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World ID – das Sicherheitskonzept für die KI-Ära?

loading="lazy" width="400px">Das Blockchain-Projekt World ist jetzt auch Agentic-AI-ready.Worldcoin



Identity Management ist für jedes Unternehmen ein zentrales Anliegen – das mit dem Aufkommen von KI-Agenten zunehmend komplexer und undurchsichtiger wird. Das Blockchain-Projekt World (ehemals Worldcoin) sowie das dahinterstehende Unternehmen Tools for Humanity will diese Herausforderung mit einem einzigartigen Ansatz stemmen, der jedoch nicht unumstritten ist.



Das Ziel des 2019 unter Beteiligung von OpenAI-Gründer Sam Altman ins Leben gerufenen Projekts ist es, ein digitales „Proof of Human“-Ökosystem für das Internet zu etablieren. Um die Umsetzung dieser Idee in der Agentic-AI-Ära weiter voranzutreiben, kündigte die Initiative vor kurzem eine Reihe von Maßnahmen an. Darunter:




die Einführung von Version 4.0 des World-ID-Protokolls,



eine neue World-ID-App,



World ID for Business,



World ID for Agents,



ein Verifizierungs-Tool namens „Selfie Check“, sowie



Integrationsmöglichkeiten mit Zoom- und Okta-Lösungen.  




„Wir gestalten unseren Stack auf Grundlage einer sehr einfachen Idee um: Menschen sollten ein recht auf umfassende Sicherheit und Datenschutz haben“, kommentiert Daniel Shorr, Chief of Staff des CEO bei Tools for Humanity, die Neuerungen.




"Our goal is to make World ID be this new proof of human for the internet."@sama on why an AI-saturated world needs privacy-preserving proof of human, and why @worldnetwork started building it years ago. pic.twitter.com/9BRn9rVCjG— a16z crypto (@a16zcrypto) April 17, 2026




Proof of Human – so funktioniert’s



Mit seiner Iris-Bildgebungstechnologie zielt das Unternehmen darauf ab, E-Mail-Adressen, Fotos und andere persönliche Daten für digitale Identitätsnachweise überflüssig zu machen – und sie durch einen sogenannten „Proof of Human“ zu ersetzen. Das soll unter anderem auch dazu beitragen, Deepfakes, Identitätsdiebstahl und sonstigen betrügerischen Vorgängen entgegenzuwirken – und so das Vertrauen in Online-Interaktionen zu festigen.



Dazu werden mit Hilfe des bekannten „Orbs“ hochauflösende Bilder der menschlichen Iris erstellt, die dann innerhalb von Sekunden lokal zu einem „IrisCode“ verarbeitet werden. Dieser kryptografische Hash-Wert basiert auf den individuellen Merkmalen der jeweiligen Person und stellt sicher, dass pro Nutzer jeweils nur ein Konto existiert: Dazu werden die IrisCodes mit einer globalen Datenbank auf Blockchain-Basis abgeglichen.



Für diese Überprüfung kommen Zero-Knowledge-Proofs (ZKPs) zum Einsatz. Dieser kryptografische Verifizierungsmechanismus funktioniert, ohne weitere, personenbezogene Daten heranzuziehen. Um das Breach-Risiko zu minimieren und Reverse Engineering zu verhindern, werden IrisCodes zudem anonymisiert und über sichere Server verteilt. Die über den Orb erzeugten Originalbilder werden standardmäßig gelöscht. Mehr als 18 Millionen Menschen in 160 Ländern haben laut Tools for Humanity bereits ihre „Menschlichkeit“ auf diese Art und Weise verifiziert.



World ID 4.0 – das ist neu



Mit World ID Version 4.0 soll dieses System künftig skalierbarer und leistungsfähiger werden. Dazu wurden zahlreiche Optimierungen integriert, etwa:




Key-Rotation (trennt Schlüssel von Identitäten),



Multi-Party-Entropie (sorgt dafür, dass Interaktionen nicht zurückverfolgt werden können), sowie



feinmaschigere Zugriffskontrollen.




Zudem enthält World ID 4.0 auch die neue Verifizierungsmethode „Selfie Check“, die anstelle des Orb-Devices auf Smartphones genutzt werden kann: „Das ist nicht so robust wie der Orb, aber nicht jeder Anwendungsfall erfordert heute den Goldstandard, den der Orb bietet“, erklärt Shorr. Darüber hinaus umfasst World ID nun auch Tools, um Aufgaben an KI-Agenten zu delegieren. Das sei besonders wichtig in kritischen Momenten, in denen Benutzer oder Plattformen sicherstellen müssen, dass ein Kauf oder eine Entscheidung absichtlich erfolgt ist, meint der Manager. Weil das alles auch finanziert werden muss, kündigte Tools for Humanity zudem ein neues Monetarisierungsmodell für das World-Netzwerk an: „Wenn Dienste oder Entwickler einen World-ID-Nachweis verlangen, zahlen die Apps dafür künftig eine Gebühr – nicht die Menschen.



Außerdem kündigte das Unternehmen hinter World ID auch neue Kooperationen – beziehungsweise Integrationen – an: 




Der Sicherheitsanbieter Okta führt mit „Human Principal“ eine Verifizierungsmethode auf World-ID-Basis ein, die bereits in einer Beta-Version verfügbar ist.



Auch in Zoom-Meetings können sich Nutzer künftig über World ID Deep Face verifizieren – sogar in Echtzeit.  




World ID überzeugt nicht jeden



Obwohl die ehrgeizige Initiative als Mittel angepriesen wird, um das Internet sicherer, demokratischer und inklusiver zu gestalten, stößt sie auch auf deutliche Kritik. So warnen etwa Whistleblower Edward Snowden und andere Experten, vor Datenschutzrisiken in Zusammenhang mit biometrischen Daten. In ihrer Argumentation könnte die massenhafte Speicherung von Iris-Daten mit immensen Sicherheitsproblemen sowie Potenzial für Missbrauch und unrechtmäßige Überwachung einhergehen.  



Weitere Kritikpunkte: World ID erfordert, einem einzelnen Unternehmen blind zu vertrauen. Und: Die Erfassung von biometrischen Daten wird in den Augen mancher dazu eingesetzt, Menschen in Schwellenländern auszunutzen. So wurde das World-Projekt etwa in Kenia vor allem deshalb populär, weil für die Iris-Scans eine Belohnung in Form der Kryptowährung Worldcoin (WLD) ausgezahlt wurde. Inzwischen wurde das Projekt in einigen anderen Ländern wie Brasilien, Indonesien oder auch Spanien ausgesetzt, beziehungsweise eingestellt – in erster Linie aufgrund von Datenschutzbedenken. Tatsächlich werden die Orbs, deren Auslieferung im dritten Quartal 2025 begann, von Tools for Humanity erworben und befinden sich im Besitz von sogenannten „Community-Betreibern“. Diese verifizieren mit den Devices World-IDs und erhalten für ihre Bemühungen WLD-Token.



David Shipley, CEO des Sicherheitsanbieters Beauceron Security sieht den Schutz biometrischer Daten als entscheidend an und verweist dabei auf Apples Ansatz, bei dem diese Daten das Device nicht verlassen. Mit Blick auf World ID ist der Manager hingegen skeptisch: „Das scheint mir eine extrem schlechte Idee zu sein. Zwar ist eine sichere, verifizierte digitale ID als vertrauenswürdiger Dienst dringend erforderlich, aber die sollte nicht von einem privaten Unternehmen bereitgestellt werden.“



Der Nachweis, ein Mensch oder ein Bürger zu sein, seien öffentliche Güter und sollten entsprechend auch von öffentlichen Stellen bereitgestellt werden, die durch demokratische Vertretungen zur Rechenschaft gezogen werden können, argumentiert der Experte. (fm)