Ask Jeeves erliegt der KI
Mit Ask Jeeves wurde eine Kult-Suchmaschine aus der Prä-Google-Ära zu Grabe getragen.Armin Weiler
Das Internet verliert einen Suchmaschinen-Pionier: Seit dem 1. Juni 1997 beantwortete die nach einer populären, britischen Romanfigur benannten Suchmaschine Ask Jeeves (unter anderem) natürlichsprachliche Fragen. Neun Jahre später wurde das Portal dann in Ask.com umbenannt – seitdem sanken die Nutzerzahlen Jahr für Jahr. Der KI-Boom dürfte einer der letzten Sargnägel gewesen sein: Zum 1.Mai 2026 wurde der Service nun endgültig eingestellt.
„Wir sind den brillanten Entwicklern und Designern, die Ask über Jahrzehnte hinweg aufgebaut und unterstützt haben, zutiefst dankbar. Außerdem danken wir den Millionen von Nutzern, die sich in einer sich rasant verändernden Welt an uns gewandt haben, um Antworten zu finden für ihre unstillbare Neugier, Treue und ihr Vertrauen. Der Geist von Jeeves lebt weiter“, heißt es in einer finalen Nachricht auf Ask.com.
Das Internet Archive verabschiedete die Vintage-Suchmaschine mit einem nostalgischen Post auf x.com:
RIP Ask Jeeves. The natural-language search engine founded in 1996 was rebranded as Ask in 2006, and officially shut down on May 1.Here are the Wayback Machine’s first and last captures of the site.When websites disappear, the historical record can disappear with them. The… pic.twitter.com/asgFfdsdLG— Internet Archive (@internetarchive) May 5, 2026
Die bewegte Historie von Ask Jeeves
Dem Ende von Ask.com gingen turbulente Jahrzehnte voraus, hier ein Auszug:
1996 wird Ask Jeeves von Garret Gruener, David Werthen, Gary Chevsky sowie Justin Grant konzeptioniert und entwickelt. Als Maskottchen dient der Butler „Jeeves“, der der gleichnamigen Romanfigur von P.G. Woodhouse nachempfunden ist.
1997 geht Ask Jeeves offiziell an den Start.
2005 wird Jeeves von der US-Holding IAC Inc. aufgekauft.
2006 wird Ask Jeeves in Ask.com umbenannt. Butler Jeeves bleibt trotz der Namensänderung erhalten.
2007 kommt das AskEraser-Feature auf den Markt, mit dem die Nutzer sich dagegen „wehren“ können, dass ihre Suchanfragen getrackt sowie ihre IPs erfasst werden.
2008 kauft Ask.com die Lexico Publishing Group, damals Besitzer einiger populärer Online-Enzyklopädien wie Thesaurus.com.
2009 kürt der US-Motorsportverband NASCAR Ask.com zu seiner offiziellen Suchmaschine.
2010 wird der hauseigene Suchmaschinen-Service von Ask.com durch den eines Drittanbieters ersetzt.
2012 meldet Ask.com noch 100 Millionen Nutzer pro Monat.
2014 kauft Ask.com das soziale Netzwerk Ask.fm mit 180 Millionen Nutzern weltweit.
2021 etabliert Ask.com mit Ask Money eine neue Webseite, die sich auf den Finanzmarkt fokussiert.
Mit Ask.com stirbt ein weiterer Pionier der Internet-Frühzeit. An seine Stelle dürften KI-basierte Suchmaschinen und KI-Agenten treten. Ob das nun eine gute oder schlechte Entwicklung ist, sei einmal dahingestellt. (fm/tf)
Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computersweden.se erschienen.
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