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Ist Schnellladen schädlich für den Handy-Akku?

Cagkan Sayin / Shutterstock.com



Schnellladen gehört längst zum Standard moderner Smartphones. Allerdings hält sich die Sorge, dass die hohen Wattzahlen den Akku ruinieren, immer noch hartnäckig.



Ein aufwendiger Langzeittest eines Youtube-Kanals hat diese Annahme nun auf den Prüfstand gestellt. Das Ergebnis nach 500 Ladezyklen ist überraschend.



Was beim Laden im Akku passiert



Alle modernen Smartphones benutzen entweder Lithium-Ionen-Batterien oder Lithium-Polymer-Batterien (kurz: LiPo-Akkus). Die Zellchemie ist aber bei beiden die gleiche: Es gibt eine negative Elektrode (Kathode), eine positive Elektrode (Anode) und Elektrolyte.



Die Energie, mit der ein Handy betrieben wird, entsteht, wenn die negativen Lithium-Ionen durch die Elektrolyte zur positiven Seite fließen. Ist der Akku leer, hört dieser Fluss auf. Beim Ladeprozess werden die Lithium-Ionen wieder zurück auf die negative Seite bewegt, damit der Zyklus von vorn beginnen kann.



Der Ladevorgang verläuft dabei nicht ausschließlich linear, weil Akkus wie eine Art Schwamm funktionieren: Sie absorbieren die meiste Energie, wenn sie leer sind, und nehmen weniger auf, wenn sie fast voll sind. Je näher also die Sättigung, desto ineffizienter die Ladung und desto flacher die Ladekurve. Die Ladespannung beginnt hingegen bei der maximalen Leistung und fällt dann relativ schnell ab.


Vereinfachte Darstellung eines Handy-Ladevorgangs: Rund ab der Hälfte des Akkustands nimmt die Ladeeffizienz ab.PC-Welt



Problem: Handy-Akkus bauen ab



Ob Schnellladen oder nicht: Alle Akkus nutzen sich über die Zeit ab. Das liegt daran, dass beim Fluss der Lithium-Ionen immer etwas Wärme abgegeben wird, auf die die chemischen Prozesse sehr empfindlich reagieren. Aus diesem Grund sollten Sie Ihr Handy auch nicht anstecken, wenn der Akku noch relativ voll ist, weil bei ineffizienter Ladung umso mehr Wärme frei wird.



Hinweis: Auf iPhones lässt sich dieser natürliche Verschleiß sogar einsehen. Unter Einstellungen > Batterie > Batteriezustand finden Sie dazu eine prozentuale Angabe der maximalen Akkukapazität, die noch zur Verfügung steht.



Die meisten Smartphone-Akkus sind auf 500 bis 800 vollständige Ladezyklen ausgelegt. Ein Ladezyklus entspricht dabei einer vollständigen Entladung von 100 auf 0 Prozent, auch wenn diese in mehreren Teilladungen erreicht wird. Wer sein Smartphone täglich auflädt, erreicht diese Grenze also nach etwa eineinhalb bis zwei Jahren.



Schnellladen im Langzeittest: Das Ergebnis überrascht



Der Youtube-Kanal HTX Studio hat über zwei Jahre hinweg insgesamt rund 40 Smartphones mit unterschiedlichen Lademethoden getestet, aufgeteilt auf drei Versuchsreihen. Erst im dritten Anlauf gelang ein belastbares Ergebnis.



Für den finalen Test kamen sechs iPhone-12-Modelle sowie mehrere Android-Smartphones vom Typ iQOO 7 zum Einsatz. Untersucht wurde der Unterschied zwischen ultraschnellem Laden mit 120 Watt und klassischem Laden mit 18 Watt. Jedes Gerät absolvierte 500 vollständige Ladezyklen über einen Zeitraum von 167 Tagen – das entspricht etwa eineinhalb Jahren typischer Nutzung.



Die eigens entwickelte Software “Discharge Loop” steuerte dabei automatisiert das Entladen und Wiederaufladen im Bereich von 5 bis 100 Prozent.



Das Ergebnis: Schnelles Laden schadet dem Akku kaum mehr als langsames Laden. Die iPhone-Gruppe mit Schnellladen verlor 12,3 Prozent Kapazität, die Gruppe mit langsamem Laden 11,8 Prozent. Das ist ein Unterschied von gerade einmal 0,5 Prozent. Bei Android-Geräten war die Differenz sogar minimal: Die Schnellladegruppe verlor 8,5 Prozent, die Langsamladegruppe 8,8 Prozent. Im Alltag ist das nicht spürbar.



In einem separaten Versuch testete HTX Studio eine gezielte Ladestrategie: Smartphones, die ausschließlich zwischen 30 und 80 Prozent geladen wurden, verloren deutlich weniger Kapazität als vollständig aufgeladene Geräte. Bei iPhones lag der Vorteil bei vier Prozent, bei Android-Geräten bei 2,5 Prozent.



Ab wann macht sich Akkuverschleiß bemerkbar?



HTX Studio hat auch untersucht, ab wann ein abgenutzter Akku im Alltag spürbar wird. Dafür testete der Kanal iPhones mit unterschiedlichem Akkuzustand auf Laufzeit und Leistung. Das Ergebnis: Sinkt die Akkugesundheit auf rund 85 Prozent, verkürzt sich die Laufzeit spürbar. Bei etwa 80 Prozent empfehlen die Tester einen Austausch.



Die Prozessorleistung bleibt vom Akkuzustand weitgehend unberührt. Allerdings drosseln Geräte mit verschlissenem Akku ihre Leistung früher, um unerwartete Abschaltungen zu verhindern.



Schnellladen erfordert neue Technologien



Damit hohe Wattzahlen sicher in den Akku fließen können, haben Hersteller verschiedene Schnellladestandards entwickelt. Der bekannteste ist Quick Charge von Qualcomm. Quick Charge 5+ ermöglicht eine Halbladung in nur fünf Minuten und steckt in allen Android-Smartphones mit Qualcomm-Prozessor, darunter Geräte von Samsung, Xiaomi, Sony und Motorola.



Daneben gibt es mit USB Power Delivery (USB-PD) einen herstellerübergreifenden offenen Standard, auf den vor allem Apple und Google setzen. Der Vorteil: Netzteile und Kabel von vielen verschiedenen Herstellern sind kompatibel.



SuperVOOC von Oppo und OnePlus geht noch einmal einen Schritt weiter. Was früher unter dem Namen “Warp Charge” bekannt war, läuft seit der Fusion beider Marken einheitlich unter diesem Begriff. Beim aktuellen OnePlus 15 lädt der 7.300-mAh-Akku mit 120 Watt SuperVOOC in nur 40 Minuten vollständig. Falls Sie kein SuperVOOC-Netzteil zur Hand haben, können Sie auch per USB-PD laden, dann aber nur mit maximal 55 Watt.



Wie Hersteller ihre Akkus schützen



Dass Schnellladen überhaupt so glimpflich für den Akku ausgeht, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis gezielter Schutzmaßnahmen. Hersteller wissen um die Wärmeproblematik und haben über die Jahre eine Reihe von Technologien entwickelt, die dafür sorgen, dass möglichst wenig Hitze beim Laden entsteht oder zumindest schnell wieder abgeführt wird.



Netzteile mit integrierter Energieverwaltung: Moderne Schnellladenetzteile sind keine simplen Stromlieferanten mehr. Eingebaute Schaltkreise überwachen den Ladevorgang aktiv und sorgen dafür, dass überschüssige Wärme bereits im Netzteil entweicht, bevor sie in die Nähe des Akkus kommt. Der Nachteil: Diese Adapter fallen dadurch oft etwas größer und schwerer aus als gewöhnliche Ladegeräte.



Paralleles Laden: Statt den gesamten Strom durch eine einzelne Akkuzelle zu leiten, wird er auf zwei parallel geschaltete Zellen aufgeteilt. Das halbiert die Wärmeentwicklung pro Zelle und macht höhere Gesamtleistungen erst sicher möglich. Viele Hersteller kombinieren diesen Ansatz inzwischen mit optimierten Netzteilen, um das Beste aus beiden Methoden herauszuholen.



Kühlhardware: Je besser ein Gerät Wärme ableiten kann, desto mehr Strom kann sicher in den Akku fließen. Hersteller setzen dafür auf Hitzeschilde, Dampfkammern oder sogar auf aktive Lüftungssysteme. Dampfkammern stecken schon seit Jahren in vielen Android-Geräten, zum Beispiel auch im neuen Samsung Galaxy S26 (seit dem S23) oder in den Gaming-Smartphones der Asus-ROG-Phone-Reihe.



Apple zog im September 2025 mit dem iPhone 17 Pro und Pro Max erstmals nach: Beide Modelle nutzen seither ebenfalls eine Dampfkammer, die Wärme vom Chip ableitet und so die Leistungsfähigkeit des Geräts auch unter Last erhält.



Unser Fazit: Ruiniert Schnellladen den Handy-Akku oder nicht?



Die kurze Antwort: nein – zumindest nicht nennenswert mehr als langsames Laden. Der Langzeittest von HTX Studio hat nach 500 Ladezyklen gezeigt, dass der Unterschied zwischen 120 Watt und 18 Watt im einstelligen Prozentbereich liegt und im Alltag kaum spürbar ist.



Den größten Einfluss auf die Akkulebensdauer haben tatsächlich die Nutzer selbst. Hier sind die wichtigsten Kurztipps, wie Sie Ihren Handy-Akku länger fit halten und im schlimmsten Fall sogar Brände vermeiden:




Vermeiden Sie Komplettentladungen. Der optimale Akkustand liegt im Bereich von 20 bis 80 Prozent.



Laden Sie Ihren Akku nicht auf, wenn er noch relativ voll ist (über 60 Prozent).



Meiden Sie extreme Temperaturschwankungen, egal ob Hitze oder Kälte.



Nutzen Sie immer das vom Hersteller mitgelieferte Ladezubehör (Netzteil, Ladekabel).



Laden Sie Ihr Handy nicht, wenn leistungsintensive Apps oder Spiele laufen.



Lassen Sie Ihr Handy nicht länger als nötig angesteckt, wenn der Akku voll aufgeladen ist. Hierfür bietet Android übrigens eine praktische Funktion.




(PC-Welt)