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Switches werden bis zu 40 Prozent teurer, prognostiziert Gartner

width="2357" height="1326" sizes="auto, (max-width: 2357px) 100vw, 2357px">Gartner prophezeit einen KI-bedingten „Switch-Sturm“.asharkyu | shutterstock.com



Unternehmen, die Netzwerk-Switches für Rechenzentren einkaufen oder aufrüsten wollen, sollten sich auf Preiserhöhungen und ausgedehnte Lieferzeiten einstellen. Selbst wer nur Support für die Datacenter-Devices braucht, muss sich unter Umständen erst einmal hintenanstellen. Denn das Gros der bei den großen Anbietern verfügbaren Ressourcen wird von AI-First-Unternehmen beansprucht.



Zu diesem Fazit kommen die Auguren von Gartner im Rahmen einer aktuellen Analyse, die im Hinblick auf den Markt für Rechenzentrums-Switches ein düsteres Bild für das kommende Jahr zeichnet. Die Switch-Anbieter, so die Analysten, lenkten ihre Ressourcen aus einem simplen Grund aggressiv in Richtung KI-Rechenzentren: Diese seien schlicht profitabler.



„Das Feuer am Brennen halten“



„Die Ausgaben für KI-Netzwerkstrukturen werden im Jahr 2026 die für allgemeine Datacenter-Netzwerke übersteigen und sich bis 2029 mehr als verdoppeln. Infolgedessen spaltet sich der Markt in zwei unterschiedliche Kaufmuster auf: Netzwerke für KI-Infrastrukturen und Netzwerke für allgemeine Rechenzentren“, heißt es im Bericht von Gartner.



Die Ressourcen, die Switch-Anbietern zur Verfügung stünden, könnten nicht mehr mit der Nachfrage Schritt halten, konstatiert Andrew Lerner, Distinguished Vice President und Analyst bei Gartner – und einer der Autoren des Reports. „Switch-Anbieter verfügen über personelle Ressourcen in Form von Engineering-Talenten sowie über physische Ressourcen wie Memory und Laser für Switches – und diese sind begrenzt.“



Nach Aussage des Gartner-Experten betrieben nur etwa 200 Unternehmen echte High-End-KI-Rechenzentren, während rund 100.000 Organisationen über traditionellere Datacenter verfügten: „Insgesamt geben die KI-Akteure dreimal so viel aus wie die kleineren Unternehmen. Aus Anbieterperspektive möchte man das für sich nutzen.“



Unternehmen mit traditionellen Rechenzentren müssen sich deshalb laut Gartner darauf einstellen, dass:




Netzwerk-Switches um 15 bis 40 Prozent teurer werden, und



die Lieferzeiten sich auf drei bis neun Monate erhöhen (Mitte 2025 noch zwei Monate).




Zwar dürften sich die Engpässe laut Gartner Mitte 2027 wieder entspannen, mit sinkenden Preisen sei allerdings nicht zu rechnen: „Generell haben Anbieter in diesen Netzwerkmärkten keine konsistente Erfolgsbilanz bei Preissenkungen“, meint Lerner.



Gleichzeitig sei zu erwarten, dass die Anbieter mit Blick auf Netzwerk-Switches eher nicht in bedeutende Innovationen investieren, wie der Gartner-Mann in Aussicht stellt: „Die Anbieter verfolgen eine Mentalität nach dem Motto ‚Das Feuer am Brennen halten, die Flamme nicht erlöschen lassen‘. Sie geben die 100.000 traditionellen Datacenter-Kunden zwar nicht auf, setzen ihre Ressourcen jedoch anderweitig ein.“



Zeus Kerravala, Gründer und Chefanalyst bei ZK Research, schätzt die Situation ähnlich ein: „Cisco, Arista, Juniper und alle anderen Anbieter von Equipment für Rechenzentren richten ihre Ressourcen in erster Linie auf KI aus, weil sie an den damit verknüpften Großprojekten teilhaben wollen. Es fließt viel Geld in Neoclouds und ähnliche Dinge. Sie haben ihre Ressourcen entsprechend der Nachfrage am Markt neu priorisiert.“



„Bestellen Sie frühzeitig“



Lerners erster Rat, um diese Auswirkungen abzumildern, lautet, länger an den vorhandenen Assets festzuhalten: „Viele Unternehmen erneuern oder aktualisieren ihre Anlagen, bevor es eigentlich nötig ist. Unter anderem auch, weil sie auf Nummer sicher gehen wollen.“



Der Analyst appelliert deshalb an Unternehmen, über die End-of-Life-Richtlinien der jeweiligen Hersteller hinauszudenken: „Berücksichtigen Sie auch andere Faktoren. Etwa, ob das aktuelle Equipment den Anforderungen entspricht und einfach zu bedienen ist. Auch der Innovationsgrad auf dem Markt sollte eine Rolle spielen – beziehungsweise die Frage, ob neue Netzwerk-Switches wirklich sinnvolle, neue Features oder Funktionen realisieren können.“



Eine andere Maßnahme wäre laut Lerner, eine bessere Auslastung der vorhandenen Netzwerk-Switches anzustreben: „In der Regel werden nur die Hälfte der 48 oder 36 Ports eines Top-of-Rack-Switches genutzt. Um die Auslastung von Servern und Switches zu steigern, könnten Unternehmen zudem auch ihre VMware-Density-Ratios erhöhen.“



Anwendern, die dennoch nicht auf neue Switches für ihr Datacenter verzichten können, legt der Gartner-Mann zertifizierte Refurbished-Programme ans Herz, wie sie etwa von Cisco oder HPE angeboten werden. Bei diesen Devices handle es sich beispielsweise um Leasing-Rückläufer oder Bestände aus Insolvenzen, die über autorisierte Kanäle erhältlich seien. Darüber hinaus empfiehlt Lerner Unternehmen auch, unterschiedliche Architekturoptionen zu prüfen – etwa Workloads in die Cloud zu verlagern oder zu Colocation-Einrichtungen. Wenn es hart auf hart komme und neue Switches angeschafft werden müssen, lautet sein Rat: „Bestellen Sie frühzeitig.“



Ein weiterer Tipp des Analysten: andere Anbieter in Betracht ziehen. Denn nicht alle seien gleichermaßen betroffen: „Ein Unternehmen mit einem High-End-Switch-Portfolio, das nur über eine begrenzte Menge an Speicher verfügt, wird diesen seinen High-End-Switches zuweisen. Ein Anbieter, der eher auf Low-End-Switches spezialisiert ist, muss diese Entscheidung nicht treffen“, gibt Lerner zu bedenken.



Kerravela schlussfolgert daraus, dass kleinere Unternehmen möglicherweise von den Extremen der Switch-Knappheit verschont bleiben: „Die mittelständischen Unternehmen sind in Bezug auf die Verfügbarkeit wahrscheinlich besser aufgestellt als große Unternehmen. Schließlich sind es vor allem die Enterprise-Anbieter, die umschwenken mussten.“ (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Networkworld.com erschienen.