Cisco streicht fast 4.000 Stellen
Obwohl das Geschäft bei Cisco brummt, müssen knapp fünf Prozent der Belegschaft gehen.Sundry Photography – shutterstock.com
„Wir nehmen heute Änderungen vor, die dazu führen werden, dass unsere Gesamtbelegschaft im vierten Quartal um weniger als 4.000 Stellen reduziert wird. Das entspricht weniger als fünf Prozent unserer gesamten Belegschaft. Die meisten Kündigungen werden ab dem 14. Mai ausgesprochen“, gab Cisco-CEO Chuck Robbins in einem Blogbeitrag bekannt.
Stellen streichen und investieren
„Während wir in einigen Bereichen Stellen abbauen, tätigen wir gezielte strategische Investitionen – insbesondere in den Bereichen Silizium, Optik, Security sowie in die Nutzung von KI durch unsere Mitarbeitenden im gesamten Unternehmen“, so Robbins weiter. Diese Investitionen erfolgten aus einer Position der Stärke heraus und konzentrierten sich auf Technologien und Geschäftsbereiche, die das Wachstum von Cisco beschleunigen sowie Kunden und Partnern „unvergleichliche Innovationen“ liefern und die Zukunft prägen werden, fügt er hinzu.
„Die Unternehmen, die im KI-Zeitalter erfolgreich sein werden, sind jene mit Fokus, Dringlichkeit und der Disziplin, Investitionen kontinuierlich in die Bereiche zu verlagern, in denen Nachfrage und langfristige Wertschöpfung am stärksten sind“, so Robbins. „Ich bin überzeugt, dass Cisco zu diesen Gewinnern gehören wird. Das bedeutet allerdings auch schwierige Entscheidungen – darüber, wo wir investieren, wie wir organisiert sind und wie unsere Kostenstruktur die Chancen widerspiegelt, die vor uns liegen.“
Während der Telefonkonferenz mit Finanzanalysten präsentierten die Cisco-Führungskräfte zahlreiche positive Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal:
Die Bestellungen für Netzwerkprodukte stiegen im dritten Quartal um mehr als 50 Prozent, angeführt von dreistelligem Wachstum bei Service-Provider-Routing und Compute. Hinzu kamen starke Zuwächse bei Data-Center-Switching, Campus-Switching, Wireless, Enterprise-Routing und Industrial IoT.
Die Aufträge für KI-Infrastruktur von Hyperscalern erreichten im dritten Quartal 1,9 Milliarden Dollar, verglichen mit 600 Millionen Dollar im Vorjahr. Das Gesamtvolumen seit Jahresbeginn lag bei 5,3 Milliarden Dollar und übertraf damit die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2026.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 erwartet Cisco KI-Infrastruktur-Bestellungen von rund neun Milliarden Dollar – das entspricht dem 4,5-fachen des Niveaus von 2025.
Ciscos Acacia-Optikgeschäft verzeichnete im dritten Quartal Bestellungen von über einer Milliarde Dollar und ist laut CEO Robbins auf dem besten Weg im Geschäftsjahr 2026 um mehr als 200 Prozent zu wachsen. So seien über 750.000 Einheiten von 400G- sowie 40.000 Einheiten von 800G-Coherent-Pluggable-Optiken ausgeliefert worden – mehr als bei den nächsten Wettbewerbern.
Die Bestellungen für KI-Infrastruktur außerhalb der Hyperscaler – etwa von Neocloud-, staatlichen und Enterprise-Kunden – beliefen sich im dritten Quartal auf rund 300 Millionen Dollar, bei einer Pipeline von drei Milliarden Dollar. Robbins sprach von einem „anhaltenden dreistelligen Auftragswachstum in jedem Quartal des Geschäftsjahres 2026, was auf eine breitere KI-Adoption über Hyperscaler hinaus hindeutet.“
Starke Nachfrage nach Silicon-One
Der Cisco-Chef hob außerdem hervor, dass die Silicon-One-Architektur und die dazugehörigen Produkte maßgeblich zum starken Quartal beigetragen hätten. So habe der kürzlich eingeführte Silicon-One-P200-Chip im dritten Quartal und zu Beginn des vierten Quartals drei Hyperscaler-Kunden gewonnen – ein erster großflächiger Einsatz der Technologie.
„Ich habe in den letzten Jahren wiederholt gesagt: Wenn man künftig keine eigene Siliziumtechnologie besitzt, wird es schwer, für Hyperscaler relevant zu bleiben“, erklärte Robbins dazu. „Und genau das sehen wir jetzt. Etwa die Hälfte des Umsatzes in diesem Bereich entfällt auf Systeme mit Silicon One. Das ist ein enormer Wettbewerbsvorteil für uns.“
Ein weiterer Vorteil von Silicon One sei die Kontrolle über die Lieferkette, fügte Cisco-Finanzchef Mark Patterson an. Cisco entwickle das Produkt vollständig selbst und reduziere dadurch externe Lieferengpässe. „Dass wir unser eigenes Silizium entwickeln, gibt uns deutlich mehr Kontrolle – von Anfang bis Ende“, sagte Patterson. „Wir steuern Wafer, Substrate, Montage und Tests direkt selbst und haben dadurch wesentlich mehr Kontrolle über die Lieferkette.“
In Bezug auf den Speicherengpass, der ein branchenweites Problem darstellt, erklärte Patterson, es gebe „mehr als 20 Programme, die wir eingeführt haben und die aktiv daran arbeiten, den Speicherverbrauch im gesamten Portfolio zu reduzieren.“
Als Beispiel dafür nannte er den Wireless-Bereich: „Sie werden im vierten Quartal Produkte bestellen können, die tatsächlich 50 Prozent weniger Speicher benötigen.“ Zudem investiere Cisco weiterhin in neue Kapazitäten, unter anderem durch einen dreijährigen Liefervertrag mit dem DRAM-Anbieter Nanya.
Wachstum im Brot-und-Butter-Geschäft
Auch das klassische Netzwerkgeschäft von Cisco entwickelt sich weiterhin positiv. Robbins erklärte, dass die Bestellungen für Enterprise-Data-Center-Switching im Jahresvergleich um mehr als 40 Prozent gestiegen seien. In sieben der letzten neun Quartale habe dieser Bereich zweistellige Wachstumsraten erzielt.
„Wir glauben, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur im Enterprise-Umfeld weiter zunimmt. Die Nexus-Switch-Bestellungen für KI-Deployments stiegen im dritten Quartal sequenziell um fast 50 Prozent“, betonte Robbins. „Im Bereich Campus-Networking verzeichneten wir Rekordbestellungen mit einem Wachstum von mehr als 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Nachfrage nach unserer neuen Generation von Switching-, Routing- und Wireless-Produkten ist außergewöhnlich stark und wächst schneller als bei früheren Produkteinführungen.“
Eine kürzlich durchgeführte Studie mit rund 3.500 IT-Führungskräften weltweit bestätige zudem die zunehmende Dringlichkeit, Campus- und Filialnetzwerke zu modernisieren. Da der Netzwerkverkehr in den nächsten drei Jahren aufgrund von KI voraussichtlich auf das Dreifache ansteigen werde, beschleunigen laut Robbins 93 Prozent der Befragten ihre Modernisierungspläne.
„Diese Ergebnisse bestätigen unsere Einschätzung, dass wir erst am Anfang einer mehrjährigen, milliardenschweren Erneuerungswelle im Campus-Bereich stehen“, sagte Robbins. (mb)
Hier finden Sie den kompletten Artikel: