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“Für OpenAI ist es eine Befreiung”

width="2000" height="1125" sizes="auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px">OpenAI und Microsoft führen künftig eine offene Beziehung. Für den KI-Markt und die Anwender bleibt das nicht ohne Folgen.Microsoft



Microsoft und OpenAI haben ihre Kooperationsvereinbarung ein weiteres Mal überarbeitet und in diesem Zuge sowohl die Bedingungen für Exklusivität als auch Umsatzbeteiligungen gelockert. „Microsoft bleibt der wichtigste Cloud-Partner von OpenAI und OpenAI-Produkte werden zuerst auf Azure bereitgestellt – es sei denn, wir können oder wollen die erforderlichen Funktionen nicht unterstützen“, heißt es im Statement der Redmonder. Der Anfang 2023 geschlossene Cloud-Exklusiv-Deal sei nun jedoch passé, so Microsoft weiter: „OpenAI kann nun alle seine Produkte über jeden beliebigen Cloud-Anbieter bereitstellen. Microsoft wird bis 2032 weiterhin eine Lizenz für OpenAI-Modelle und -Produkte besitzen.“



Darüber hinaus informierte der Windows-Konzern auch über Änderungen an der Umsatzverteilung. Demnach werde Microsoft keine Beteiligung mehr an OpenAI bezahlen – umgekehrt sollen die Zahlungen noch bis zum Jahr 2030 weiterlaufen, unabhängig vom technologischen Fortschritt des KI-Pioniers. Ein wesentlicher Bestandteil der Partnerschaft zwischen Microsoft und OpenAI war bisher zudem eine Klausel, die die Geschäftsbeziehung neu regelt, falls das KI-Unternehmen eine AGI realisieren sollte. Dieser Punkt wurde zwar weder von Microsoft noch von OpenAI explizit erwähnt, Medienberichten zufolge jedoch mit der aktuellen Überarbeitung ebenfalls gestrichen.



„Der Lock-In verschiebt sich nur“



Die Analysten, mit denen wir gesprochen haben, sind sich weitgehend einig, dass die veränderte Vereinbarung einen aktuellen Trend in der Enterprise IT verstärken und ausweiten wird. Nämlich, sich gegen Risiken abzusichern, indem man mit mehreren KI-Anbietern zusammenarbeitet. Thomas Randall, Research Director bei der Info-Tech Research Group, beschreibt, wie sich der Markt verändert hat: „Die Ära des exklusiven Zugangs zu Pioniermodellen als strategisches Unterscheidungsmerkmal neigt sich dem Ende zu. Die Vereinbarung zwischen Microsoft und OpenAI im Jahr 2023 war bedeutsam, weil der Zugang zu GPT-4 knapp war. Das ist jedoch nicht mehr der Fall und die Unterschiede zwischen den Pioniermodellen haben sich seitdem erheblich verringert.“



Die geänderte Vereinbarung zwischen Microsoft und OpenAI sei eher eine formelle Anerkennung dieser Tatsache, meint Randall: „Für die IT heißt das in der Praxis, neue Wege zur Verfügung zu haben, um über andere Hyperscaler auf OpenAI-Modelle zuzugreifen. Das kann insbesondere für diejenigen attraktiv sein, die bislang gezögert haben, ihr Azure-Engagement zu vertiefen.“



Randall argumentiert, dass die Entwicklung eine Neuausrichtung der KI-Bemühungen in der Enterprise IT zur Folge habe, insbesondere im Hinblick auf die Differenzierung: „Wenn der Zugang zu Modellen auf der Infrastrukturebene zur Massenware wird, müssen sich strategische Fragen auf die Qualität und Governance proprietärer Daten, die Integrationstiefe agentischer Workflows sowie die organisatorische Fähigkeit zum großangelegten Einsatz von KI fokussieren.“



Folglich seien die Anbieter, die die Orchestrierungs- und Anwendungsschichten kontrollierten, am besten positioniert, um Wert zu generieren: „Der Wettbewerbsfaktor ist nicht mehr der Modellzugang, sondern wie tiefgreifend und zuverlässig die Anbieter KI in Unternehmens-Workflows einbetten können“, konstatiert Randall.



Alastair Woolcock, VP Analyst bei Gartner, sieht das angepasste Agreement zwischen Microsoft und OpenAI ebenfalls als eine unvermeidliche Reaktion auf einen sich wandelnden KI-Markt: „Die erste große KI-Schatteninvestition wird gerade für einen kalten Multi-Fronten-KI-Krieg neu geschrieben. Frontier-KI ist zu kapitalintensiv und infrastrukturgebunden – es war nur eine Frage der Zeit, bis der Cloud-Exklusivitätsdeal diesem Wandel erliegt.“



Für Microsoft sei dies ein kontrolliertes Zugeständnis, meint der Gartner-Mann: „Aus Investorenperspektive kontrolliert Microsoft damit die operative KI-Ebene in Unternehmen – durch Copilot, Azure, Security, Workflow-Integration, Data Gravity und den KI-Betrieb. Für OpenAI ist es eine Befreiung, weil nun die Nachfrage nicht mehr die größte Einschränkung darstellt, sondern Rechenleistung, Kapital und Vertrieb. Wenn ein Partner alles kontrolliert, kann OpenAI sich nicht zu einer globalen KI-Plattform entwickeln.“



Für IT-Führungskräfte in Unternehmen sieht Woolcock als Folge des veränderten Deals zwar künftig mehr Auswahlmöglichkeiten, aber nicht unbedingt weniger Abhängigkeit: „Der Lock-In verschiebt sich nur innerhalb des Stacks – von der Cloud-Infrastruktur hin zur Ausrichtung des KI-Ökosystems, der Orchestrierung von Agenten, der Workflow-Steuerung und der Datenverwaltung. Das verdeutlicht, dass die nächste Phase des KI-Wettbewerbs nicht über traditionelle Ownership ausgetragen wird – sondern über flexible Allianzen, Zugang zu Rechenleistung, Chips und Enterprise-Vertriebsnetzwerken.“



Tony Olvet, Group Vice President bei IDC, rechnet nicht damit, dass sich die angepasste Partnerschaft kurzfristig negativ auf Microsoft- oder OpenAI-Implementierungen auswirken wird. Das gilt allerdings nicht in Hinblick auf die Planungsmaßnahmen, wie er festhält: „CIOs und CTOs haben künftig mehr Optionen, um OpenAI-Funktionen zu beziehen. Dazu kommt eine stärkere kommerzielle Hebelwirkung und ein erhöhter Bedarf für KI-Governance über mehrere Kanäle hinweg.“



Das habe strategische Auswirkungen, meint Olvet. Der Analyst rät Unternehmen dazu, sich weiterhin auf starke Partner zu verlassen – gleichzeitig jedoch KI-Architekturen, -Verträge und -Governance-Frameworks zu entwerfen, die sich entsprechend der Marktentwicklung über verschiedene Clouds, Modelle und Anbieter hinweg anpassen lassen. (fm)



Dieser Artikel ist im Original bei unserer Schwesterpublikation Computerworld.com erschienen.