Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung
Am Mittwoch, dem 6. Mai, werden weitere 19 Stolpersteine an acht verschiedenen Orten in Chemnitz verlegt und eingeweiht. Damit wird an die einst jeweils an Ort und Stelle wohnhaften Menschen der Stadt erinnert, die Verfolgte und Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden. Kleine Messingtafeln auf den Steinen geben Auskunft über die wichtigsten Lebensdaten der geehrten Personen und markieren im Gehweg ihre letzte Wohn- oder Wirkungsstätte.
wird Bürgermeister Ralph Burghart die Verlegung eröffnen und dabei auch viele Angehörige und Freunde ehemals in Chemnitz lebender jüdischer Familien begrüßen. Sie haben zum Teil eine lange Anreise aus Israel, Kanada, GB, den USA und der Schweiz auf sich genommen, um an diesem Tag dabei zu sein.
Möglich gemacht haben die Stolpersteinverlegung engagierte Bürger:innen, Vereine sowie Schüler:innen aus Chemnitzer Schulen, die mit der Übernahme von Patenschaften für die kleinen Gedenkplatten auch deren Finanzierung gesichert haben. Viele von ihnen werden die Verlegung im Stadtgebiet begleiten.
Eulitzstraße 7
Den Auftakt bildet die Verlegung eines Stolpersteins für
, das älteste von drei Kindern des Rechtsanwalts Dr. Fritz Cohn und seiner Frau Margot. Seit 2014 erinnern an dem ehemaligen Wohnort der Familie in der Eulitzstraße zwei Stolpersteine an das tragische Schicksal der Eheleute. Nun kommt ein Gedenkstein für Tochter Hanna hinzu, die im April 1939 nach Argentinien floh, wo sie bis zu ihrem Tod lebte.
Hanna besuchte gemeinsam mit ihrer Schwester Hilla bis 1937 die Höhere Mädchenbildungsanstalt in Chemnitz und lernte später an der orthodoxen Jüdischen Haushaltungsschule in Frankfurt (Main). Ihr Verlobter, Gerhard Sachs, hatte in Argentinien eine Arbeit gefunden und konnte im April 1938 das Land in Richtung Buenos Aires verlassen. Hanna brachte am 28. Dezember 1938 noch in Chemnitz Tochter Tana zur Welt und folgte gemeinsam mit ihrer
Tochter dem Ehemann im April 1939 nach Argentinien, wo die Eheleute bis zu ihrem Tod lebten. Laut Auskunft von Tana Sachs starb Hanna Sachs nach langer schwerer Krankheit in einem Pflegeheim.
Angehörige: Zur Verlegung des Stolpersteins wird Tana Sachs aus Kanada anreisen.
Paten: Teresa Pinheiro und Nomi Drachinsky
Agricolastraße 63
, geboren am 23. August 1888 in Berlin, besaß die rumänische Staatsangehörigkeit.
Seine Eltern hatten das Land aufgrund wachsender Judenverfolgung verlassen. Carl Leder war in
Chemnitz für die Strumpffabrik Siegfried Peretz tätig.
1920 heiratete er hier
, im Juli 1925 kam Tochter Lee Wilma zur Welt. Als Ende 1921 die Siegfried Peretz OHG in eine Aktiengesellschaft überführt wurde, wurde Carl Leder neben Albert Peretz, dem Sohn des Firmengründers, in den Vorstand gewählt. Der berufliche Aufstieg erlaubte der Familie ein Leben in Wohlstand. Mit der NS-Machtübernahme jedoch begann eine Zeit der Entrechtung und Verfolgung.
Nachdem Carl Leder 1937 aus der Siegfried Peretz AG gedrängt wurde, bereitete er die „Auswanderung“ vor, die im April 1939 endlich erlaubt wurde. Er blieb zunächst in England, wohin Gretl Leder krankheitsbedingt erst vier Monate später folgen konnte. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, blieb ihnen als „feindliche Ausländer“ eine Internierung zunächst erspart, später wurde Carl Leder für einige Monate im Camp Hutchinson in Douglas (Isle of Man) interniert. Infolge der Entbehrungen starb er am 8. August 1944.
Gretl Leder zog im Juli 1947 zu ihrer Schwester Hedwig Bonn nach New York. 15 Jahre später zog sie zu ihrer Tochter Lee nach Los Angeles. Gretl Leder starb dort 1982.
Angehörige: Carolin Guttman (Enkelin von Carl und Margarete Leder) ist aus den USA angereist und wird bei der Verlegung anwesend sein.
Paten: Ute und Peter Krebs sowie privat
, Katharinenstraße 10
wurde als ältester Sohn des Trikotagenfabrikanten Julius Frank in Chemnitz geboren. Er gehörte zu den jüdischen Weltkriegsteilnehmern, hatte sich im September 1914 für einen Einsatz an der Front gemeldet.
Im Mai 1922 ging Heinrich Frank die Ehe mit
ein. Das junge Ehepaar wohnte in der Katharinenstraße 2. Ihre zwei Kinder Leonore und Erwin Konrad wurden in der Staatlichen Frauenklinik Chemnitz geboren.
Die NS-Machtübernahme im Jahre 1933 bedeutete für den Fabrikdirektor Heinrich Frank, dass er bereits im März 1934 aus der Marschel Frank Sachs AG „ausscheiden“ musste. Er blieb aber bis 1937/38 Gesellschafter. Bald darauf zog die Familie nach Berlin. Während des Novemberpogroms 1938 wurde er dort verhaftet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt. Am 23. Dezember 1938 wurde er wieder entlassen. Im März 1939 wurden Heinrich Frank und seiner Familie die Auswanderung nach Palästina erlaubt.
Heinrich Frank verstarb im Mai 1955 in Israel. Seine Witwe Rosa zog 1958 in die USA, wo ihre Kinder bereits seit einigen Jahren lebten. Sie verstarb im Oktober 1982 in New York. Ihre Tochter lebte als zweifach verwitwete Leonore Schoenbeck bei New York. Daniel Feldmann, ihr Sohn aus erster Ehe, lebt seit 1971 mit seiner Familie in Australien.
Erwin Frank ist seit 1954 mit Ursula Brauer verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder: Ronald und Diane. Die Geschwister weilten 1997 zu den „6. Tagen der jüdischen Kultur“ in Chemnitz.
Angehörige: Ron Frank (Sohn von Erwin Konrad Frank), Diane Wenick (Tochter von Erwin Konrad Frank) und Daniel Feldmann (Sohn von Leonore Frank) sind mit ihren Familien angereist und nehmen an der Verlegung teil.
Paten: Sven Hösel und Jana Schneider, Christin Schneider und Ron Schneider, Evangelisches Schulzentrum Leukersdorf, Astrid Ahnert
, Stollberger Straße 38
Der Kaufmann
lebte bis April 1921 in Bremerhaven, wo sich seit 1903 auch ein Kaufhaus Schocken befand, das Joseph Schocken und Jakob Spiro, Sallys Onkel, eröffnet hatten. Ab Mai 1921 unterstützte er in Chemnitz die Brüder Schocken bei der Einrichtung einer Einkaufszentrale für den Großhandel. Mit der Gründung einer eigenen Strumpffabrik unter dem Namen „Brüder Spiro Strumpffabrik“ im Jahr 1925 etablierte er sich hier beruflich. Nach der Hochzeit im Jahr 1927 brachte Ehefrau
, geb. Beck, 1929 den gemeinsamen Sohn zur Welt: Werner Adolf Michael. Mit der Errichtung der NS-Herrschaft sah sich Sally Spiro gezwungen, das Fabrikgrundstück zu verkaufen, damit verbunden war auch die Übertragung der Firma.
Im Mai 1938 trat die Familie die beschwerliche Ausreise nach Neuseeland über England und Kanada an, wo sie fortan in Christchurch lebten.
verlegte später seinen Wohnsitz nach London, wo er bis zu seinem Tod am 5. Oktober 2005 lebte.
Paten: privat, privat, Beate Schwabe und Dr. Susi-Hilde Michael
, Beckerstraße 13
wurde als dritter Sohn des Trikotagenfabrikanten Julius Frank in Chemnitz geboren. Von 1903 bis 1910 besuchte er das Realgymnasium in Chemnitz, das sich damals noch an der Reitbahnstraße befand. Im Dezember 1922 vermählte sich Gerhard Frank mit
, zwei Söhne wurden geboren:
und
.
Gerhard Frank wurde nach dem frühen Tod von Horst Goeritz 1925 zum alleinigen Vorstand der Gebr. Goeritz Aktiengesellschaft ernannt und war zudem Vorsitzender und sportlicher Leiter des jüdischen Sportklubs Schild. Während des Novemberpogroms 1938 wurde er für einen Monat in das KZ Buchenwald verschleppt. Im Januar 1939 musste er im Zuge der „Arisierung“ der Gebr. Goeritz AG seinen Vorstandssitz aufgeben.
Elisabeth Frank hatte im Sommer 1938 Deutschland in Richtung Kuba verlassen, von dort aus gelangte sie im Dezember 1938 in die USA. Im Frühjahr 1939 konnte Gerhard Frank mit den Söhnen nach Holland auswandern. Dank der Bemühungen ihrer Mutter konnten Horst und Günther im Juli 1939 ebenfalls in die USA emigrieren.
Gerhard Frank, der auf eine „Immigrationsquotennummer“ warten musste, blieb allein in Holland zurück. Nach der NS-Okkupation des Landes wurde er im Durchgangslager Westerbork (Vreemdelingen Camp) interniert. Er überlebte und traf am 20. Juli 1946 in New York bei seiner Familie ein.
Gerhard Frank starb dort im November 1972, Lissi Frank überlebte ihn um 14 Jahre. Günther Konrad lebte bis zu seinem Tode in New York. Horst Heinz vermählte sich 1954 in Miami (Florida) mit Rosalyn Morris, mit der er zwei Kinder, Wayne Leslie und Nancy Eileen, hatte.
Angehörige: Wayne Frank (Sohn von Horst Heinz Frank) und Nancy Frank (Tochter von Horst Heinz Frank) sind mit ihren Familien aus den USA angereist und werden an der Verlegung teilnehmen.
Paten: Kirsti Brand-Wiedbusch, Ingo Kübeck, Franziska Sieber und Jan Sieber, Omas gegen Rechts Chemnitz
, Hohe Straße 9
Else Wolffheim vermählte sich am 9. Juni 1913 in Berlin mit dem Kaufmann Hermann Schendel, der in Chemnitz ein Herren- und Knabenkonfektionsgeschäft im Haus Lange Straße 22 besaß. Die Eheleute hatten zwei Töchter: Gerda und Margit Ursula. Die Familie wohnte eine Zeit lang im Haus Stollberger Straße 35, bevor sie um 1934 im Haus Hohe Straße 9 eine angemessene Wohnung fanden.
Als Hermann Schendel im März 1936 verstarb, löste
das Geschäft auf und verkaufte im Herbst 1939 das Geschäftsgrundstück. In der Folgezeit verlegte sie ihren Wohnsitz nach Berlin-Charlottenburg, wo ihre Tochter Margit Ursula seit Juni 1937 wohnte.
Mit dem 19. Osttransport wurde Else Schendel gemeinsam mit 800 Personen am 5. September 1942 in das Ghetto nach Riga deportiert. Drei Tage später wurde sie ermordet. Die überlebenden Töchter ließen nach 1945 auf dem Grabstein ihres Vaters einen Zusatz in Erinnerung an ihre Mutter Else Schendel, geb. Wolffheim, anbringen.
Angehörige: Mona Kellnerber und Nina Meyerhoff (Enkelinnen von Else Schendel) werden an der Verlegung teilnehmen.
Paten: Franka und Daniel Dost
, Zwickauer Straße 36
Der Kaufmann
gehörte zu den zahlreichen jüdischen Schuhhändlern in Chemnitz. Seine Schuhhandlung befand sich am Markt 14/15. Seine kaufmännische Lehre hatte er im elterlichen Schuhgeschäft absolviert, das infolge der Weltwirtschaftskrise 1928 geschlossen werden musste.
Nach seiner Verhaftung mit dem Novemberpogrom 1938 und der Überführung in das KZ Buchenwald beschloss er nach seiner Freilassung im Januar 1939, gemeinsam mit seiner Ehefrau Edith Ascher, geb. Werner, das Land zu verlassen. Sie übersiedelten nach Belgien und erhielten vier Monate vor dem Einmarsch der Wehrmacht in Belgien die Einreisevisa in die USA. Mit dem Passagierschiff „Westernland“ erreichten sie am 3. Februar 1940 New York. Von dort begaben sich die Eheleute nach East Orange (New Jersey), wo ein Cousin lebte. Die Eheleute hatten eine Tochter, Sonia Claire wurde im Jahr 1942 geboren. Später wohnte die Familie in Manchester, Hillsborough (New Hampshire).
Angehörige: Sonia Ascher (Tochter von Alfred und Edith Ascher) ist aus den USA angereist und wird an der Verlegung teilnehmen.
Paten: Maret Wolff / Kino Metropol, Rena Lippmann
, Brückenstraße 6
2012 wurden in Gedenken an Dr. Alfred Lachmann, seine Ehefrau Helene und ihren Sohn Werner drei Stolpersteine an der Stelle verlegt, wo sich einst das mehrgeschossige Geschäfts- und Wohnhaus befand, in dem die Familie über 20 Jahre wohnte.
Den Töchtern war schon frühzeitig die Auswanderung geglückt. 1938 konnte
als Hausangestellte ihren Wohnsitz nach England verlegen, wo sie 1942 ihren Sohn Michael zur Welt brachte. Aufgrund ihrer Arbeit für die britischen Zivilbehörden musste sie ihren Sohn in einem Heim in Liverpool unterbringen und verlor den Kontakt zu ihm. 1950 wanderte Ilse nach Australien aus, in der Hoffnung, ihren Sohn, der bei australischen Adoptiveltern aufwuchs, dort zu finden. Ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht, sie verstarb 1998 in Redcliffe. Sohn Michael erfuhr erst 2011 seine wahre Herkunft. Er besuchte 2022 die Geburtsstadt seiner Mutter und die Stolpersteine zu Ehren seiner Familie.
war ebenfalls im Jahr 1938 nach England ausgewandert. 1945 wanderte sie nach Palästina aus und änderte dort ihren Vornamen in Chava. Mit ihrem Ehemann Wilhelm Shimon Feuchtwanger hatte sie zwei Kinder: Tamar und Amos. Bis in die 1960er Jahre hinein hatte Chava Kontakt zur Jüdischen Gemeinde in Karl-Marx-Stadt. Sie lebte bis zuletzt in der Stadt Ramat Gan, wo sie am 25. Mai 2005 verstarb.
Angehörige: Michael Lachmann (Sohn von Ilse Ruth Lachmann) ist aus Australien angereist und wird bei der Verlegung anwesend sein.
Paten: Schülerinnen und Schüler des Georgius-Agricola-Gymnasiums Chemnitz, Christina Michel
10.30 Uhr, an der Eulitzstraße 7,
Die 19 Stolpersteine an acht Orten in Chemnitz im Einzelnen:
10.30 Uhr,
Hanna Luise Sachs, geb. Cohn
11.20 Uhr,
Carl Leder
Margarete Plaut
12.10 Uhr
Heinrich Frank
Rosa Frank
13 Uhr
Sally Spiro
Nina Spiro
Michael Spiro
13.40 Uhr
Gerhard Frank
Elisabeth Goeritz
Günther Konrad
Horst Heinz
15 Uhr
Else Schendel
15.30 Uhr
Alfred Ascher
16 Uhr
Ilse Ruth Lachmann
Eva Irene Lachmann
www.chemnitz.de/stolpersteine
Hier finden Sie den kompletten Artikel:
Fakten
- Stolpersteine werden am 6. Mai an acht Orten in Chemnitz verlegt und eingeweiht.
- Die Stolpersteine erinnern an die Menschen, die Verfolgte und Opfer des nationalsozialistischen Regimes waren.
- Kleine Messingtafeln auf den Steinen geben Auskunft über die wichtigsten Lebensdaten der geehrten Personen.
- Der Bürgermeister Ralph Burghart wird die Verlegung eröffnen und viele Angehörige und Freunde ehemals in Chemnitz lebender jüdischer Familien begrüßen.
- Die Stolpersteine sind ein Zeichen der Erinnerung an die Opfer des Holocausts.
- Die Verlegung der Stolpersteine findet am 6. Mai um 10:30 Uhr statt.
- An den acht Orten in Chemnitz werden insgesamt 19 Stolpersteine verlegt und eingeweiht.
- Die Stolpersteine sind an folgenden Orten zu finden: Eulitzstraße 7, Katharinenstraße 10, Beckerstraße 13, Hohe Straße 9, Zwickauer Straße 36, Brückenstraße 6, Astrid Ahnert (Stollberger Straße 38), Omas gegen Rechts Chemnitz (Hohe Straße 9).
- Die Stolpersteine sind ein wichtiger Teil der Geschichte und Erinnerung an die Opfer des Holocausts.
- Die Verlegung der Stolpersteine ist ein wichtiger Schritt, um die Erinnerung an die Opfer des Holocausts zu bewahren.
- Die Stolpersteine werden von der Stadt Chemnitz und verschiedenen Organisationen verlegt und eingeweiht.
- Die Verlegung der Stolpersteine findet in Anwesenheit von Angehörigen und Freunden ehemals in Chemnitz lebender jüdischer Familien statt.
- Die Stolpersteine sind ein Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Holocausts.
- Die Verlegung der Stolpersteine ist ein wichtiger Schritt, um die Geschichte und Erinnerung an die Opfer des Holocausts zu bewahren.
Es ist jedoch zu beachten, dass KI-generierte Inhalte trotz aller Bemühungen um Aktualität und Richtigkeit gelegentlich Unvollständigkeiten oder Ungenauigkeiten enthalten können. Wenn Sie Fragen zur Richtigkeit der Informationen haben oder zusätzliche Klarstellungen wünschen, wenden Sie sich bitte an unser Redaktionsteam. Wir schätzen Ihr Verständnis und bemühen uns stets, Ihnen zuverlässige und wertvolle Informationen zu bieten.