stadtgesellschaft. Wegner nutze dabei seine Begabung, Stadtgeschichte nicht als trockene Abfolge von Daten zu präsentieren, sondern als eine Erzählung von Menschen für Menschen. Durch kluge Sonderausstellungen, zahlreiche Publikationen und sein unermüdliches Engagement für die Bewahrung des städtischen Erbes schlug er eine Brücke zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Heute ist das Stadtmuseum - längst keine Übergangslösung mehr, sondern ein markant und modern ausgebautes Ausstellungshaus - bei Einheimischen wie Gästen hochgeschätzt.
Auch nach Ende seiner offiziellen Direktorenzeit 2006 findet seine Stimme Gehör in der Stadtöffentlichkeit. Als leidenschaftlicher Kenner der Kasseler Historie bringt er sich bis heute in stadtplanerische und kulturelle Debatten ein. Er ist stets ein Mahner geblieben, der den „Kassel-Patriotismus“ einfordert und sich meinungsstark und profund für den Erhalt historischer Strukturen, Plätze und Erinnerungsorte starkmacht.
Zum 85. Ehrentag gratuliert die Stadt einem brillanten Chronisten der Lokalgeschichte, der dem über 1100 Jahre alten Kassel und all den Generationen, die vor uns hier gelebt haben, ein Gesicht und eine Stimme gegeben hat. „Wir wünschen Karl-Hermann Wegner Schaffenskraft und Muße, den reichen Schatz seiner Erinnerungen und Erkenntnisse weiterhin mit uns zu teilen", so der Oberbürgermeister abschließend.
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