None

4 Tools für Spec-Driven Development

width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Vibe-Coding-Probleme? Ein Tool für Spec-Driven Development könnte die Lösung sein.DC Studio | shutterstock.com



Vibe Coding ist seit dem allseits bekannten viralen X-Beitrag von Andrej Karpathy ein „Ding“. Allerdings birgt dieser Ansatz für KI-getriebene Entwicklung erhebliche Risiken – und ein erhöhtes Potenzial dafür, technische Schulden anzuhäufen. Wenn die KI halluziniert oder auf andere Art und Weise „schlampt“, müssen menschliche Profis nachbessern und die Dev-Produktivität sinkt. Also genau das Gegenteil von dem, was der Einsatz von LLMs im Entwicklungsbereich eigentlich erreichen soll.



Spec-Driven Development (auch spezifikationsgesteuerte Entwicklung) ist eine Möglichkeit, Vibe-Coding-induziertes Chaos zu vermeiden, ohne zur manuellen Programmierarbeit zurückzukehren. Das erfordert weder eine Planung im Wasserfall-Ansatz, noch ist es nötig, umfangreiche Anforderungsdokumente zu erstellen. Stattdessen ist Spec-Driven Development auf Lesbarkeit und Prägnanz ausgelegt. Besonders empfehlenswert ist der Ansatz, wenn es um umfangreiche Funktionen, Refactorings oder Enterprise-Projekte geht.



In diesem Artikel werfen wie einen eingehenden Blick auf vier Tools und Frameworks, die diesen Ansatz derzeit unterstützen und einen guten Ansatzpunkt bieten, um spezifikationsgesteuert zu entwickeln.



Kiro



Dieser autonome KI-Agent wurde von Amazon Web Services (AWS) entwickelt. Der Cloud-Sparte von Amazon zufolge, ist die Lösung in der Lage, Kontext zu behalten und im Zeitverlauf „dazuzulernen“ – während sie selbständig Entwicklungs-Tasks abarbeitet. Kiro ist sowohl als IDE (basierend auf Code OSS) als auch als CLI-Tool verfügbar. Die Unterschiede:




Kiro IDE unterstützt ausdrücklich sowohl Vibe Coding als auch Spec-Driven Development.



Kiro CLI befasst sich derzeit nicht mit Spezifikationen, verfügt aber über einen Planer-Agenten und kann Agenten zudem steuern.




Für die spezifikationsgesteuerte Entwicklung generiert Kiro drei Markdown-Dateien, die zusammen die Spezifikation bilden. Dabei:




erfasst requirements.md User Stories und Akzeptanzkriterien in strukturierter EARS-Notation.



dokumentiert design.md die technische Architektur, Sequenzdiagramme und Implementierungsüberlegungen.



bietet tasks.md einen detaillierten Implementierungsplan mit einzelnen, nachverfolgbaren Tasks.




Darüber hinaus ist es auch möglich, Spezifikationen aus anderen Systemen zu importieren und zu iterieren. Sie können sogar Spezifikationen basierend auf einer Vibe-Coding-Session. Im Idealfall erstellen Sie für jedes Projektfeature eine Spezifikation.


Kiro IDE unterstützt sowohl Vibe Coding als auch Spec-Driven Development.Foundry



Davon abgesehen kann Kiro auch drei Markdown-Dateien generieren, um die Steuerung für die Agenten zu definieren. Das vermittelt dem AWS-Tool ein fortlaufendes Verständnis des Workspaces und seiner Konventionen. Dabei:




definiert product.md den Zweck des Produkts, die Zielgruppe, die wichtigsten Funktionen und die Geschäftsziele. Das unterstützt Kiro dabei, das „Warum“ hinter technischen Entscheidungen zu „verstehen“ und Lösungen vorzuschlagen, die auf die Produktziele abgestimmt sind.



dokumentiert tech.md die gewählten Frameworks, Bibliotheken, Entwicklungs-Tools und technischen Einschränkungen. Wenn Kiro Implementierungen vorschlägt, wird es den etablierten Stack gegenüber Alternativen bevorzugen.



umreißt structure.md die Organisation von Dateien, Namenskonventionen, Importmuster und architektonische Entscheidungen. Das stellt sicher, dass der generierte Code nahtlos in bestehende Codebasen passt.




Der kostenlose Tarif von Kiro IDE unterstützt derzeit die Claude-Modelle Sonnet 4.5, Sonnet 4 und Haiku 4.5. Mit einem Bezahltarif können auch andere KI-Modelle gewählt werden – etwa Opus 4.5.



Spec Kit



Bei Spec Kit handelt es sich um ein quelloffenes Toolkit für spezifikationsgesteuerte Entwicklung aus dem Hause Microsoft. Die Lösung bietet einen strukturierten vierstufigen Prozess, um Spec-Driven Development in die Workflows von (rund 30 verschiedenen) Programmierassistenten zu integrieren.



Ist ein Projekt einmal initialisiert, haben KI-Assistenten wie GitHub Copilot oder Claude Code Zugriff auf mehrere Befehle:




/speckit.constitution für die Leitprinzipien des Projekts,



/speckit.specify für Anforderungen und User Stories,



/speckit.clarify, um Unklarheiten zu beseitigen,



/speckit.plan für technische Implementierungspläne,



/speckit.tasks für umsetzbare Task-Listen mit Blick auf die Implementierung,



/speckit.analyze für Konsistenz- und Abdeckungsanalysen,



/speckit.implement, um sämtliche Tasks auszuführen, und



/speckit.checklist für Checklisten, mit denen Anforderungen validiert werden können.




Spec Kit ist in der Lage, Projekte von Grund auf neu zu erstellen (Greenfield), Legacy-Code zu modernisieren (Brownfield) und verschiedene Optionen parallel zu prüfen. Darüber, wie Spec Kit am besten eingesetzt wird und ob spezifikationsorientiert ist, wird noch diskutiert.



Tessl



Die selbsterklärte Mission von Tessl ist es, „KI-Agenten auf Kurs zu halten“. Dazu kommen eine Package Registry und Evaluierungen in einer CLI zusammen. Diese Kommandozeilen-Interface kann Projekte auf Abhängigkeiten scannen oder MCP-Server für KI-Assistenten konfigurieren.



Darüber hinaus kann die CLI auch die Package Registry nach „Tiles“ durchsuchen – auf der Grundlage von Namen, PURL oder http-URL. Diese Tiles beinhalten Skills für den Agenten, Dokumentation (für Bibliotheken und Frameworks, die Agenten bei Bedarf abfragen können) sowie Regeln (verbindliche Codierungsstandards und Konventionen). Es ist auch möglich, eigene Skills und Tiles zu erstellen.



Um Spec-Driven Development mit Tessl umzusetzen, ist nach der Installation lediglich der jeweile Prompt um den Zusatz „use spec-driven development“ zu ergänzen. Der KI-Agent wird dann entsprechende Fragen stellen und vor dem Code Spezifikationen erstellen. Die Ergebnisse lassen sich auch weiter optimieren, indem zusätzliche Tiles aus der Tessl-Skills-Registry installiert werden, die die verwendeten Tools dokumentieren.



Zenflow



Zenflow ist eine kostenlose Plattform, die KI-Agenten koordiniert, um Software zu entwickeln. Sie bietet spezifikationsgesteuerte Workflows, integrierte Verifizierung und Multi-Agenten-Execution. Entwickelt wurde das Tool vom Team hinter dem KI-Assistenten Zencoder – entsprechend funktioniert es auch mit dessen Plugins. Von Zencoder abgesehen ist Zenflow auch mit Claude Code, Codex und Gemini kompatibel.



Wenn Sie ein Zenflow-Projekt starten, werden Ihnen (je nach Umfang) verschiedene Standard-Workflows angeboten, wie auch dem nachfolgenden Screenshot zu entnehmen ist.


Neben einem vollständigen Spec-Driven-Development-Workflow bietet Zenflow auch die Optionen, „Qucik Change“, „Fix Bug“ und „Spec and Build“.Foundry



Je größer der Umfang des Projekts, desto mehr Struktur benötigt der Workflow, um zu verhindern, dass die Implementierung von den Anforderungen abweicht. Es ist auch möglich, eigene Workflows zu definieren, beispielsweise, um Unternehmensstandards zu erfüllen.



Zenflow ist in der Lage, mehrere Tasks parallel in isolierten Umgebungen auszuführen. Die Agenten koordinieren sich innerhalb der Workflows, ohne die Codebasis zu beeinträchtigen. Geht es darum, Änderungen zu verifizieren, setzt das Tool auf Automatisierung: Jeder Workflow geht mit automatisierten Tests und agentenübergreifenden Code-Reviews einher. Dabei lösen fehlgeschlagene Tests automatische Korrekturen aus. Der Code wird erst ausgeliefert, wenn sämtliche Verifizierungsschritte bestanden wurden.



Außerdem gut zu wissen: Zenflow-Projekte sind in Tasks unterteilt, die sich wiederum in Subtasks und Chats untergliedern. Jeder Task läuft dabei in seinem eigenen, isolierten Git-Worktree. Der Status aller Tasks ist über Kanban-Boards oder Stacked Lists einsehbar. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Infoworld.com erschienen.