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Fotosafari durch den Jutta-Park: Sonnensterne im Fokus

Mit einer romantischen Sicht auf die Welt gelingen verträumte Naturbilder, die zum Träumen einladen. Doch wie entstehen solche Aufnahmen? Auf einer Entdeckungstour wird der Blick für ungewöhnliche Momente geschult, und es werden wertvolle Profitricks für noch schönere Bilder verraten.
Das Dorf der Sinne
© Andreas Krone/Sachsens Dörfer
Höfgen! So liebenswürdig sein Name klingt, so pittoresk ist das Dörfchen in der Leipziger Region. Die malerische kleine Wehrkirche thront stolz auf einem Felssporn, umringt von sieben Bauernhöfen. Auf einer Streuobstwiese zupfen Pferde genüsslich frisches Weidegras, dahinter schlängelt sich die Mulde, als wolle sie den Ort umarmen. Fotografen schlendern mit ihrer Kamera gern durch Höfgen, um Impressionen einzufangen. Manchmal werden sie auf ihren Touren von Naturliebhabern mit großen und kleinen Kameras, ja sogar mit Smartphones begleitet, die sich Tricks und Tipps ihrer besonderen Fotografie abschauen möchten.
Gleich hinter dem Hotel „Zur Schiffsmühle“ steigen wir die Treppe zum Jutta-Park hinauf. Schon nach wenigen Stufen bleibt die Gruppe stehen. Die Sonne strahlt durch das dichte Blätterdach. "Wollt ihr einen Sonnenstern einfangen?" Sonnensterne sind optische Effekte. "Die Blende eines Objektivs besteht aus beweglichen Lamellen", ist von einem Profi zu hören. ‚Schließt sie so weit wie möglich und richtet eure Kamera auf die Sonne. Die Lichtstrahlen brechen sich an den Lamellen. Et voilà, ein Stern ist geboren.‘ Eifrig fabrizieren wir einen Stern nach dem anderen."  Die Kamera ist das Handwerkszeug eines Geografen, er dokumentiert mit ihr Landschaften, Kulturräume, Erdschichten.
© Jana Mänz/Sachsens Dörfer
WALDBADEN FÜR FOTOGRAFEN
Vom Jutta-Park mit der Kreuzmensch-Figur schauen wir hinunter auf Höfgen. Das Dorf liegt verschleiert im Sommerdunst. Kamera hoch, zoomen, abdrücken. Das Bild wird langweilig. "Bezieht die Bäume in die Bildgestaltung ein" wird geraten. Wir öffnen die Blende, so weit es geht, stellen aufs Dorf scharf. Blätter und Äste im Vordergrund bilden einen Rahmen. Toll. "Fehlt ein Baum, improvisiert. Pflückt einen Zweig, Wiesenblumen oder Grä er und haltet sie vor das Objektiv. Bildet so eine Art Schlüsselloch!" Am Bismarck-Turm scheint Rapunzel gleich ihr goldenes Haar aus dem Turmfenster herunterzulassen. Diese märchenhafte Stimmung wollen wir mit unseren Fotos zeigen . "Mit jedem Knips schult man das Auge für die versteckten Schönheiten der Natur." Der Spaziergang durch den Juttapark erinnert an einen neuen Trend in Japan: Shlnrin-yoku, das Waldbaden. Das hier ist Waldbaden für Fotografen. zauberhafte Bilder fürs Wohnzimmer inklusive.
© Jana Mänz/Sachsens Dörfer
GARTEN-RENDEZVOUS: "Jelängerjelieber"
Heike Raubold ist Gästeführerin in Höfgen. Doch an manchen Tagen führt sie nicht zu Kirche, Wasser- und Schiffmühle, sondern lädt zu einem Rendezvous mit Wegwarte, Baumgreisen und ins Goldtälchen ein.  Was wächst denn da? Blaue Sterne am Wegesrand, blass die in der Abenddämmerung betörend duften. Wegwarte, Wiesenschaumkraut, Jelängerjelieber: Heike Raubold kennt sie alle nicht nur beim Namen, sie weiß auch, welche der Kräuter heilend wirken. Kein Wunder, schließlich hat sie einst Gärtnerin gelernt, vier Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Heute bepflanzt sie nur noch ihren Balkon und pflegt den kleinen Kräutergarten in Höfgen gleich neben der Wassermühle. ,,Doch so schön wie die Natur kann keiner gärtnern", ist die Naturfreundin überzeugt. Wilde Möhre, Hirtentäschel, Mädesüß und Johanniskraut malen auf den Wiesen am Mulde-Ufer ein buntes Blütenmeer, als hätte Claude Monet den Pinsel geschwungen. Dazwischen stehen knorrige Bäume, hundertjährige Baumgreise, an denen die Äpfel allmählich rote Bäckchen bekommen. ,,Bis 2002 haben viele Kleingärtner hier Rosen und Bohnen, Sonnenblumen und Kartoffeln gezüchtet. Dann kam das Hochwasser." Heute dient die Wiese als Überflutungsfläche zum Schutz vor neuen Katastrophen.
© Jana Mänz/Sachsens Dörfer
GRÜNE SCHÄTZE IM GOLDENEN TÄLCHEN
Nur wenige Meter weiter im Jutta-Park taucht die Gärtnerin mit ihren Gästen in eine ganz andere Landschaft ein. ,,Hier ist die Hand einer leidenschaftlichen Parkgestalterin zu spüren", erzählt Heike Raubold. ,,Die alte Kastanienallee hier, die freie Sichtachse vom Bismarck-Turm bis hinüber zum Zisterziense-rinnenkloster Marienthron in Nimbschen, der Springbrunnen mitten im Wald sind Elemente der englischen Gartenkultur." Jutta lda Gleisberg, eine kunstsinnige und vermögende Frau, ließ den Park um 1900 anlegen. ,,Die Blumenrabatten sind längst verschwunden, doch die Harmonie der Gestaltung ist bis heute zu spüren." Vom Bismarck-Turm schlendert die Gäs-teführerin mit ihren Gartenfreunden auf einem Naturlehrpfad weiter zum .Mohdschägiebchn", einer Naturschule mitten im Wald. Hier wachsen direkt am Wegesrand die Bäume des Jahres, werden auf Anschauungstafeln bedrohte und geschützte Tiere, die Vögel und Pilze des Waldes vorgestellt. Und wie ein verschmitztes Augenzwinkern Gottes krabbeln drei kugelige Käfer mit roten Flügeln und schwarzen Punkten über die Tafel zum „Mohdschägiebchn". Von der idyllischen Waldschule geht es weiter nach Kadifzsch. Der Zick-Zack-Weg führt am Tannickenbach entlang zurück in den Wald. Kurz vor Höfgen tanzen Sonnenstrahlen im glucksenden Bach, tauchen das Goldene Tälchen in ein magisches licht. ,,Das Drüsige Springkraut am Ufer ist leider zugezogen. Es stammt aus Nordamerika, erobert immer stärker unsere Landschaft und verdrängt so heimische Pflanzen." Zum Abschied greift Heike Raubold in ihr Blumenkörbchen: ,,Appetit auf ein Gläschen Streuobstwiese?" Ein kulinarischer Genuss in einer zauberhaften Umgebung, ein Erlebnis für alle Sinne.
© Andreas Krone/Sachsens Dörfer
Blogbeitrag: Jana Krone für Sachsens Dörfer | Fotos Andreas Krone, Kana Mänz für Sachsens Dörfer.

Fakten

  • Der Jutta-Park liegt in Höfgen, einer Gemeinde in der Leipziger Region.
  • Die Sonnensterne sind optische Effekte, die durch das Objektiv einer Kamera erzeugt werden.
  • Die Blende eines Objektivs besteht aus beweglichen Lamellen, die für die Bildgestaltung verantwortlich sind.
  • Heike Raubold ist Gästeführerin in Höfgen und kennt viele Kräuter, die heilend wirken.
  • Der Jutta-Park wurde um 1900 von der kunstsinnigen Frau Jutta lda Gleisberg angelegt.
  • Die Blumenrabatten im Park sind längst verschwunden, doch die Harmonie der Gestaltung ist bis heute zu spüren.
  • Das Mohdschägiebchn ist eine Naturschule mitten im Wald, wo direkt am Wegesrand die Bäume des Jahres wachsen.
  • Die Wiese im Jutta-Park dient als Überflutungsfläche zum Schutz vor neuen Katastrophen.
  • Der Goldene Tälchen im Jutta-Park ist ein magisches Lichtgebiet, in dem Sonnenstrahlen tanzen.
  • Das Drüsige Springkraut am Ufer des Bachs stammt aus Nordamerika und verdrängt heimische Pflanzen.
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