SUSEcon: Neue Wege aus dem VMware-Würgegriff
Von VWware auf SUSE wechseln? Mit einem Migrations-Tool soll dies künftig noch reibungsloser gehen.Postmodern Studio / Shutterstock
SUSE richtet sich mit einer neuen Partnerschaft an Unternehmen, die ihre VMware-Strategie überdenken. Ziel ist es, automatisierte Migrationen in großem Maßstab und ohne Downtime zu ermöglichen.
Das Open-Source-Infrastrukturunternehmen hat eine Kooperation mit Cloudbase Solutions angekündigt, um das Migrations-Tool Coriolis in seinen SUSE Virtualization Stack zu integrieren. Damit soll der manuelle Aufwand entfallen, der viele Unternehmen trotz geänderter Lizenzmodelle unter Broadcom bislang bei VMware gehalten hat.
„In einer Post-VMware-Welt sehen wir uns als moderne Infrastruktur-Schicht für die Virtualisierung“, erklärte Peter Smails, General Manager Cloud Native bei SUSE, auf der SUSEcon 2026 in Prag. „Die zentrale Herausforderung ist der Weg dorthin.“
Der Engpass: Menschen, nicht Technologie
Nachdem Broadcom VMware übernommen und die Lizenzmodelle drastisch verändert hatte, wollten zwar viele Unternehmen auf eine andere Lösung wechseln. Es fehlte ihnen aber die Kapazität, tausende virtuelle Maschinen manuell zu migrieren. Die Coriolis-Integration adressiert drei zentrale Probleme:
Personalaufwand,
Ausfallrisiken und
doppelte Lizenzkosten während der Migration.
Einige Analysten warnen jedoch, dass Tools allein das Problem nicht lösen werden – und der vielfach erwartete Massenexodus bislang ausgeblieben ist.
„Migrationen sind ein Zusammenspiel aus Menschen, Prozessen und Technologie“, erklärt Ashish Nadkarni, Group Vice President bei IDC. „Automatisierte Migrations-Tools decken zwar die Technologie ab – vielleicht auch einen Teil des Prozesses. Letztendlich hängt der Erfolg aber von Sorgfalt und Detailgenauigkeit ab.“
Bewusstere Zeitpläne
Laut Nadkarni hat sich die Lage stärker stabilisiert, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. „Die Dinge haben sich beruhigt“, betont er. „Broadcom hat seine Änderungen und Neuverhandlungsstrategien früh signalisiert. Wirklich überrascht war niemand.“
Tatsächlich nehmen viele VMware-Kunden höhere Kosten in Kauf oder verhandeln ihre Verträge neu, anstatt zu wechseln. „Warum etwas reparieren, das funktioniert? VMware ist extrem ‚sticky‘ und Preissteigerungen gehören zum Geschäft“, so der IDC-Analyst. „Unternehmen migrieren nicht massenhaft, nur weil die Preise steigen – das passiert bei allen Abonnements.“
Und selbst dort, wo Migrationen stattfinden, werden sie Zeit brauchen. „Diese Unternehmen haben oft mehr als 15 Jahre gebraucht, um ihre VMware-Landschaften aufzubauen“, betont Nadkarni.
Eine deutlichere Einschätzung liefert SUSE-Manager Smails zur ersten Reaktion der Kunden auf die Broadcom-Übernahme: „Alle sind erst einmal in Panik geraten“, erklärt er. „Und am Ende haben fast alle verlängert – genau das war Broadcoms Plan.“
Inzwischen kehrten Kunden mit realistischeren Zeitplänen zurück. „Ein Kunde berichtete mir heute: Wir haben ein Jahr Zeit – jetzt zahlen wir für Dinge, die wir gar nicht brauchen“, so Smails. „Broadcom dreht an jeder Schraube.“
Gleichzeitig betont er, dass SUSE keinen keinen „Rip-and-Replace“-Ansatz verfolgt: „Es kann auch ein schrittweiser Übergang sein.“
Migration als Teil des Lizenzmodells
Das Coriolis-Tool unterstützt Migrationen von VMware zu SUSE, die Rückführung aus der Cloud in lokale Infrastrukturen sowie validierte Pfade für SAP-HANA-Workloads.
Laut Smails erfolgt die Migration dabei agentenlos und unterstützt Live-Migrationen, so dass während des Übergangs Ausfallzeiten entfielen. Zudem integriere SUSE die Migration in seine Lizenzkosten: „Jede Lizenz enthält zehn Migrationen“, so der Manager.
Nadkarni positioniert SUSE als „Open-Source-Alternative zu Nutanix“. Gleichzeitig merkt er an, dass die Red-Hat-Lösung ursprünglich als Retrofit für Container und nicht für Virtualisierung konzipiert wurde.
„Wir wollen kein 1:1-Ersatz für VMware sein“, räumt auch SUSE-Manager Smails ein. „Wenn Unternehmen sich in Richtung Cloud Native entwickeln – und das tun 90 Prozent –, sind wir der richtige Partner.“ Ziel sei eine Plattform, die Container und virtuelle Maschinen gemeinsam verwaltet.
Ein Vorreiter aus der Praxis
Das Schweizerische National Supercomputing Centre (CSCS) hat bereits vor den Veränderungen bei VMware auf SUSE gesetzt und ist damit weiter als viele andere. Die Organisation begann schon 2021, Alternativen zu evaluieren, und betreibt heute 60 Kubernetes-Cluster und 400 virtuelle Maschinen auf SUSE-Infrastruktur.
„Als wir die Lizenzänderungen gesehen haben, dachten wir: Glück gehabt“, berichtet Systemingenieur Dino Conciatore. „Wir mochten geschlossene Systeme ohnehin nie.“
CSCS-Associate-Director Maria Grazia Giuffreda erklärte auf der SUSEcon, dass der Wechsel erhebliche Kapazitäten freigesetzt habe. „Dank SUSE Virtualization konnten wir den Aufwand für das Management der Infrastruktur um 70 Prozent reduzieren“, berichtete sie. „So gewinnen hochqualifizierte Ingenieure Zeit für neue Herausforderungen, statt sich mit routinemäßigen und wenig spannenden Aufgaben zu beschäftigen.“
Conciatore betonte jedoch, dass CSCS VMware nicht vollständig aufgegeben hat. „Wir steigen nicht komplett aus“, sagte er. „Entscheidend ist, dass wir VMware in den letzten Jahren nicht weiter ausgebaut haben und begonnen haben, Alternativen einzusetzen.“
Das größere Bild sehen
Für Unternehmen, die ihre Optionen noch prüfen, hängt die Entscheidung laut Nadkarni vor allem davon ab, wie tief sie im VMware-Ökosystem verankert sind. „Es geht nicht nur um VMware selbst, sondern um das gesamte Umfeld an Tools, die mit der Arbeitsweise von VMware verbunden sind. Genau das nutzt Broadcom aus.“
Das CSCS hatte hier einen Vorteil, berichtet Conciatore: „Seine Automatisierung behandelte physische und virtuelle Maschinen gleich, was die Entkopplung erleichterte. Diese Flexibilität haben jedoch nicht alle Unternehmen.“
SUSE positioniere sich als VMware-Alternative, weil es eine funktionierende Lösung bietet, konstatiert er. „Derzeit ist es besonders wichtig für uns, nicht an einen Anbieter gebunden zu sein.“ (mb)
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