So will Intel seinen KI-Rückstand egalisieren
width="1024" height="576" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px">Intel will die triste Gegenwart hinter sich lassen und richtet den Blick in die ZukunftTada Images | shutterstock.com
Über Jahre hat der Chip-Gigant Intel bei wichtigen Produkten wie CPUs, GPUs und Netzwerk-Euqipment die Schere angesetzt, um die Organisation zu verschlanken und wieder auf die Beine zu kommen. Das Gros dieser Einschnitte erfolgte bereits vor der Ablösung von Pat Gelsinger durch Lip-Bu Tan als CEO im Jahr 2025. Tan scheint den Konzern nun langfristig auf zukunftsrelevante Bereiche jenseits des aktuellen KI-Chip-Booms ausrichten zu wollen. Genauer gesagt: Prozessoren für Quantencomputer und neuromorphe Chips.
Darauf weist etwa die Ernennung von Pushkar Ranade zum neuen Chief Technology Officer hin. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Greg Lavender gilt Ranade, der zuvor diverse Manufacturing-Schlüsselrollen bei Intel innehatte, nicht als “Software-Mensch”. Er soll künftig die Entwicklungen in den Bereichen Quantum Computing, neuromorphes Computing sowie Photonik und neuartige Materialien vorantreiben, wie es in einer Pressemitteilung des Konzerns heißt.
Für Dylan Patel, CEO des Research-Unternehmens SemiAnalysis, eine längerfristige Wette auf die Zukunft – mit guten Erfolgsaussichten: „Ranade ist eine ausgezeichnete Wahl für Intels Vorstoß bei Computing-Modellen der Zukunft.“
Intel – der Quantum-Player der Zukunft?
„Es könnte sein, dass Lip-Bu Tan Intels Fokus und Investitionen im Bereich Quantum Computing neu ausrichten will“, vermutet auch Jim McGregor, Principal Analyst bei Tirias Research. Allerdings ist über Intels Quantum-Computing-Aktivitäten derzeit nur wenig Konkretes bekannt. Der jüngste Quanten-Chip des Unternehmens wurde mit „Tunnel Falls“ bereits im Jahr 2023 angekündigt. Allerdings hat Intel kürzlich 178 Millionen Dollar in den niederländischen Quanten-Spezialisten QuantWare investiert – wobei das kein Garant dafür ist, dass der Konzern deren Technologie künftig auch übernimmt.
Der Chip-Gigant könne auf eine solide Erfolgsbilanz bei technologischen „Moonshots“ zurückblicken und sei branchenweit führend, wenn es um neuromorphe Chips gehe, ordnet Ian Cutress, Chefanalyst bei der IT-Beratung More Than Moore, ein. Um im Bereich der Quanten-Technologien mit der Konkurrenz gleichzuziehen oder diese gar zu übertreffen, müsse jedoch noch einiges passieren: „IBM ist mit seinen Quantum-Initiativen weit voraus. Der Konzern bietet bereits jetzt eine Quanten-Cloud an und verfügt für die kommenden Jahre über einen ausgereiften Produktplan.“
Anwenderunternehmen rät der Analyst dazu, den Kurswechsel mit Vorsicht zu genießen, schließlich seien traditionelle Rechnerarchitekturen nur schwer zu verdrängen: „Jede Technologie, die dem Bereich Forschung und Entwicklung entstammt, wird aktuelle Hochleistungs-Hardware nicht ersetzen – sondern parallel dazu laufen. Der Hardware-Stack der Zukunft wird wahrscheinlich eher aus einer Kombination von CPUs, GPUs und Quantum-Computing-Chips bestehen und nicht nur auf einem eigenständig arbeitenden Quantenprozessor basieren.“
Intels Spin-Qubit-Quantentechnologie ist vielversprechend. Das haben auch andere Unternehmen erkannt und fahren ähnliche Ansätze – etwa Quantum Motion, Silicon Quantum Computing, Photonic und CEA-Leti. Der Chip-Gigant verfüge im Vergleich allerdings über einen entscheidenden Vorteil, wie Cutress erklärt: „Intels Ansatz bei CMOS-Spin-Qubits ermöglicht es, Millionen davon auf einem Wafer unterzubringen. Vor allem aber verfügt der Konzern über die Fertigungskapazitäten, die nötig sind, um das auch in der Praxis umzusetzen.“ (fm)
Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Networkworld.com erschienen.
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